08.11.2009 06:09 | Meine Presse Merkliste0

Irgendwann muss ja einmal Schluss sein

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Die US-Politik verspricht, im Fall „Lehman“ hart zu bleiben und der angeschlagenen Investmentbank keine Staatshilfe zu geben. Na hoffentlich.

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In der internationalen Bankenszene ist seit Jahrzehnten ein interessantes Schauspiel zu bestaunen: Scheffeln die Kreditinstitute auf komplexen Märkten Milliarden, wird das ausschließlich dem Genius einzigartiger Banker zugeschrieben. Bemerkt die ganze Branche allerdings, sich ordentlich verzockt zu haben (etwa mit spekulativen Papieren auf US-Immobilien), sind natürlich nicht die handelnden Manager die Deppen, sondern „die verrücktspielenden Märkte“.

Um angeschlagene Banken vor der Pleite zu retten, rufen die einstigen Helden der Marktwirtschaft dann aufgeregt den Staat zu Hilfe. Mit dem Argument, einen Dominoeffekt vermeiden zu wollen (und die Weltwirtschaft vor der Rezession zu retten), lassen sich die Staaten auch nicht lange bitten und schießen wackeligen Banken jede Menge Steuergeld zu. So werden Verluste „sozialisiert“.

Gerade deshalb wäre es so erfreulich, würde die US-Politik der angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers tatsächlich jegliche Staatshilfe verweigern. Das erhöhte nämlich die Chancen, dass die Bank zerschlagen und an private Investoren verkauft wird, deutlich. Die Banker würden im Falle ihres Scheitern zwar weiterhin mit ein paar Millionen Abfertigung in der Tasche nach Hause geschickt werden – aber es geht auch nicht so sehr darum, die Schuldigen zu bestrafen. Sondern um ein klares Signal an die Bankenwelt, dass verheerende Fehler auch ernste Konsequenzen haben. Volkswirtschaftlich gesehen ist die Sache so oder so in höchstem Maße schmerzhaft. (Bericht: S. 19)


franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2008)

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6 Kommentare
Gast: pragmatic
14.09.2008 21:14
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Das Geld hat nicht ein anderer, sondern ist im Nirwana verschwunden

Hier wird so ein Blödsinn suggeriert, als hätten Privatleute das Geld eingesackt und die Verluste aus dieser Gier hätte jetzt der Staat auszugleichen.

Nein 100 Tausende Aktionäre von Bear Stearns, Fanny und Freddi haben einen Totalverlust in zig, zig Milliardenhöhe erlitten und sitzen jetzt auf wertlose Aktien.

Anleihenbesitzer solcher Problembanken können nur froh sein, von einer gesünderen Bank übernommen zu werden und nicht vom Staat. So stiegen die Anleihen von Bear Stearns als sie von J. P. Morgan übernommen wurden von 60 auf 90 Prozent (Nominale). Bei einer Verstaatlichung hätten sie blöder aus der Wäsche geschaut und weit mehr verloren.

Gierige Banker habe im Vorfeld unanständig verdient, dafür sind sie halt jetzt ihren Job los. Schon 1929 nach dem Börsencrash saßen sie an der Wallstreet und verkauften Äpfel.

phuter
15.09.2008 09:10
0 0

Stimmt...

Und der Staat - resp. die Gesellschaft sollte
- Diesen Kretzen keienen einzigen Euro nachwerfen
- Dafür sorgen, dass das Gros der verantwortlichen nicht nur seinen Job verliert sondern auch seine Bewegungsfreiheit für mind. 10 Jahre
- Sich einmal ein etwas besseres System als jenes pervertierte Zockerspiel überlegen, in dem wieder Leistung und Produktives Tun maßstab für Erfolg sind.

Was macht der Staat? Er Buttert in Deutschland Milliarden in die IKB um sie dann um ein Butterbrot an einen der wiederlichsten aller Hedgefonds zu verscherbeln, der mit dieser Banklizenz Tausende gesunde Klein- und Mittelbetriebe filetieren wird.


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Verheerende Folgen - ja ! Aber für wen?

Es geht also "nicht so sehr darum, die Schuldigen zu bestrafen", sondern um ein klares Signal an die Bankenwelt, daß verheerende Fehler auch ernste Konsequenzen haben. So liest man es am Ende des bis dahin durchaus zu unterstreichenden Artikels. Doch von welchen "Konsequenzen" ist hier wirklich die Rede? Und für wen?

