04.07.2009 04:27 | Meine Presse Merkliste0

Die Mär von der laizistischen Türkei

HELMAR DUMBS (Die Presse)

Ein Ende des Kopftuchverbots ist kein Schritt zum Gottesstaat. Gefahren lauern anderswo.

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Es ist wie das Amen im Gebet: Wann immer die islamisch-konservative Regierung der Türkei sich anschickte, am Kopftuchverbot für Studentinnen zu rütteln, sahen ihre Gegner gleich das Ende des laizistischen Staates kommen. Nun hat das Parlament – und zwar mit den Stimmen der Nationalisten – tatsächlich per Verfassung ein Kopftuchverbot verboten. Ein erster Schritt zum Gottesstaat? Keineswegs.

Der Staat hat das Recht, seinen Angestellten das Tragen religiöser Symbole zu verbieten. Er hat aber kein Recht, von Studentinnen als „Kunden“ der Unis zu verlangen, beim Betreten des Campus das Kopftuch abzunehmen. Dieses Stück Stoff darf nicht bewirken, dass jemandem der Weg zu höherer Bildung verwehrt wird. Premier Erdogans Initiative gibt also Musliminnen in der Türkei ein Recht, das sie in Europa und den USA längst haben. Gefahren lauern anderswo: So häufen sich Berichte, dass unter Erdogan im Staatsdienst Männer vorgezogen werden, deren Frauen den „Türban“ tragen. Das untergräbt tatsächlich die Fundamente eines religiös offiziell neutralen Staates. Offiziell. Denn wie laizistisch ist eigentlich ein Staat, dessen Religionsbehörde sogar bis in die Freitagspredigten hineinregiert? De facto ist der Islam in der Türkei Staatsreligion, während man etwa christliche Kirchen von Amts wegen karniefelt. Das ist keine Trennung von Staat und Religion, das ist komplette Kontrolle der Religion durch den Staat. (Bericht: S. 5)


helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2008)

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12 Kommentare
ohneland
12.02.2008 07:38

Turk-Islam

Die AKP-Clans, nicht der Staat kontrollieren derzeit die Religionen in der Türkei. Von einem Staat im okzidentalen Sinne kann dort gar keine Rede sein. Und das Christentum wurde in den letzten hundert Jahren so kontrolliert, dass es praktisch verschwunden ist. Die Machthaber haben in der Türkei übrigens immer schon die Religion kontrolliert, zB durch den Osmanen-Clan. Denn praedominant war in der Türkei stets ein kruder Turk-Rasissmus. Von einer Nationsbildung im westlichen Sinne, durch die der Einzelne seine spezifische Prägung und Individualität erhält, kann dort keine Rede sein. Das Religionsamt hat den Sultan ersetzt, der Islam ist ein ideologisches Instrument des turk-osmanischen Eroberungsdranges geblieben.
Welcher in den letzten Jahrzehnten wieder aktiv geworden ist und gerade bei unseren deutschen Nachbarn einen Paukenschlag gesetzt hat.

Gast: Gastschreiber
11.02.2008 02:09

Schamhaarverhüllung

Fehler-Korrektur - Es soll natürlich heissen:

Auch bei uns dürften Männer, deren Ehefrauen einen sittlich einwandfreien Lebenswandel führen, bei einer Bewerbung im Staatsdienst bevorzugt werden.

Kemalist
10.02.2008 20:55

Naja...

Es behauptet auch keiner, dass nur deswegen, da jetzt auch Studentinnen mit Türban studieren, die Türkei ab morgen ein Gottesstaat ist.
Das Problem liegt doch darin, dass diejenigen, die mit Türban studieren möchten, bereits heute fordern, diesen auch in der Schule zu tragen. Sie fordern, diesen später auch im Arbeitsleben zu tragen. Dann wird die Regierung Erdogan mit den gleichen Argumenten versuchen, den Turban in Schulen oder Behörden freizugeben. Mit dem gleichen Argument der religiösen Überzeugung könnte sich auch eine Muslima zB. Ärztin weigern, einen männlichen Patienten zu behandeln. Das allles ist Realität und wird kommen, da die Islamisten nur ihre eigenen Rechte kennen und nur die Regeln des Koran als Gesetz akzeptieren. Sie fordern, geben aber nicht.
Schön, dass Kopftuch ist in deutschen Unis frei. Daher kommen auch die ganzen Probleme, vgl. Kopftuchurteile.
Daneben gibt es noch viele weitere islamistische Gefahren, die bekämpft werden müssen.

Antworten generator
11.02.2008 10:21

Re: Naja....

Guter Kommentar von Ihnen.

Das Kopftuchverbot in staatlich-öffentlichen Räumen, welches die Frauen schützt vor den Diskriminierungsnormen des Islam, will die reaktionär-fundamentalistische AKP-Regierung aufheben.

