Sehr oft ist sich die Große Koalition ja nicht einig, der grauenhafte Inzest-Fall von Amstetten lässt die Regierungspartner aber jetzt enger zusammenrücken. Das Ansehen und der Ruf Österreichs seien durch diesen Fall, der ja ein Einzelfall sei, gefährdet; die Regierung werde daher eine Image-Kampagne in aller Welt starten, verkündeten jetzt Kanzler und Vizekanzler vor Journalisten.
Natürlich stimmt es, dass die internationalen Medien in vielen Köpfen das Bild eines Landes prägen, in dem angeblich Wegschauen an der Tagesordnung ist und Verliese nichts Ungewöhnliches sind. Aber dieses Bild wird in einigen Tagen, vielleicht Wochen verblassen, und die Welt dann mit einer groß angelegten Kampagne zu erinnern, dass wir Österreicher ja gar keine Bösen sind, bringt garantiert nichts. Und könnte auch kontraproduktiv sein, da ja doch viele Menschen die Absicht erkennen und sich wieder an „das andere Österreich“ erinnern. Zugleich ist auch nicht zu erwarten, dass jetzt Touristen ausbleiben. Gab oder gibt es einen Österreicher, der wegen der grausigen Verbrechen von Dutroux nicht nach Belgien gefahren ist?
Derartige Kampagnen sind teuer und es wäre allemal besser, das Geld in den Ausbau von entsprechenden Hilfs-Institutionen zu investieren. Und es gibt in diesen Tagen genügend andere Gelegenheiten (die Fußball-EM steht an!) das Land abseits vom Inzest-Drama positiv und unaufdringlich zu präsentieren. (Bericht: S. 11, 12)
gerhard.bitzan@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2008)
