Die leichtfertig-leichtsinnig agierenden Manager werden demnach weiterhin mit Millionenabfertigungen nach Hause geschickt; schon bald wird sich für sie ein neuer Job finden. Nur ihre Kunden fallen halt ein bisserl ums investierte Geld um. Da haben sie ihr arbeitsreiches Leben lang für ihre Zusatzpension gespart; und jetzt ist alles weg! Pech gehabt, nennt man so etwas im "sich selbst regulierenden freien Markt"!

Daß Gewinne privatisiert, Verluste jedoch sozialisiert werden, kennt man schon lange.Sogar der eitle "Deutsche Bank"-Chef "Victory" Ackermann hatte vom Staat verlangt, daß dieser seine Verluste abdeckt. Persönliche Konsequenzen gab¿s für den "Macher" keine!

Steininger
15.09.2008 00:53
0 0

Re: Verheerende Folgen - ja ! Aber für wen?

Aktiengesetze sind ja auch so gehalten. Es geht um die "Devolution" von Verantwortung. Wenn Verantwortung nur auf genug verschiedene Personen aufgeteilt wird trägt letztlich niemand die Verantworutung. Das ist das Wesen von Aktiengesellschaften. Sie gehören niemandem (Aktieninhaber sind schließlich nicht verantwortlich) und Vorstände werden von niemandem bestellt (Generalversammlungen von AGs sind niemandem verantwortlich). Dementsprechend sind Generaldirketoren niemandem verantwortlich, ausser den Aufsichtsräten. Aber Aufsichtsräte sind auch niemandem gegenüber verantwortlich (ausser den theoretischen Aktionären gegenüber).
So ist es nun möglich daß wirtschaftliches Handeln völlig ohne Verantwortung über die Bühne geht. Und wenn etwas schief geht, dann ist es wie ein Akt Gottes: Niemand ist verantwortlich. Die Zeche zahlt, wie immer die Allgemeinheit - gegenüber der niemand verantwortlich ist!

Ophicus
15.09.2008 10:18
0 0

Re: Re: Verheerende Folgen - ja ! Aber für wen?

Das Aktienrecht ist leider graue Theorie. Aber so schlecht wäre es eigentlich garnicht (obwohl natürlich verbesserbar).

Die Allgemeinheit muss die Zeche (in der Theorie) nicht zahlen.
Die Aktionäre zahlen (in der Theorie) die Zeche selbst. Ihre Aktien sind wertlos, wenn die Firma pleite geht. Das eingesetzte Kapital ist dahin. Selber schuld, hätte man die Aufsichtsräte/Direktoren besser ausgesucht.
Die Kunden/Gläubiger einer AG zahlen auch die Zeche. Das ist aber bei jeder anderen Gesellschaft genauso. Im Konkursfall ist das Geld weg. Selber schuld, hätte man sich seine Geschäftspartner besser ausgesucht.

Funktioniert natürlich nicht, wenn die Geschäftsführung trickst und täuscht und daher die Aktionäre, Kunden und Gläubiger gar keine Chance haben zu erkennen welches Windei sie sich da anlachen.
Für den Fall gibt es aber (in der Theorie) Aufsichtsbehörden und Haftungsbestimmungen für Geschäftsführer usw.

Steininger
15.09.2008 14:09
0 0

Re: Re: Re: Verheerende Folgen - ja ! Aber für wen?

Ja sehen Sie, theoretisch gibt es Kontrollinstrumente, doch sie sind unzureichend. Wenn sie schon in der Theorie unzureichend sind wie schaut das dann in der Praxis aus.
Große Publikumsgesellschaften gehören zwar den Anteilseignern, doch diese können gar keine Kontrolle ausüben, denn die Stimmrechte werden von den Fondsmanagern und den Banken gehalten. Österreich ist das beste Beispiel. Das System ist geschlossen und perpetuiert sich selbst. Immer dieselben Leute, meist Einflußreiche, sind Aufsichtsräte in allen großen Firmen und sind auch Generaldirektoren, Generalräte et& in ihren eigenen Firmen.
Was die Aufsicht hierzulande wert ist haben wir ja schon zur Genüge hier in dieser Zeitung gelesen.
Geht mal was schief wird kaum jemand zur Verantwortung gezogen da es keine Verantwortung gibt. Das System läßt es nicht zu! Ja, das System würde zusammenbrechen. Das ist Oligarchie und nicht Marktwirtschaft!

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