Was ist die Folge?:

Frauen können sich dann nicht mehr darauf berufen, Kopftücher seien an bestimmten Orten in der Türkei verboten, wenn sie dem moralischen Druck, ohne Kopftuch unehrenhaft zu sein, entgehen wollen.

Ist der Diskriminierungsschutz erst einmal aufgehoben, entfaltet sich der islamische, moralisch wirkende Anpassungsdruck auch in diesen letzten Schutzzonen der Antidiskriminierung.

Hoffentlich zieht das Militär bald die Reißleine.

Antworten Frage - Antwort
10.02.2008 23:39

Re: Naja...

Mal langsam: Sie sind hier sozusagen der Anführer jener, die behaupten, dass die Türkei wie der Iran wird (Gottestaat). Nun ein Rückzieher?

Sie haben offensichtlich ein Problem damit,zu akzeptieren,dass die Mehrheit auf eine andere Weise leben möchten als Sie.Es kann nun mal nicht jeder die gleiche Denkweise haben.

Dass aber die Minderheit versucht,der Mehrheit vorzuschreiben,wie sie zu leben hat, ist schlicht und einfach lächerlich.Sollen sich doch die Militärs einmischen-dann wird es schlimmstenfalls einen Bürgerkrieg geben,bei welchem die Atatürks eindeutig verlieren werden. Nur weil Generäle und Uni-Räte,welche von Atatürks in diese Position gebracht wurden, sich gegen das Kopftuch etc. aussprechen,heißt das nicht,dass sie damit auch Erfolg haben werden.

Die Laizisten werden diejenigen sein,die den Kürzeren ziehen.Ob das nun Morgen, Übermorgen oder in ein paar Jahren passiert-es wird passieren.Dessen sind sich alle bewusst.Nur akzeptieren wollen es nicht alle

Antworten Antworten Harbis
11.02.2008 09:57

Re: Re: Naja...

Ein ehemaliger bayrischer Politiker sagte: "Nur die dummsten Kalber wahlen ihren Schlachter selbst". Sie sind eines dieser Kalber. Und ich wage zu behaupten, dass Sie auch einer jener sind die zuerst schreien werden.."Na das hat NIEMAND gesagt..i will sofort raus da und ich will gefalligst auch als Fluchtling behandelt und bezahlt werden".

Meiner bescheidenen personlichen Meinung sollte jede sich selbst schimpfende Demokratie das Recht besitzen zu machen was immer die Mensch wollen. Was ich aber NICHT akzeptiere, ist!
- Zuerst "Juchhu" schreinen und dann die anderen dafur zahlen lassen.
- Die Rosinen im Kuchen verspeisen aber keinen Beitrag zur Widerbeschaffung leisten wollen.
- Jegliche Vorteile des Rechststaates nutzen um sichh dann daruber aus zu lassen...etc. etc...

Ich bin auch dafur, dass Sie als erster in der Turkei den neuen Shari'a Staat geniessen durfen.
Bei Nichtgefallen? Es gibt den Iran als Nachbarn. Vielleicht ist es dort besser. SICHER nicht in OE!!

Antworten Antworten Antworten Gast: Wolfgang Bastian
11.02.2008 15:05

Re: Re: Re: Naja...

Kopftuch hin, Kopftuch her. Zunächst einmal bleibt es dem türkischen Staats selbst überlassen, was dort für richtig gehalten wird oder auch nicht. Merkwürdig in dieser ganzen Diskussion ist, keiner der Schreiberinnen und Schreiber hat ein Mandat für das türkische Parlament.

Wenn aber die CSU erwähnt wird, dann möcht ich doch festhalten, wenn schon, denn schon. Dann müssten nämlich z.B. alle religiösen Zeichen in Deutschland, in Oesterreich, in der Schweiz und ganz besonders in Bayern verboten werden, oder etwa nicht? Frankreich ist da schon ein Schritt weiter! Oder wie kommt es, das z.B. bei uns die Bischöfe, die mittlere Führungsebenen der Kirchen, die Militärpfarrer und Militärbischöfe usw... direkt und indirekt vom Staat entlohnt werden, entsprechend der Beamtenbesoldung. Schulreligionsunterricht, die Universitäten usw. gehören auch dazu. Also wirklich, ein wahrheitswidrige Darstellung.

Wolfgang Bastian
Orth.-Kath.- Gemeinde Bregana/Lauterbach

www.orthodoxkatholisch.de.tl

Antworten Antworten Kemalist
11.02.2008 09:50

Re: Re: Naja...

Wenn Sie meinen gesamten Beitrag gelesen und verstanden hätten, womit Sie oftmals Probleme zu haben scheinen, würden Sie erkennen, dass ich keinen Rückzieher gemacht habe.

