Ich oder das Chaos“ war das Mantra des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf. Nun wurde er nach einem monatelangen Machtkampf von der Regierungsmehrheit gezwungen zurückzutreten. Man wird sehen, ob das Land am Indus nun endgültig ins Chaos abgleitet. Ein Hort der Stabilität war Pakistan ja auch schon bisher nicht gewesen. Das Land erwies sich unter der Regentschaft von Musharraf immer mehr als Rückzugsgebiet für die Taliban und als Nährboden für radikalislamische Fundamentalisten.
Kann es also nur besser werden? Ja. Denn mit dem Abgang des langjährigen Generalstabschefs ist der erste Schritt getan, der Pakistan aus der Dauerkrise führen könnte. Musharraf, vorgeblich ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terror, war längst zu einer Belastung für alle geworden: Er zeigte zuletzt wenig Respekt für die demokratischen Institutionen des Landes, die unabhängige Justiz oder die Bürgergesellschaft und versagte letztlich im Kampf gegen die militanten Islamisten.
Musharraf bleibt nur noch, möglichst sein Gesicht zu wahren. Denn der Ex-General und nun auch Ex-Präsident weiß wohl zu genau, dass in der pakistanischen Politik eine Rückkehr niemals ausgeschlossen ist. Nawaz Sharif war Premierminister, bevor er nach Saudiarabien exiliert wurde – heute ist er wieder einer der Strippenzieher in Islamabad. Darf also auch Musharraf auf eine Wiederkehr an die Macht hoffen – irgendwann, in ein paar Jahren? (Berichte: S. 5)
thomas.seifert@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2008)
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