25.05.2012 20:27 | Meine Presse Merkliste 0

Wenn die USA mit Feinden reden

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Wer wie Barack Obama mit dem Iran verhandeln will, muss nicht unbedingt ein Naivling sein.

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Richard Nixon flog 1972 nach Peking und traf den chinesischen Massenschlächter Mao Zedong, Ronald Reagan setzte sich 1985 mit dem Generalsekretär des sowjetischen „Reichs des Bösen“, Michail Gorbatschow, an den Tisch. In der jüngeren Geschichte gab es immer wieder republikanische US-Präsidenten, die mit ihren Feinden gesprochen haben. Auch George W. Bush, der gerne als beschränkter Schwarzweißmaler dargestellt wird, hat das getan und sowohl mit Libyen als auch mit Nordkorea Vereinbarungen erzielt.

Es ist vor allem Wahlkampfrhetorik, wenn der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama nun als Weichei verunglimpft wird, weil er mit Irans Führung reden will. Eine Normalisierung der US-Beziehungen zum Iran könnte helfen, ein atomares Wettrüsten in Nahost zu verhindern und die Region zu stabilisieren. Natürlich wäre es naiv, von einem Dialog Wunder zu erwarten. Gespräche können missbraucht werden, um Zeit zu gewinnen. Umgekehrt hat die harte Tour die Mullahs bisher auch nicht vom Atom-Trip runtergeholt.

Wer mit dem Iran verhandeln will, muss nicht gleich die Neuversion des Münchner Abkommens anstreben. Der Appeasement-Vorwurf ist nicht stichhaltig. Churchill meinte, Appeasement betreibe, wer ein Krokodil füttere, um als letzter gefressen zu werden. Die USA und Israel aber haben eine Keule in der Hinterhand, um dem iranischen Krokodil notfalls aufs Haupt zu schlagen. (Bericht: Seite 10)


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2008)

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1 Kommentare
Gast: Niederösterreicher
25.05.2008 23:20
0 0

Nicht alles was für die USA oder Israel gut ist, dient der Demokratie!

Sicher ist, daß die USA und Israel im Gegensatz zu den übrigen Nahost-Staaten über Atom-Waffen verfügen und bereit sind, diese zur Sicherung ihrer Interessen auch einzusetzen. Und diese bestimmen auch, was andere zu tun und lassen haben. Auch wenn die eine oder andere Regierung im Nahen Osten aus verschiedenen Motiven geneigt ist, das zu tun, was die beiden Atom-Staaten "empfehlen", so heißt das noch lange nicht, daß die Völker des Nahen Ostens diesen über ihre Köpfe hinweg getroffenen Entscheidungen auch wirklich zustimmen. Sollen diese Entscheidungen auch wirklich den Namen "demokratisch" verdienen, so wird es wohl notwendig sein, mit den betroffenen Regierungen und Völkern auch in wirklich gleichberechtigte Verhandlungen einzutreten. Daß also ein "demokratischer" Präsidentschaftskandidat wenigsten von "Verhandlungen" spricht, ist gegenüber der Ära "Bush", der sich allein anmaßte, über Krieg und Frieden in einer Region nach Gutdünken zu entscheiden, ein wesentlicher Fortschritt!

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