Die Aufhebung des Kopftuchverbotes unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit ist nur ein Schritt zu einem Gottesstaat. Wiederholen möchte ich mich nicht.

In der Türkei steht es jedem frei, im Privatbereich herumzulaufen wie er will, wobei, wie ich schon einmal erwähnt habe, man sich zwar verhüllen darf, jedoch nicht zu freizügig sein darf.

Schauen Sie, in der Türkei ist nicht eine Mehrheit für den Türban. Nicht alle, die sich für die Aufhebung des Kopftuchverbotes aussprechen, sind Islamisten. Es sind auch Gutmenschen dabei.

Der Islamismus strebt in der Türkei auf, aber nur deswegen, weil sich gewisse Schichten noch zurückhalten, die Islamisten aus der Türkei zu vertreiben. Gehen Sie einfach in Frieden. Aber gehen Sie.

Gast: Europäer
10.02.2008 19:45

Danke!

Endlich sieht dies einer!

generator
10.02.2008 18:57

Kein Schritt zum Gottesstaat und ist ads Kopftuch nur ein Stück Stoff?

Der Herr Dumbs schreibt los nach dem Motto: "Unwissenheit ist Stärke"

Es hätte ihm nicht geschadet, wenn
er sich vorher informiert hätte, welche Symboliken das Kopftuch beinhaltet, bevor er so etwas verfasst.

Ein paar Beispiele:

Das Kopftuch im Islam verdeutlicht unter anderem die Andersartigkeit der Frau, die aufgrund der theologischen Auslegung fundamentalistischer "Ulema"(Rechtsgelehrte) als "Aurah" (Mangel) angesehen wird, die mit ihren Reizen "Fitna" (Unruhe)" in die Umma bringt. Nach fundamentalistischer Lehre ist eine Frau ohne Kopfbedeckung nackt.

hier: http://www.salaf.de/swf/ges0010.swf

Bassam Tibi: "Es geht um eine Scharia-Vorschrift. Das Kopftuch steht für die fehlende Europäisierung."
http://www.tagesspiegel.de/meinung/
Kommentare;art141,2331375

Seyran Ates: "Es ist ein Symbol für die Reduzierung der Frau zum Sexualobjekt." http://www.pi-news.net/2007/12/
seyran-ates-der-multikulti-irrtum-2/

Antworten Frage - Antwort
10.02.2008 23:31

Re: Kein Schritt zum Gottesstaat und ist ads Kopftuch nur ein Stück Stoff?

1: Aurah it nicht "Mangel". Man sieht, dass Sie ja eine wunderbare Quelle und nochdazu ein wunderbares Verständnis über das von Ihnen gelesene haben.
Schlagen Sie mal - dazu haben Sie sicher Zugang - bei Wikipedia nach.
Das Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was nun ein Schambereich ist und was nicht, ist logisch. Dass Sie Ihre Vorstellungen über den Schambereich einer Person aufzwingen möchten (wenn auch indirekt), zeigt, was für ein Demokratieverständnis Sie haben.

2: pi als Informationsquelle ist nicht etwas, womit man sich brüsten kann. Hier ein kleiner Link - einfach mal durchlesen. Ich bin mir sicher, dass jetzt kommt "Ach der ist nur umgefallen. Dieser "Gutmensch""
http://ramonschack.wordpress.com/2007/11/05/politically-incorrectjens-von-wichtingen-steigt-ausein-gastbeitrag/


Helmut Magnana
10.02.2008 18:56

Es läuft doch alles auf das selbe hinaus!

Faktum ist, daß unter der AKP-Regierung Erdogans die Islamisierung der Türkei auf verschiedenen Ebenen fort schreitet. Als die radikal-fundamentalistische Revolution im Iran 1979 den Schah vom Pfauentthron vertrieb, war das erste SICHTBARE Merkmal der grundlegenden Veränderung im Land die "neue Kleiderordnung" für Frauen. Es wurde für diese zur PFLICHT, in der Öffentlichkeit komplett verhüllt zu sein; "Religionswächter" verprügelten Zuwiderhandelnde gleich auf der Straße windelweich.

Von einem RECHT, auf Uni-Ebene das Kopftuch (wenn nicht gar noch mehr!) zu tragen, war also niemals die Rede! Diesen Blödsinn reden uns nur die Erdogans und ihre euopäischen Nachplapperer in gewissen Redaktionen und gutmenschlichen Multikulti-Vereinen ein! Daß in der heutigen Türkei im Staatsdienst Männer bevorzugt werden, die ihre Frauen zum Kopftuchtragen anhalten, dient nur der konsequenten Abrundung dieser aktuellen Entwicklung.

Und diese geht immer mehr von Europa weg. Brüssel, wach auf!

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