Diplomaten drücken es natürlich vorsichtig aus: „Die Vorkommnisse untergraben das Vertrauen der Bevölkerung in demokratische Prozesse“, hieß es aus dem Außenamt in Berlin am Montag mit gekonnt besorgtem Unterton, nachdem es bei der Parlamentswahl in Mazedonien zu schweren Auseinandersetzungen gekommen war. Die forderten nicht nur ein Todesopfer und viele Verletzte, sondern führten auch dazu, dass die Wahl teilweise wiederholt werden muss. Die OSZE hat die Gewalt klar verortet, nämlich ausschließlich in albanisch dominierten Regionen. „Anderswo lief die Wahl im Allgemeinen ordentlich ab“, sagen die OSZE-Beobachter.
Das tut dem fragilen Mazedonien, das mit seiner schwachen Wirtschaft, seinem heiklen Volks-Mix und seinen Nachbarn schon genug zu tun hat (und sich auch – siehe „VMRO-DPMNE“, der Partei von Premier Gruevski – mit dem grausigsten Parteikürzel der Politikgeschichte herumschlagen muss), gar nicht gut: So dürfte nun die EU die Beitrittsaussichten für Skopje weiter auf Eis legen.
Man kann es daher auch klarer ausdrücken: Die Albaner schlagen im demokratischen Porzellanladen alles zusammen. Die in sich zerstrittene albanische Minderheit (rund 25 Prozent) in dem 2,1-Millionen-LandMazedonien, die sich nach allen Regeln der traditionellen balkanischen Streitkultur befehdet, lässt so erahnen, wie weit sie von Europareife entfernt ist. Und für das Bild von „den Albanern“ ist das alles andere als positiv.
(Bericht: Seite 8)
wolfgang.greber@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2008)

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