Hin und wieder hat es gute Gründe, wenn ein Bischof unbekannt ist. So wie Elmar Fischer. Oder kannten Sie den Mann bis vor kurzem? Eben. Jetzt hat er landesweit eine gewisse, eher fragwürdige Aufmerksamkeit mit seinen verbalen Ausfällen gegen den Bau von Minaretten in Österreich erlangt.
Dass er im Vorarlberger Vorgänger Klaus Küng, der in St. Pölten genug Probleme aufzuarbeiten hätte, einen Kampfgefährten findet, überrascht. Wie wohl sich die beiden in Gesellschaft von Strache & Co. fühlen, mag ihre Sache sein. Interessanter ist, dass die Exzellenzen Kardinal Christoph Schönborn konterkarieren – und, nebenbei bemerkt, die Linie des Vatikans. Hat doch Papst Benedikt XVI. die Kurie beauftragt, den Dialog mit dem Islam wiederzubeleben. Im November soll es ein hochrangiges Treffen mit muslimischen Würdenträgern geben. Aufschlussreich, dass sich Bischöfe, die ihre Rom-Treue hervorheben – als ob es (in Österreich) einen Bischof gäbe, der das nicht ist – hier einen Ausreißer erlauben. Anstößig wird es, wenn Küng meint, Muslime sollten auf Minarette verzichten, solange Christen in islamischen Ländern der Kirchenbau verboten ist. So nimmt er Unschuldige verbal in Geiselhaft. Und beweist ein abstruses Verständnis freier Religionsausübung. Wie geruhen die Herren Bischöfe zu argumentieren, wenn sich jemand durch, Gott möge abhüten, Kirchtürme provoziert fühlt? (Bericht: Seite 3)
dietmar.neuwirth@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2008)

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