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Schenkt uns reinen Wein ein

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Allen Beschwichtigungen zum Trotz hat uns die US-Krise recht ordentlich erwischt. Und jetzt kommt aus dem Osten das nächste Sturmtief.

Dass es in einer globalisierten Welt keine Insel der Seligen mitten im sturmumtosten Finanzmeer geben kann, sollte sich schon bis zum letzten Beschwichtigungshofrat durchgesprochen haben. Es war also von Anfang an nicht anzunehmen, dass ausgerechnet die österreichischen Banken von den amerikanischen Banken- und Versicherungsproblemen ganz unberührt geblieben sein sollten. Jetzt wird langsam klar, dass allein die Lehman-Pleite auch hierzulande einen Milliardenschaden angerichtet hat. Und dass auch die heimische Finanzbranche recht ordentlich blutet.

Weil (das kaum noch vorhandene) Vertrauen in diesem Sektor so wichtig ist, würde man sich wünschen, dass der Öffentlichkeit jetzt wirklich reiner Wein eingeschenkt wird. Denn aus dem Osten kommt ja das nächste wirtschaftliche Tief: Bisher hatte die Finanzwelt hierzulande schlüssig argumentiert, man sei von der Finanzkrise wenig betroffen, weil der Schwerpunkt der Tätigkeiten im boomenden Osteuropa liege.

Von wegen Boom: Die Moskauer Börse erlebt derzeit einen Crash, gegen den sich die Kursstürze in der Wallstreet direkt putzig ausnehmen. Hoffentlich kommt jetzt keiner auf die Idee, uns auch noch zu erzählen, dass das ein Problem des Herrn Putin sei, das hierzulande (so wie bekanntlich die US-Krise) so etwas von keinerlei Auswirkungen haben wird. (Berichte: S.19–21)


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2008)


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4 Kommentare
 
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Von Gast: boom am 17.09.2008 um 22:37

Insel der Seligen

Russland mit seinem Rohstoffreichtum und hohen Währungsreserven ist nicht so das Sorgenkind.

Den Spruch der Banken: Gottseidank war man mit Osteuropa beschäftigt und hatte für die USA keine Zeit, kann man so nicht stehen lassen.
Ein kreditfinanzierter Konsumboom im (Süd)Osten, bezahlt vorwiegend von unseren Banken, sollte schon einige Sorgenfalten ins Gesicht der Bankiers bringen.

Von Gast: Christian am 17.09.2008 um 21:22

Ob ich mich jetzt fürchten muß, möchte ich gerade von einem fachlich beschlagenen Redakteur

der Wirtschaftsseite eines Qualitätsblattes wissen! Der Faymann wird mir dazu nichts sinnvolles sagen können!

Antworten Von Gast: hawkeye am 18.09.2008 um 01:12

Hawkeye´s Forecasting Service

"Der Kapitalismus wird nicht mit einem Krach enden, sondern mit einem Wimmern."

Antworten Antworten Von Gast: Niederösterreicher am 18.09.2008 um 14:45

Re: Frage an Hawkeye´s Forecasting Service - Wissens was besseres

als den von Ihnen so verteufelten Kapitalismus: Wenn ja - dann haben Sie bitte Erbarmen mit uns und verraten Sie uns ihr Rezept!

Wenn es nur darin besteht, Marktschreier wie Strache oder Faymann zu wählen, dann können Sie es ruhig behalten!

 
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