Die Zündler sind unterwegs, in Ungarn und in der Slowakei. Politiker auf beiden Seiten der Donau, die gegen die andere Seite hetzen; nationalistische Extremisten – manche als Fußballfans getarnt, andere in schwarzen Nazi-Uniformen –, die Schlägereien in Stadien provozieren und Straßen blockieren. Nationalfahnen werden verbrannt, Ortsschilder in Grenzgebieten übermalt – Mitteleuropa, Herbst 2008.
Bis zu 600.000 Menschen zählt die ungarische Minderheit in der Slowakei. Vermutlich haben alle Regierungen in Bratislava bisher zu wenig getan, damit sich diese Minderheit im jungen slowakischen Staat wirklich heimisch fühlt. Nationalisten wie Ján Slota heizen mit dumpfen antiungarischen Sprüchen ihre Unzufriedenheit an. Auch Staatschef Ivan Ga?parovi? zeigt mit seinen Erklärungen nicht gerade, dass er sich als der Präsident aller Slowaken versteht. Auf der anderen Seite wird von Ungarn aus mit anachronistischen großmagyarischen Parolen ständig provoziert, gestichelt und die Atmosphäre vergiftet.
Es ist höchste Zeit, dass die Premiers beider Länder zusammenkommen und die Stopptaste drücken. Ungarn ist gefordert, seine berüchtigten nationalistischen Rowdys in die Schranken zu weisen. Slowakischen Hetzern wie Slota gehört ein Maulkorb verpasst, Präsident Ga?parovi? an seine Überparteilichkeit erinnert. Der Streit etwa um slowakische Schulbücher gehört sachlich und emotionslos geführt. Denn wir befinden uns in Mitteleuropa, Herbst 2008. (Bericht: S. 5)
burkhard.bischof@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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