21.11.2009 14:22 | Meine Presse Merkliste0

Brandstifter – mitten in Europa

BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Es ist schon längst an der Zeit, dass die Regierungschefs Ungarns und der Slowakei der nationalistischen Hetze Einhalt gebieten.

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Die Zündler sind unterwegs, in Ungarn und in der Slowakei. Politiker auf beiden Seiten der Donau, die gegen die andere Seite hetzen; nationalistische Extremisten – manche als Fußballfans getarnt, andere in schwarzen Nazi-Uniformen –, die Schlägereien in Stadien provozieren und Straßen blockieren. Nationalfahnen werden verbrannt, Ortsschilder in Grenzgebieten übermalt – Mitteleuropa, Herbst 2008.

Bis zu 600.000 Menschen zählt die ungarische Minderheit in der Slowakei. Vermutlich haben alle Regierungen in Bratislava bisher zu wenig getan, damit sich diese Minderheit im jungen slowakischen Staat wirklich heimisch fühlt. Nationalisten wie Ján Slota heizen mit dumpfen antiungarischen Sprüchen ihre Unzufriedenheit an. Auch Staatschef Ivan Ga?parovi? zeigt mit seinen Erklärungen nicht gerade, dass er sich als der Präsident aller Slowaken versteht. Auf der anderen Seite wird von Ungarn aus mit anachronistischen großmagyarischen Parolen ständig provoziert, gestichelt und die Atmosphäre vergiftet.

Es ist höchste Zeit, dass die Premiers beider Länder zusammenkommen und die Stopptaste drücken. Ungarn ist gefordert, seine berüchtigten nationalistischen Rowdys in die Schranken zu weisen. Slowakischen Hetzern wie Slota gehört ein Maulkorb verpasst, Präsident Ga?parovi? an seine Überparteilichkeit erinnert. Der Streit etwa um slowakische Schulbücher gehört sachlich und emotionslos geführt. Denn wir befinden uns in Mitteleuropa, Herbst 2008. (Bericht: S. 5)


burkhard.bischof@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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9 Kommentare
Gast: Demian
11.11.2008 19:44
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In Mitteleuropa

Bin einer Meinung mit dem Author, mit Ausnahme des letzten Satzes: Was soll das für eine eigenartige Begründung sein, "denn wir befinden uns in Mitteleuropa".

In Kärnten werden keine Ortstafeln aufgestellt, in Wien wird die Hetze der FP auf die Türken immer widerlicher, in Norditalien polemisiert die Lega gegen Ausländer im allgemeinen und Rumänen und Roma im besonderen. In Tschechien versucht der Präsident die Zukunft Europas zu zerstören...

Das ist doch eine Illusion, wenn wir glauben, wir hätten einen zivilisatorischen Vorsprung irgendjemandem gegenüber.

Erst wenn wir uns immer wieder vor Augen halten, wie schnell wir in die Barbarei zurückfallen können, verhindern wir auf Dauer das Schlimmste. Auch die hier zu Tage tretende Selbstgewissheit ist gefährlich, gerade in Mitteleuropa.

Antworten Gast: Romni
12.11.2008 11:50
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Bitte keinen Machismus!

Als politisch korrekt sein wollender Mensch sollten Sie
nicht maskulinistisch "Türken", "Ausländer", "Rumänen" und "Roma" schreiben, sondern unter Berücksichtigung des weiblichen Geschlechtes "TürkInnen",
"AusländerInnen", "RumänInnen" und, worauf ich als Romni besonderen Wert lege, "Romnia und Roma" schreiben. Ist das vielleicht zuviel verlangt?

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Re: Bitte keinen Machismus!

Wenn Sie Ihren dumpfen Feminismus ablegen könnten, würde Ihnen klar werden, dass der Plural jedes Substantivs geschlechtlos ist und daher die Mehrzahl immer Personen beiderlei Geschlechtes einschließt. Das Binnen I ist ein dümmlicher, feministischer Anschlag auf die Grammatik und den Verstand !

Antworten Antworten Gast: Demian
12.11.2008 17:53
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Re: Bitte keinen Machismus!

Wie kommen Sie auf die Idee, dass ich politisch korrekt sein will? Ich leiste mir zu vielem meine eigene Meinung, ob die politisch korrekt ist, ist mir eigentlich relativ wurscht. ;)

Betreffend Ihrer Kritik: Ich halte die geschlechtsneutrale Formulierung bei Stellenausschreibungen u.ä. für sehr wichtig, damit hier keine mentales "Vor-Aussieben" nach dem Geschlecht passiert.

