Österreichs Diplomaten stellen sich am Freitag in New York einem Schönheitswettbewerb. Die UNO sucht zwar nicht den Superstar, aber die 192 Mitgliedstaaten stimmen darüber ab, welches der drei Länder – Türkei, Island und Österreich – am Tisch des Sicherheitsrats Platz nehmen darf. Österreichs Spitzendiplomaten sammelten Bonusmeilen und besuchten Länder, in die schon länger kein Beamter des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten seinen Fuß gesetzt hat, die Philharmoniker spielten in New York auf und bei der UN-Vollversammlung flog die gesamte Staatsspitze ein, um für Österreichs Anliegen zu werben.
Alpenrepublikaner mit engem Horizont kratzen sich verwundert am Kopf und stellen die simple Frage: „Za wos brauch' ma des?“ Nun, der Sicherheitsrat ist das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen. Mit am Tisch der „Großen“ zu sitzen heißt mitzubestimmen – bis hin zu Beschlüssen von Krieg und Frieden.
Außerdem gilt: Der Weg ist das Ziel. Österreichs Diplomatie erweiterte bei der Vorbereitung der Kandidatur seinen Wirkungskreis, pflegte Kontakt in Regionen, die sonst eher vernachlässigt wurden. Angesichts der fortschreitenden Provinzialisierung aller Lebensbereiche ist das allein schon ein Grund, am Freitag für das Außenamt die Daumen zu halten. Wenn man schon im Fußball nicht erfolgreich ist, wäre es schön zu wissen, dass man zumindest in der internationalen Staatengemeinschaft beliebt ist. (Bericht: S. 8)
thomas.seifert@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2008)
















