Artikel versenden

Artikel drucken

Artikel kommentieren



AAA

Literatur, im Wörther See versenkt

HARALD KLAUHS (Die Presse)

Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV, der Marke untergeordnet. Ein Text ist aber kein Waschmittel.

Die einst brisante geistige Atmosphäre beim Bachmann-Preis ist der Performance einer Produktpräsentation gewichen. Was zählt, sind Marke und Moderator statt Ganglien und Gehirnschmalz. Die Reformen, die man dem Wettbewerb verordnet hat, erinnern an jene in der Politik. Was als „alles wird besser“ daherkommt, bedeutet oft Verschlechterungen. So gibt es jetzt statt drei nur noch zwei „Tage der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt und statt 18 nur noch 14 Lesende. Deren Texte werden nur von sieben statt bisher neun Juroren verhandelt. Mag sein, dass diese Verknappung die Veranstaltung kompakter macht. Was jedoch verstimmt, ist die Tatsache, dass inzwischen alles den Erfordernissen des Fernsehens untergeordnet wird. Es interessiert die Veranstalter offenbar überhaupt nicht mehr, dass in der Literatur geistige Dinge verhandelt werden, die nicht ohne Schaden zu nehmen wie Gegenständliches zu behandeln sind. Ein Text ist kein Waschmittel.

Nun ist klar, dass ohne Fernsehen und Internet ein solcher Bewerb nicht möglich wäre. Man hat sich in 20 Jahren ja auch daran gewöhnt, dass ständig eine Kamera stört. Aber wie weit darf man mit den Zurichtungen für die Retorte gehen, ohne der Veranstaltung jeglichen eigenen Zuschnitt zu nehmen? „Lesen ist der einzige Ort, wo es noch Intimität gibt“, sagte der Schweizer Juror André Vladimir Heiz. Vielleicht hat H. P. Maya deshalb das ORF-Theater als Unterwasser-Raum gestaltet und optisch in den Tiefen des Wörther Sees versenkt. (Bericht: S. 27)


harald.klauhs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)


| Artikel versendenVersenden | Artikel DruckenDrucken | AAA Schriftgröße

Bookmarken bei [?]: Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

3 Kommentare
 
1
 
Von Gast: Werner Hahn am 02.07.2008 um 10:42

DEMOKRATISIERUNG des BACHMANN-Preises!?

„Die Presse“ zum Wettbewerb: „Es interessiert die Veranstalter offenbar überhaupt nicht mehr, dass in der Literatur geistige Dinge verhandelt werden, die nicht ohne Schaden zu nehmen wie Gegenständliches zu behandeln sind. Ein Text ist kein Waschmittel.“ Mit folgenden Bemerkungen zu „Germanys next Topdichter“ einer „literarischen Mittelstandswelt“ kritisiert die WELT (Online): „Das Warten auf den einen, den Großen Text dauerte bis zum Schluss. Er kam aber nicht. Was kam bis dahin, waren Texte, die vielleicht eine Tendenz aufzeigten, einen Weg aus dem Mittelstand. Nicht alle sind sehr weit dabei gekommen (…).“ DIE ZEIT meint, der BACHMANN-Lesewettbewerb sei „kein Gradmesser für den Zustand und die Qualität der Literatur, sondern ein Teil des Literaturmarkts, ein Außenlager für die Öffentlichkeit, in der diesmal die Regularien des Marktes deutlicher wurden als zuvor“. Diagnostiziert wird „Ödnis, Langeweile (…). Mehr DEMOKRATISIERUNG ist vonnöten: „Objektive KRITERIEN“ zugrunde legen!

Von Gast: ökono-mist am 30.06.2008 um 00:58

Kärnten, du wasserreiches Sowjetreich: Dahergeschwommen kommt nur das, was den symbiotischen Machthaberern nützt!


Wenn man den Faden des Herrn Klauhse weiterspinnt, dann landet man direkt in der täglichen TV-Gedanken-Befehlsausgabe (mitdenken verboten!) des kleinen Möchtegern-Freistaates der Gefesselten names "Kärnten Heute" (im Internet abrufbar - was ich heute gemacht habe).

Dort wird einem nämlich gesagt, wie man (nicht) zu denken hat: In der gestrigen Ausgabe (29.6.) galt es, die Zuseher anläßlich der Entleerung eines riesigen Kraftwerksspeichers im Hochgebirge glauben zu machen, daß sich sämtliche Fische in eine kleine Restwasserpfütze im hinteren Teil des Staubeckens zurückgezogen hätten (so intelligent sind die Fische in Kärnten!), und daß daher beim schnellen Ablassen keinem Fisch eine Schuppe gekrümmt worden sei.

Weiters wurde nach Kräften versucht, das notgedrungene "Aufdrehen" eines Wasserfalls (der durch den Kraftwerksbau sein Existenzrecht verlor) für ein paar Tage als Geschenk seiner Zerstörer an die hinterbliebenen Wurzelseppen darzustellen!

Bitte schau'n Sie sich das an!

Antworten Von Gast: ökono-mist am 30.06.2008 um 10:51

Re: Kärnten, du wasserreiches Sowjetreich: Dahergeschwommen kommt nur das, was den symbiotischen Machthaberern nützt!



Verzeih'n Sie, Herr Klauhs, daß ich Sie "Klauhse" genannt habe (wenn Sie sich einfach "Klaus" nennen würden, wäre das wahrscheinlich nicht passiert...).

 
1
 
zur Homepage »