07.11.2009 21:25 | Meine Presse Merkliste0

Auch so kann man Minister werden

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Obama holt sich die besten Köpfe ins Kabinett. Das wäre für Österreich auch mal eine Variante.

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Das ist auch eine Möglichkeit, eine Regierung zu bilden. Barack Obama, der neue US-Präsident, hat sich für eine naheliegende und doch selten angewandte Methode entschieden: Er holt einfach die besten Köpfe, die von der Materie, mit der sie es im Kabinett zu tun haben werden, auch etwas verstehen.

Bestes Beispiel ist Timothy Geithner. Der neue US-Finanzminister hat nicht nur Chinesisch studiert, er war zuletzt Chef der New Yorker Notenbank und davor Sektionschef im Finanzministerium. Handelsminister wird Bill Richardson, der sich Meriten als Energieminister verdient hat. Verteidigungsminister könnte der republikanische Amtsinhaber Robert Gates bleiben, und zwar einfach deswegen, weil er seine Sache gut macht.

Natürlich umgibt sich der neue US-Präsident auch mit vertrauten Personen und frühen Förderern. Dennoch ist beeindruckend, welche Kaliber Obama neben sich duldet, darunter, als Außenministerin, auch eine Rivalin wie Clinton.

Noch weiß keiner, ob Obamas Allstar-Mannschaft harmoniert und die richtige Richtung einschlägt. Anfangs imponierte auch Bush, als er Profis wie Colin Powell, Dick Cheney oder Donald Rumsfeld anheuerte. Von diesem nicht unwichtigen Vorbehalt abgesehen: Könnte bitte auch mal ein österreichischer Bundeskanzler auf die Idee kommen, ein Team der besten Köpfe zusammenzustellen? Proporz-amateurtruppen nach Maßgabe der höheren Bünde- und Bundesländermathematik hatten wir genug. (S.7)


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2008)

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2 Kommentare
Gast: Gast
24.11.2008 14:20
0 0

Gedankenexperiment ...

... Fr. Clinton wäre österreichische Staatsbürgerin, sagen wir die Ehefrau von Ex-Präsident Klestil und Bundesratsabgeordnete. Als SPÖ-Mitglied wäre sie innerparteilich Hrn. Faymann unterlegen und dieser würde sie zur Außenministerin machen.

Undenkbar ... ?

Natürlich undenkbar. Aber in den USA nicht erst seit Obama üblich. Man denke nur an Nixon, der sich einen gewissen Kissinger als Sicherheitsberater und dann als Außenminister hielt, alles andere als einen Ja-Sager.

Sehen Sie - und deshalb sind die USA die USA und Österreich ... nun eben Österreich.


Gast: Manioc
23.11.2008 18:59
0 0

Denkste!

'Für diesen Job brauche ich keinen Fachmann, sondern einen eminent politischen Kopf'

O-Ton Bruno Kreiskys nach der Bestellung des Mediziners Salcher zum Finanzminister.

Genau mit dieser Intelligenz wird in Österreich seit Jahrzehnten Politik betrieben. Sachverstand ist da eher hinderlich, den Posten zu kriegen, als förderlich.

Das ist aber nur das Abbild einer althergebrachten Tradition in der österrecihischen Gesellschaft.

Mit der selben Einstellung zu Kompetenz und Leistung wurden bereits in der KuK Monarchie reihenweise Kriege verloren und diplomatische Pleiten gehortet.

Und bis heute hat sich in der österreichischen Politik nicht wirklich etwas geändert.

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