25.05.2012 20:32 | Meine Presse Merkliste 0

Das letzte Tabu

MARTINA SALOMON (Die Presse)

Die Zahl der Abtreibungen bei jungen Mädchen steigt. Kein Thema für die Politik.

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Stell dir vor, es gibt ein Problem, und keiner schaut hin. Die Zahl junger Mädchen zwischen 14 und 19, die eine Abtreibung vornehmen lassen, hat sich zumindest an einer privaten Wiener Klinik seit 2005 fast verdreifacht. Ist das ein allgemeines Phänomen, was sind die Gründe, wie könnte Vorsorge getroffen werden? Wir wissen es nicht. Es werden in Österreich ganz bewusst keine Statistiken geführt, das Thema ist vollkommen tabuisiert. Wer daran rührt, wird ins reaktionäre Eck gestellt. Ende der Debatte.

So kann es nicht weitergehen. Niemand will Frauen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen sehen, wieder kriminalisieren. Das wäre auch absurd. Aber wenn in einer so aufgeklärten Gesellschaft wie der österreichischen tatsächlich immer mehr Mädchen ungewollt schwanger werden, dann muss man die Ursachen erforschen. Verzichten Jugendliche (Burschen mit eingenommen!) leichtfertig auf Verhütungsmittel, weil man „im Notfall“ ja immer noch abtreiben gehen kann? Oder ist in einer Gesellschaft, wo schon jeder Mittelklasse-Politiker lustige Kondome im Wahlkampf verteilt, deren Verwendung noch immer peinlich? Gibt es vielleicht einen großen Druck auf Betroffene, das Kind doch bitte „wegmachen“ zu lassen? Wie gesagt, wir wissen es nicht.

Die Politik fürchtet sich vor einer Moraldebatte, sollten Studien zeigen, dass erschreckend viele Babys nie das Licht der Welt erblicken. Ihr fehlt auch der Mut zum Appell, Abtreibung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Eine zunehmend kinderlose Gesellschaft will nicht mit so einem heiklen Thema behelligt werden. (Bericht: S. 13)


martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2008)

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11 Kommentare
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Die Katholische Kirche verantwortlich machen?

Das geht irgendwie immer. Sie wehrt sich ja kaum.
Die katholische - und innerhalb des Christenums nur diese k onsequent - anerkennt Leben als absoluten Wert. Als göttlichen Wert. Sonst wäre da ja kein Wert sondern eine verhandelbare Größe.
Im Moment haben wir mehrere verhandelbare Größen: Das Recht der Frau auf ihren Bauch gegen das Recht auf Leben. Das Recht auf die Freuden der Sexualität gegen die Verantwortung für deren Folgen. Auch eine bei fehlgeschlagener Verhütung erfolgte Schwangerschaft ist eine Schwangerschaft. Soll man im Ernst von der Kirche erwarten, als gut erkanntes abzutauschen gegen vermutlich höhere gesellschaftliche Anerkennung?

Es tut mir leid, aber die Fakten sind eben so: Das Recht auf Leben war bei uns zuletzt während der Hitlerei relativierbar.


Gast: roli
13.06.2008 13:51
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Naja...

Ich gebe Frau Salomon ja recht, wenn sie fordert, dass es Statistiken zu dem Thema geben sollte, wieso auch nicht, so würde man vielleicht eher draufkommen, welche Gruppen davon betroffen sind und damit auch gezielt dem entgegenzuwirken.

Aber aus dem Ansteigen der Abtreibungen in EINER Privatklinik zu schließen, die Abtreibungen seien allgemein gestiegen, ist doch wohl eher als gewagt zu bezeichnenn und würde z.B. kein seriöser Statistiker so bringen.
Weiters finde ich schon, dass man die Frage, bei allen Debatten (die wirklich oft reaktionär geführt werden von gewissen kreisen), auch so stellen muss: Sollen Frauen wieder mit der Stricknadel am Küchentisch abtreiben und dabei "zu Engeln gemacht" werden.
Man sollte nicht vergessen, Abtreibungen gibts es schon sehr lange, man sollte also nicht so tun als wäre das ein neues Problem.

Und gerade die katholische Kirche sollte sich mal fragen, was sie nun will: keine Verhütungsmittel, oder keine toten Babys. Die Antwort wäre einfach.

poldionkel
13.06.2008 11:11
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ohne moralinsäure

sollte man bei diesem thema eines nicht ausser acht lassen,: die enorme psychische belastung der frauen welche abgetrieben haben und bei denen sich vielleicht erst in vielen jahren eine depression einstellt weil ein kinderwunsch nicht mehr eerfüllbar wird.
zehntausende frauen müssen vielleicht mit dieser belastung leben.

Antworten kobold
13.06.2008 11:55
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Re: ohne moralinsäure

10.000 Frauen schweigen und lassen andere ins Messer rennen. Wenn die psychische Belastung tatsächlich so groß wäre, würde das Thema Abtreibung nicht so eingehend beschwiegen werden.

