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Jeder hat die Roma, die er verdient

KARL GAULHOFER (Die Presse)

Weil 27 Staaten an der Integration der Roma scheitern, soll Brüssel Wunder wirken. Dabei wäre die Lösung simpel: gleiches Recht für alle.

Nennen wir das Problem einfach beim Namen! – wenn das so einfach wäre: Roma, Sinti, Ashkali, Manouches, Fahrende... oder doch ganz unkorrekt Zigeuner? Jedenfalls sind das etwa 12 Mio. Menschen, und lebten sie nicht verstreut, würden sie das achtgrößte Land der EU stellen. Seltsam: Die reichste Weltregion, Vorreiterin in Sachen Menschenrechte, leistet sich ein disparates Heer von chronisch Armen, Arbeitslosen und Analphabeten, traumatisiert durch Jahrhunderte der Ausgrenzung. Ihre letzten Mittel sind viel zu oft Alkohol, Drogen und Kriminalität.

Das würden wir am liebsten einfach vergessen, aber die forschen Italiener erinnern uns mit Mini-Pogromen und Fingerprint-Razzien daran, dass auch die Gegenwart für Roma düster ist.

Erstmals durfte nun Europas größte Minderheit bei einem EU-Treffen über ihr Schicksal mitreden. Und siehe da: Die Roma wollen keine geförderten Siedlungen, sondern Zugang zu Sozialwohnungen. Sie brauchen keine Beschäftigungsprogramme für Hilfsarbeiter, sondern gut durchmischte Schulklassen. Die Hälfte der Roma in Osteuropa ist jünger als 20 Jahre. Statt ihr Potenzial zu nutzen, werden sie in Sonderschulen abgeschoben. Dabei wäre Bildung der einzige Hebel. Doch da müssten auch die „Europäer“ mitspielen und zulassen, dass ihr Nachwuchs die Schulbank mit den Schmuddelkindern drückt. Dann gäbe es vielleicht in zwei Generationen kein Problem mehr, um dessen korrekten Namen man ringen müsste. (Bericht: S. 7)


karl.gaulhofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2008)


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11 Kommentare
 
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Von Gast: seb am 17.09.2008 um 15:17

bravo

Meint ihr das alles ernst? Was sind das denn für Kommentare?

Seid ihr alle aus Brandenburg und habt niemanden mehr zu verkrüppeln?


Von Ophicus am 17.09.2008 um 09:56
Von freeman am 17.09.2008 um 07:34

Diese Kinder sind nicht in Sonderschulen,

weil "das System" so böse ist, sondern weil es in den Familien keinerlei Unterstützung für ihre Bildung gibt.

Selbst Analphabeten aus anderen Volksgruppen verstehen, daß Bildung der Schlüssel zum Aufstieg ist und unterstützen ihre Kinder wo es geht.
Unter Roma hingegen herrscht vielfach die (berechtigte) Angst, die Kinder würden durch allzuviel Bildung ihrem Volk entfremdet.

Es ist leicht, aus dem journalistischen Elfenbeinturm "die Gesellschaft" aufzufordern, die Zigeuner zu integrieren - man übersieht dabei aber sehr leicht, daß die wesentliche Integrationsleistung von den Betroffenen selbst aufgebracht werden muß.

Gelungen ist die Integration erst, wenn es irgendwann keine Sinti, Roma oder sonstige Volkssgruppen mehr gibt, sondern Europäer, die sich vielleicht daran erinnern, daß ein Teil ihrer Großeltern zu dieser Gruppe zählte.

Von typhon typhoon am 17.09.2008 um 07:15

ach ja!

"Hilfe, ich bin ein Ziegeuner! Wenn ihr mich nicht integriert, dann muss ich Euch ausrauben, Drogen dealen und sonst noch Verbrechen begehen!"
Nichts gegen Förderprogramme und Integration von Sinti, aber dass auch sie ein Entgegenkommen und wirklichen Willen, mit Misständen in ihrer Gesellschaft aufzuräumen, zeigen müssen. Wo ist das?