Im normalen Sprachgebrauch stören Binnen I & Co den Schreib- und Lesefluss und ruinieren die Funktionalität und der Ästhetik der Sprache.

(den Artikel bei "Hetze auf Türken", würd ich jetzt aber weglassen, bei nochmaligem Durchsehen...)

Antworten Gast: Manioc
12.11.2008 06:10
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Re: In Mitteleuropa

Das Problem ist, in Österreich oder Deutschland kann man weite Teile der Bevölkerung mit solchen Aussagen ('Wir sind in Mitteleuropa ...') beeindrucken und lenken.
Ungarische, tschechische, polnische oder slowakische Nationalisten haben für solche Aussagen nur ein Achselzucken und der Großteil der gemäßigten Bevölkerung ist zwar auf Grund der Gier der Konzerne in der EU, aber noch lange nicht in Europa angekommen, und daher solchen Aussagen gegenüber auch immun.

Überhaupt bin ich gespannt, wie die EU vorgehen wird, wenn's wirklich einmal in einem der Länder zur Sache geht.
Über sogenannte 'Maßnahmen' lachen die sich heute schon krumm.

Lepanto
12.11.2008 01:03
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Re: In Mitteleuropa


Sie haben insofern Recht, als die Decke der Zivilisation sehr dünn ist. Verantwortungslose Brandstifter sind daher diejenigen, die durch von Profitgeilheit getriebene Massenmigration die Lunte für Bürgerkriege a la Jugoslawien legen. Wenn überhaupt, dann ginge das nur sehr behutsam und bedacht.

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Re: In Mitteleuropa

Wieso wird das Aufzeigen gegen Fehler des Multikultitums als Barbarei gesehen, das Aufgeben von Kultur, Werten und Tradition hingegen als zivilisatorischer Akt gesehen?

Natürlich sind wir um nichts besser als unsere Nachbarn und grenzt es an Naivität, Mitteleuropa als das sicherste Gebiet der Welt zu sehen (Georgien war vor einem Jahr auch grad nicht als Krisenherd und Kriegsschacher bekannt!).

Nur aus nationalistischen Forderungen gleich den Einfall der Vandalen in Rom zu stilisieren, deutet eine genauso naive Weltsicht an.

Antworten Antworten Gast: Pifge
13.11.2008 15:30
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Kein Feuer bitte

1. Der jugoslawische Bürgerkrieg war KEINESWEGS durch PROFITGEILE MASSENMIGRATION verursacht. Generell werden keine Kriege durch Massenmigration verursacht, sondern durch unzivilisierte Ignoranz und überbordende Nabelbeschau, sowie eine GENERELLE ANTIHUMANISTISCHE EINSTELLUNG, die manchmal auch aus der Latenz auftaucht und in der Latenz verschwindet. Gerade die Probleme zwischen Slowaken und Ungarn finden ihre Ursache NICHT in MASSENMIGTRATION.
2. Fraglich ist tatsächlich was als Fehler des Mulitkultitums und zweitens welche Wert-/ Traditionsaufgabe als zivilisatorischer Akt zu bezeichnen ist. Die Aufgabe von Haß-und Ausgrenzungswerten ist tatsächlich zivilisatorisch!
3. Die Nationalisten vertreten ein schon seit immer moralisch inakzeptables Bild von sozialer Exklusion und Vernichtungsbereitschaft, welches nunmehr AUCH aus ökonomisch pragmatischen Gesichtspunkten für Europa ungeeignet ist - egal ob Zentrum oder Peripherie.


Antworten Antworten Antworten Gast: Gast99
12.12.2008 02:18
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Re: Kein Feuer bitte

guten abend, ich lebe seit ca. 6 jahren in der slowakei und kann ihnen sehr leidlich erklähren wie sich der nationalismus und rassismus in der slowakei bemerkbar macht. die hier lebenden roma machen einen hohen anteil aus, sie werden diskreminiert das hätte man als deutscher niemals vorstellen können. es wird offen ohne rückhalt parolen wie "heil hitler" und hitler war gut ausgesprochen. in gaststätten und diskotheken finden sie z.b. so gut wie keine roma, sie würden dort sicher auch nicht lange sitzen sondern mit den worten "schmutziger zigeuner" vor die tür geworfen. ich habe in 6 jahren bisher EINEN polizisten getroffen der roma-abstammung war!!! und bisher noch KEINEN der in einem rathaus oder öhnlichem amt tätig ist...dieser staat betreibt rassismus pur an seinen minderheiten. eien bekannte von mir wurde mal als dreckige zigeunerin beschimpft, ich habe sie dann ermutigt zur polizei zu gehen und ging als unterstützung mit, der polizeibeamte hat mit der hand abgewunken.

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