Nicht erst seit Juan Carlos königlichem Sager weiß man: Hugo Chávez kann sein Maul nicht halten. Doch jetzt hat Venezuelas Präsident öffentlich eine Minute lang geschwiegen, zum Gedenken an den Farc-Rebellen Raúl Reyes. Die kolumbianische Armee habe ihn auf ecuadorianischem Boden „feig ermordet“. Jeder weiß: Den Farc-Guerilleros geht es nur noch um Terror und Drogen. Doch Chávez unterstützt sie, wie nun die Kolumbianer belegen, mit 300 Millionen Dollar. In seinem Kampf gegen das US-„Imperium“ und dessen „Schoßhündchen“ Kolumbien ist ihm offenbar jeder Verbündete recht.
Es stimmt: Kolumbien hat bei dem Angriff Ecuadors Hoheitsrechte verletzt. Aber sind 1800 Meter ein Grund, mit Krieg zu drohen? In einem Dschungel, den niemand kontrollieren kann und will? Schon gar nicht Ecuadors Präsident Correa, ein Vasall von Chávez. Man sollte ihn daran erinnern, dass er Militär abzog, damit sich die Rebellen ungestört einnisten können. Nein, es geht nicht um Hoheitsrechte, sondern um den Mythos der Robin Hoods gegen Großgrundbesitzer und folternde Militärs. Doch das ist die Realität von gestern, nicht von 2008. In Peru und Brasilien haben sich Elite und Bauern, Indigene und Weiße versöhnt. Eine boomende Wirtschaft finanziert Programme gegen die Armut. Es geht, wenn auch langsam, voran. Hass-prediger Chávez will das nicht wahrhaben. Sein „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ katapultiert Südamerika zurück ins 19. In die Zeit Bolívars, als Kriege noch die Freiheit brachten. (Bericht S. 11)
karl.gaulhofer@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2008)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google














