Eine Welt – ein Traum. So lautet der Slogan der Olympischen Spiele in Peking. Im Chinesischen wird dieser Slogan aus zehn Schriftzeichen gebildet: „Tóng yigè shì jiè tóng yigè mèng xiang.“ Nun sollte man sich mit dem chinesischen Vokabel: „Mèngyan“ – „Alptraum“ – vertraut machen: „Eine Welt – ein Alptraum“. Denn mit dem Anschlag auf eine Gruppe von Polizisten in der westlichen Provinz Xinjiang werden die schlimmsten Befürchtungen der chinesischen Sicherheitskräfte wahr. Sie warnen seit Wochen davor, dass die Pekinger Spiele in „beispielloser Weise“ von Terror bedroht seien. Seit Monaten werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt: 100.000 Soldaten wurden nach Peking beordert, Kontrollposten errichtet.
Die größte Gefahr, so hieß es aus Peking, gehe von radikal-islamischen Terroristen in Xinjiang aus: Dort wurden erst vor kurzem 82 Terrorverdächtige verhaftet, denen vorgeworfen wurde, einen Anschlag auf die Olympischen Spiele zu planen. Bei einer Razzia in der Provinzhauptstadt Urumqi wurden Anfang Juli fünf mutmaßliche Terroristen erschossen – man fand freilich nur Messer. Doch der jüngste Anschlag hat gezeigt, dass man auch mit kruden Mitteln Angst und Schrecken verbreiten kann.
Nach dem Massaker dürften die ohnehin schon an Repression grenzenden Sicherheitsvorkehrungen zusätzlich verschärft werden. Die Chancen auf friedliche, fröhliche Spiele schwinden. (S. 5)
thomas.seifert@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2008)
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