21.11.2009 14:24 | Meine Presse Merkliste0

Angst vor dem Iran ist ein schlechter Berater

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Israels Drohungen gegen Teheran sind innenpolitisch motiviert und kontraproduktiv.

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Es ist den Israelis nicht zu verdenken, dass sie nervös auf Irans Atomprogramm reagieren. Schließlich lässt Irans Präsident die Welt regelmäßig wissen, wie gerne er die „zionistische Entität“ von der Landkarte tilgen möchte. Klar, die Israelis verfügen mit ihren geschätzten 200 Nuklearwaffen über ein beträchtliches Abschreckungspotenzial. Doch eine Atomaufrüstung Irans würde das strategische Gleichgewicht in Nahost zuungunsten Israels verändern. Und dann bleibt da immer noch ein Restrisiko, dass Irans Islamisten irrational genug für einen Erstschlag wären.

Alles nur Panikmache? Nur die gutmütigsten Optimisten nehmen es der Führung in Teheran ab, dass sie nur deshalb so fleißig Uran anreichert, weil sie die Wohnungen ihrer Bürger heller erleuchten will. Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen deuten einige Indizien darauf hin, dass der Iran sich zumindest die Option für eine Atombombe aufbauen will. Darum ist der Fall auch vor dem Weltsicherheitsrat gelandet. Dessen Sanktionen indes hatten auf die Mullahs bisher eine ähnlich einschüchternde Wirkung wie ein Kinderfaschingsumzug.

Daher fühlt sich Israel nun veranlasst, offener denn je mit Präventivangriffen auf Irans Nuklearanlagen zu drohen. Das ist verständlich, aber kontraproduktiv. Denn es erschwert eine Verhandlungslösung, die lukrativ für den Iran und deshalb immer noch möglich wäre. Israel hat klüger gehandelt, als es sich im Atomstreit im Hintergrund hielt. (S.4)


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2008)

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6 Kommentare
GHS
24.06.2008 10:09
0 0

Irans Atomprogramm

Die Aufregung über das iranische "Atomprogramm" wird ständig und zielbewusst hochgeschaukelt, obwohl Iran keine Kernwaffen hat und, bei allem "Atomprogramm" sicher auf sehr, sehr lange Sicht nicht in der Lage sein wird, welche zu produzieren. Und keiner verliert ein Wort der Beunruhigung über das längst einsatzbereite Kernwaffenarsenal das Israel schon besitzt - und, wenn es ihm opportun erschiene, nicht zögern würde, einzusetzen. Aber auch nur die leiseste Kritik an der Politik des Staates Israel anzumelden ist ja nicht erlaubt, man wird sofort als Antisemit gesteingt.

Gast: Österreicher
23.06.2008 21:37
0 0

Richtig: die Position Israel verschlechtert sich.

Nicht nur durch die täglichen Medienberichte über Not und Elend der palästinensischen Araber; im Falle einer ernsthaften Unterstützung durch einen Atom-Staat könnte es sich Israel nicht mehr leisten, mit den Palästinsern so umzuspringen!

Übrigens hält sich mein Verständnis für den Hauptverbündeten Israels, den USA, in Grenzen. Wovor sollen sich die fürchten: die sind weit vom Schuß und sind nur besorgt, von den reichlich sprudelnden Öl-Quellen des Nahen Ostens abgeschnitten zu werden!

miss chief
24.06.2008 07:22
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Re: Richtig: die Position Israel verschlechtert sich.

leider ist die welt nicht immer so einfach wie sich das der kleine seppi aus der provinz (wien inklusive, ganz österreich ist tiefste europäische provinz) vorstellt.

miss chief
23.06.2008 09:18
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wir werden sie zu tode labern

irgendwie ist der artikel höchst widersprüchlich. einerseits deutet der autor an, dass bisherige anregungen und dialogangebote die mullahs so beeindruckt hätten wie ' kinderfasching' und andererseits glaubt er, dass israelische drohungen den dialog hintertreiben könnten.

ähh ... welchen dialog genau ?

Ophicus
23.06.2008 11:30
0 0

Re: wir werden sie zu tode labern

Na den Dialog der in kürze sicher mal angefangen hätte wenn nicht diese kontraproduktiven Drohungen dazwischen gekommen wären.

Ophicus
22.06.2008 19:55
0 0

Kontraproduktiv

Inwiefern es Verhandlungen erschwert oder nach dem "Guter Bulle böser Bulle"-Schema nicht sogar fördert ist schwer zu sagen.
Fakt ist, dass die Verhandlungen seit Ewigkeiten keine Lösungen gebracht haben, weil der Iran keinen Grund hat sein Atomprogramm aufzugeben so lange er es sich auch teuer abkaufen lassen kann.

Europa schließt Militäraktionen aus und setzt auf Verhandlungen. Das erinnert an einen Kunden der zum Basar kommt und verkündet: "Ich will das, egal wieviel es kostet!". Wodurch es dann schon eine ganze Menge mehr kostet.

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