Antworten Von modestus am 17.09.2008 um 07:34

Re: ach ja!

drogendealer sind nicht dabei.....taschelzieher...räuber..einbrecher...alles eher klassisch-kriminell

Von Gast: Niederösterreicher am 17.09.2008 um 01:38

Sinti und Roma sollen vor ein paar Hundert Jahren aus Indien ausgewandert sein.

Warum gibt es unter ihnen nicht eine Heimkehrbewegung nach Art des Zionismus, wenn in den Einwanderungstaaten so abgelehnt werden?

Antworten Von artemis70 am 17.09.2008 um 14:24

Re: Sinti und Roma sollen vor ein paar Hundert Jahren aus Indien ausgewandert sein.

Schön für Sie, wenn Sie ein indigener niederösterreicher sind, dessen vorfahren seit mindestens christi geburt samt und sonders aus n.ö. stammen
ich z.b. bin eine mischung aus vorfahren aus aller herren länder, über die k+k monarchie hinaus gehend - bitte um mitteilung, in welches der vielen möglichen herkunftsländer ich ggf. heimkehren soll/muss/darf.

Antworten Antworten Von Gast: Moment mal am 17.09.2008 um 17:38

Wohin Sie heimkehren wollen - soferne man Sie dort nimmt -

ist Ihre Angelegenheit.

Erfahrungsgemäß gibt es unter Nachkommen von Migranten einen gewissen - ja nach Lage mehr oder minder großen - Prozentsatz, der selbst heimkehren will, vor allem, wenn entsprechende materielle Anreize geboten werden. Die Frage, warum dies just bei Zigeunern nicht der Fall sein sollte, wird man wohl noch stellen dürfen.

Es ist auch keineswegs einzusehen, warum derartige Bewegungen zur Rückkehr nicht ebenso gefördert werden sollten, wie etwa Integrationsbemühungen.

Indien hat bisher auch die Rückkehr nicht verboten. Vielleicht gibt es ohnehin Zigeuner, die so denken, haben aber keinen Zugang zu Kommunikationsmitteln. Vielleicht wäre das die beste Investition in dieser Frage.

Von Gast: Ich am 16.09.2008 um 23:01

kommt auch mal was Neues?

Also ich bin katholisch und meine Familie lebt seit rund 300 Jahren in Deutschland und seit wann ist Zweisprachigkeit unerwünscht ? Oh und ich bin sogar in der Lage meine Klappe aufzumachen und einen Computer kann ich auch schon bedienen ohne das er mir um die Ohren fliegt .

Von Gast: Hallo am 16.09.2008 um 19:29

Hallo!

Meldet sich der Autor selbst um SEIN Kind mit diesen "Schmuddelkindern" zusammen unterreichten zu lassen?

Von Gast: Helmut Maurer aus NÖ am 16.09.2008 um 19:15

Die größte Sozialarbeit aller Zeiten

Herr Gaulhofer stellt sich das etwas einfach vor: 12 Mio. Menschen seit Jahrhunderten mit einer eigenen Sprache eigener Naturreligion über die man wenig weiß eigenem Kastensystem so ähnlich wie in Indien. Und das alles in einem streng patriachalischen System wo niemand und schon gar keine Romafrau aufmucken darf.

Und diese 12 Mio. Menschen die sich seit ca. 600-700 Jahren niemals angepasst, weiterentwickelt, niedergelassen haben, u deshalb auch keinerlei Akzeptanz fanden, sollen nun wo es die EU auch in Osteuropa gibt in nur 2 Generationen zu einem funktionierenden Zusammenleben mit den europäischen Bürgern gebracht werden?

Da kann ich nur ehrlich sagen: Ich wünsche alles Gute dabei! Alle verfügbare Kompetenz die wir in den Sozialwissenschaften haben und die besten Sozialarbeitern müssen aktiviert werden. In der Slowakei gibt es einige sehr engagierte Sozialarbeiter die wunderbar mit Romakindern im Kindergarten arbeiten. Diese Projekte sollten weiterentwickelt werden.

 
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