Na ja, das große Zittern wird die gestrige Nato-Sitzung zur Georgien-Krise in Moskau nicht gerade ausgelöst haben. Vor dem gestrigen Sondertreffen war viel von einem „Wendepunkt“ die Rede gewesen – und davon, dass man die Beziehungen zu Russland „grundsätzlich überdenken“ müsse. Alles, was dann in Brüssel herauskam, war die Ankündigung, dass die Beratungen mit Moskau im gemeinsamen Nato-Russland-Rat bis zum Abzug der russischen Truppen ausgesetzt würden.
Normalerweise ist man solch schwammige, windelweiche Reaktionen vom EU-Außenpolitik-Beauftragten Solana gewohnt. Aber inzwischen scheint auch die Nato schon weitgehend „solanisiert“. Die Russen selbst haben schon vor der Georgien-Krise wiederholt klargemacht, was sie vom Nato-Russland-Rat halten – nämlich so gut wie nichts: Eine Quasselbude sei's halt, in der man ein bisschen ins Denken und Tun der westlichen Allianz reinhorchen kann, ohne sich selbst zu allzu viel verpflichten zu müssen.
Aber wie weit ist es eigentlich noch von der „Solanisierung“ zur „Schröderisierung“ der Nato? Der deutsche Ex-Kanzler Schröder, des Kremls treuester Propagandist im Westen, hat dem „Spiegel“ gerade erklärt, dass von Russland nicht die geringste Gefahr ausgehe und das Land im Westen einfach nur falsch wahrgenommen werde. Ja, ja, das ist Europas lichte Zukunft à la Schröder: Wir werden alle Gazprom-Angestellte, hören Radio Moskau und plappern brav jede Kreml-Parole nach. (Bericht: S. 5)
burkhard.bischof@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2008)

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