Stell dir vor, es gibt ein Problem, und keiner schaut hin. Die Zahl junger Mädchen zwischen 14 und 19, die eine Abtreibung vornehmen lassen, hat sich zumindest an einer privaten Wiener Klinik seit 2005 fast verdreifacht. Ist das ein allgemeines Phänomen, was sind die Gründe, wie könnte Vorsorge getroffen werden? Wir wissen es nicht. Es werden in Österreich ganz bewusst keine Statistiken geführt, das Thema ist vollkommen tabuisiert. Wer daran rührt, wird ins reaktionäre Eck gestellt. Ende der Debatte.
So kann es nicht weitergehen. Niemand will Frauen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen sehen, wieder kriminalisieren. Das wäre auch absurd. Aber wenn in einer so aufgeklärten Gesellschaft wie der österreichischen tatsächlich immer mehr Mädchen ungewollt schwanger werden, dann muss man die Ursachen erforschen. Verzichten Jugendliche (Burschen mit eingenommen!) leichtfertig auf Verhütungsmittel, weil man „im Notfall“ ja immer noch abtreiben gehen kann? Oder ist in einer Gesellschaft, wo schon jeder Mittelklasse-Politiker lustige Kondome im Wahlkampf verteilt, deren Verwendung noch immer peinlich? Gibt es vielleicht einen großen Druck auf Betroffene, das Kind doch bitte „wegmachen“ zu lassen? Wie gesagt, wir wissen es nicht.
Die Politik fürchtet sich vor einer Moraldebatte, sollten Studien zeigen, dass erschreckend viele Babys nie das Licht der Welt erblicken. Ihr fehlt auch der Mut zum Appell, Abtreibung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Eine zunehmend kinderlose Gesellschaft will nicht mit so einem heiklen Thema behelligt werden. (Bericht: S. 13)
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