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„Eine Welt – ein Alptraum“

THOMAS SEIFERT (Die Presse)

Chinas Regierung behauptet seit Wochen: Nie zuvor in der Geschichte der Olympischen Spiele war die Terrorbedrohung so groß wie 2008.

Eine Welt – ein Traum. So lautet der Slogan der Olympischen Spiele in Peking. Im Chinesischen wird dieser Slogan aus zehn Schriftzeichen gebildet: „Tóng yigè shì jiè tóng yigè mèng xiang.“ Nun sollte man sich mit dem chinesischen Vokabel: „Mèngyan“ – „Alptraum“ – vertraut machen: „Eine Welt – ein Alptraum“. Denn mit dem Anschlag auf eine Gruppe von Polizisten in der westlichen Provinz Xinjiang werden die schlimmsten Befürchtungen der chinesischen Sicherheitskräfte wahr. Sie warnen seit Wochen davor, dass die Pekinger Spiele in „beispielloser Weise“ von Terror bedroht seien. Seit Monaten werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt: 100.000 Soldaten wurden nach Peking beordert, Kontrollposten errichtet.

Die größte Gefahr, so hieß es aus Peking, gehe von radikal-islamischen Terroristen in Xinjiang aus: Dort wurden erst vor kurzem 82 Terrorverdächtige verhaftet, denen vorgeworfen wurde, einen Anschlag auf die Olympischen Spiele zu planen. Bei einer Razzia in der Provinzhauptstadt Urumqi wurden Anfang Juli fünf mutmaßliche Terroristen erschossen – man fand freilich nur Messer. Doch der jüngste Anschlag hat gezeigt, dass man auch mit kruden Mitteln Angst und Schrecken verbreiten kann.

Nach dem Massaker dürften die ohnehin schon an Repression grenzenden Sicherheitsvorkehrungen zusätzlich verschärft werden. Die Chancen auf friedliche, fröhliche Spiele schwinden. (S. 5)


thomas.seifert@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2008)


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6 Kommentare
 
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Von Steininger am 05.08.2008 um 14:37

Wenn man friedliche und fröhliche Spiele hätte haben wollen,

dann hätte man sie nicht nach China vergeben dürfen. Neuseeland, Kanada oder Schweden wären da besser gewesen.

Von Gast: PAN am 05.08.2008 um 11:08

Herr Seifert...

... erklären Sie mir bitte, was ein "Alptraum" ist, dann sage ich Ihnen, was ein "Albtraum" ist. Sogar von einem Journalisten der Presse sollte man Rechtschreibung verlangen können...

Von Gast: marco polo 59 am 05.08.2008 um 04:23

Aber, aber....

von Ausnahmezustand in Beijing ist doch ueberhaupt nichts zu spueren. Rund um die olympischen Staetten sind die Sicherheitsmassnahmen streng, aber im Rest der Stadt diskret und fast nicht zu bemerken. Ich verstehe schon, dass man ein bissl dramatisch berichten muss. Klimpern gehoert ja zum Geschaeft und Diaeten muessen auch verdient werden. Tatsache, ist das bei der normalen Angespanntheit der Sicherheitsverantwortlichen wie weltweit bei allen Grossveranstaltungen, das Leben in Beijing sehr locker und heiter ist. Von Repression ist hier ueberhaupt nichts zu bemerken. Was man merkt ist, wie sehr sich alle hier auf die Spiele freuen und stolz darauf sind.

Von Gast: Schluckauf am 04.08.2008 um 21:38

Natürlich


Wenn ein Fahrrad umfällt, dann könnte es zu einem Dominoeffekt mit verheerenden Auswirkungen für die gesamte zivilisierte Welt kommen.

Auch radikale Glutamate an nonkonformistischen Entenfüßen stellen ein gewisses Bedrohungsszenario dar.

Und der 3-Schluchten-Staudamm ist ein Segen für die Söhne und Töchter der proletarischen Kulturrevolution und für die Umwelt.

China, ein fleischgewordenes Dystopia mit einer paranoiden, kleptokratischen & nepotistischen Herrscherkaste.

„Wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht von selbst verschwinden."
Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung, Peking 1967

Von Alter Kämpfer am 04.08.2008 um 19:52

IOC

Diese "Naivlinge" vom IOC erlauben sich bei kleinen Ländern wie Österreich Frechheiten (Rogge-Turin, Brundage-Sapporo), aber bei den Großmächten China, UdSSR, USA kuschen sie.
Ich bin für die Rückberufung der österreichischen Mannschaft. Von mir aus können ja die Funktionäre mit dem Wallner Leo und dem Jungwirt-Heinzi bei der Eröffnung einziehen. Nur um die Funktionäre und um sonst gar niemanden geht's doch heute bei Olympia!

Von Helmut Magnana am 04.08.2008 um 18:52

Chinas "Albtraum" - hausgemacht!

Dem Vernehmen nach waren die Attentäter Uiguren; auch so eine der zahlreichen von Peking unterdrückten Minderheiten. Seit US-Präsident Bush den "weitweiten Kampf gegen den Terror" ausgerufen hatte, interpretieren Diktaturen jeglicher Provinienz diese Ansage als Auftrag, gegen die jeweils nationalen "Terrorzellen" vorzugehen; in der Regel sind das zwar keine "wirklichen" Terroristen sondern Oppositionelle oder Angehörige unterdrückter Minderheiten; aber so genau differenzieren muß ja nicht sein...

Bei globalen Großereignissen wie etwa jetzt die Olympischen Spiele brechen solche bislang unter den medialen Tisch gekehrte gesellschaftspolitische Probleme sehr leicht auf. Hätte man die langen Jahre vorher eine vernünftigere Minderheitenpolitik betrieben, brauchte man jetzt nicht in hysterische Hyperaktivitäten in punkto ausufernde Sicherheitsmaßnahmen flüchten. Der Spagat zwischen stolzem Vorzeigen der positiven Seiten und dem Verstecken der weniger schönen überfordert Peking sehr...

 
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