Antworten kobold
13.06.2008 11:43
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Re: ohne moralinsäure

gut, und warum warnen diese Frauen dann nicht andere vor einer Abtreibung. Es gibt Programme, in denen Drogensüchtige über ihre Sucht berichten und jungen Menschen damit helfen, nicht denselben Fehler zu machen. Abtreiberinnen sind schweigsam und lassen andere ins Messer rennen.

Gast: Saperky
13.06.2008 10:14
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68er Moral

Wenn wir nicht endlich die Pseudo-Philosophien und Pseudo-Aufklärung der (19)68er Bewegungen über Bord werfen und zurückkehren zu echten und wahren Familienwerten, dann wird so etwas wie ein österr. Volk, ohnehin nur noch "Geschichte" sein.
Exzessiver Individualismus, unverhältnismässiger Liberalismus und egomanische Freiheitssucht haben noch jedes grosse Volk zu Fall gebracht. Mehr als einmal in der Geschichte der Menschheit.
Die krebsartigen Auswüchse der 68er sind traurige Realität und kaum zu übersehen. Hemmungslose Befriedigung sinnlicher Gelüste, Drogenmissbrauch, Homosexualität, rücksichtslose Abtreibungen, mangelndes soziales Verantwortungsbewusstsein, übelkeiterregende Unzuverlässigkeit der Individuuen .....
Politik(er)? Oh mein Gott! Wozu sind die gut ???
Ihr Saperky

Antworten Gast: gast
14.06.2008 01:04
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Re: 68er Moral

homosexualität ist ein krebsartiger auswuchs der 68er?
sie sind leider gottes nichts als ein intoleranter dogmatiker, der mit der veränderungen nicht klarkommt.....

Antworten Gast: Franz K.
13.06.2008 15:46
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Re: 68er Moral

Einer der vernünftigsten Aussagen zu diesem Thema.
Stimme Ihnen voll zu.

F. Kellner

Ophicus
13.06.2008 09:24
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Es geht um die Freiheit des Einzelnen!

Wenn es um die Freiheit des Individuums geht dann mischt sich der Staat nicht ein. Wenn muslimische Männer ihre Frauen unterdrücken ist das Privatsache - außer die Frau bricht aus und meldet sich selbst zu Wort, dann wird sie eventuell geschützt.
Ähnlich bei der Abtreibung. Hier gibt es weder für die Kinder noch für unter Druck gesetzte Frauen irgend eine Form der Hilfe, sofern sie nicht lautstark und selbstbewußt darum bitten - für Väter selbst dann nicht.

Wenn irgendwer mit seiner Freiheit argumentiert zuckt der Staat reflexartig zurück - ohne auch nur die Frage zu stellen ob es vielleicht auch um die Freiheit anderer gehen könnte.
Wer nicht laut schreit (weil er das nicht kann) ist dem Staat egal. Nur quietschende Räder werden geölt.

kobold
13.06.2008 09:06
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zu viele Abtreiberinnen

Bei geschätzten 40.000 Abtreibungen im Jahr muss man davon ausgehen, dass es in Österreich bei mehr als 30 Jahren Laufzeit der Fristenlösung ca 1.200.000 Abtreiberinnen gibt (manche Frauen treiben mehrmals ab, dann verringert sich die Zahl nach unten). Dazu kommen die Männer, von denen allerdings nicht sicher ist, ob sie überhaupt etwas mitbekommen und wissen, dass ihre Kinder abgetrieben wurden. So kommt man dann auf mehr als 2 Millionen Beteiligte. Diese Leute haben sicher kein Interesse daran, dass das Abtreibungsthema öffentlich zur Sprache kommt, und sie sind so viele, dass sie eine Tabuisierung durchsetzen können. Also wird mit Sicherheit weiter geschwiegen werden.

Gast: Montagmorgen
13.06.2008 08:22
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Tja, die Politik...

...wird dieses heiße Eisen ganz sicher nicht so schnell anfassen.

Warum? Na, weil man die Folgen allzu sehr fürchtet.

Zurzeit entscheidet nur die Frau über Leben und Tod. Der Kindesvater muß entweder mit der Abtreibung leben oder darf Alimente blechen. Gefragt wird er nicht...

Würde man hier ein Gesetz ändern, wäre ein Dominoeffekt mögliche Folge. Vernachlässigte und von der Mutter abgeschobene Väter würden die Gunst der Stunde sicher nützen! Das Eherecht, Scheidungsrecht, Sorgerecht etc. wären also auch wieder einmal in Diskussion. Eine Bures fürchtet das mehr wie der Teufel das Weihwasser!!!

Also läßt man alles beim Alten. Nur ja nix anfassen!!! Nicht einmal eine Statistik gibt es über die Abtreibungen, das sagt schon einiges aus...

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