04.07.2009 02:59 | Meine Presse Merkliste0

Auch so kann man Minister werden

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Obama holt sich die besten Köpfe ins Kabinett. Das wäre für Österreich auch mal eine Variante.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Das ist auch eine Möglichkeit, eine Regierung zu bilden. Barack Obama, der neue US-Präsident, hat sich für eine naheliegende und doch selten angewandte Methode entschieden: Er holt einfach die besten Köpfe, die von der Materie, mit der sie es im Kabinett zu tun haben werden, auch etwas verstehen.

Bestes Beispiel ist Timothy Geithner. Der neue US-Finanzminister hat nicht nur Chinesisch studiert, er war zuletzt Chef der New Yorker Notenbank und davor Sektionschef im Finanzministerium. Handelsminister wird Bill Richardson, der sich Meriten als Energieminister verdient hat. Verteidigungsminister könnte der republikanische Amtsinhaber Robert Gates bleiben, und zwar einfach deswegen, weil er seine Sache gut macht.

Natürlich umgibt sich der neue US-Präsident auch mit vertrauten Personen und frühen Förderern. Dennoch ist beeindruckend, welche Kaliber Obama neben sich duldet, darunter, als Außenministerin, auch eine Rivalin wie Clinton.

Noch weiß keiner, ob Obamas Allstar-Mannschaft harmoniert und die richtige Richtung einschlägt. Anfangs imponierte auch Bush, als er Profis wie Colin Powell, Dick Cheney oder Donald Rumsfeld anheuerte. Von diesem nicht unwichtigen Vorbehalt abgesehen: Könnte bitte auch mal ein österreichischer Bundeskanzler auf die Idee kommen, ein Team der besten Köpfe zusammenzustellen? Proporz-amateurtruppen nach Maßgabe der höheren Bünde- und Bundesländermathematik hatten wir genug. (S.7)


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
Gast: Gast
24.11.2008 14:20

Gedankenexperiment ...

... Fr. Clinton wäre österreichische Staatsbürgerin, sagen wir die Ehefrau von Ex-Präsident Klestil und Bundesratsabgeordnete. Als SPÖ-Mitglied wäre sie innerparteilich Hrn. Faymann unterlegen und dieser würde sie zur Außenministerin machen.

Undenkbar ... ?

Natürlich undenkbar. Aber in den USA nicht erst seit Obama üblich. Man denke nur an Nixon, der sich einen gewissen Kissinger als Sicherheitsberater und dann als Außenminister hielt, alles andere als einen Ja-Sager.

Sehen Sie - und deshalb sind die USA die USA und Österreich ... nun eben Österreich.


Gast: Manioc
23.11.2008 18:59

Denkste!

'Für diesen Job brauche ich keinen Fachmann, sondern einen eminent politischen Kopf'

O-Ton Bruno Kreiskys nach der Bestellung des Mediziners Salcher zum Finanzminister.

Genau mit dieser Intelligenz wird in Österreich seit Jahrzehnten Politik betrieben. Sachverstand ist da eher hinderlich, den Posten zu kriegen, als förderlich.

Das ist aber nur das Abbild einer althergebrachten Tradition in der österrecihischen Gesellschaft.

Mit der selben Einstellung zu Kompetenz und Leistung wurden bereits in der KuK Monarchie reihenweise Kriege verloren und diplomatische Pleiten gehortet.

Und bis heute hat sich in der österreichischen Politik nicht wirklich etwas geändert.

Mehr Kommentare:

Top-News

  • Fall Madoff: Neue Spuren führen nach Wien
    Im „Fall Madoff“ gibt es schwere Vorwürfe gegen Sonja Kohn, Gründerin der Wiener Bank Medici. Dabei geht es um umstrittene Geldflüsse von rund 40 Mio. Dollar (28,4 Mio. Euro).
    Ohne Job: Generation Krise
    Der Einstieg ins Berufleben wird schwieriger. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt daher deutlich stärker als die allgemeine Arbeitslosenquote. Firmen nehmen lieber freigesetzte Mitarbeiter als Neueinsteiger.
    Sarah Palin tritt als Gouverneurin von Alaska zurück
    Die frühere US-Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner wird ihr Amt als Gouverneurin von Alaska am 26. Juli zurücklegen. Damit nährt sie Gerüchte, 2012 für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen.
    Verteilungskonflikt: "Wir brauchen Aufstand der Jungen"
    Keine Pension, kein Job und keine Kinder. Droht ein Kampf der Generationen? „Die Verteilungskonflikte zwischen Alt und Jung werden zunehmen“, meint Experte Wolfgang Gründinger.
    Hochwasser kehrt nach Spitz an der Donau zurück
    Die Situation ist ähnlich dramatisch wie beim Donau-Hochwasser vor wenigen Tagen. Doch diesmal kommt das Hochwasser von drei Bächen. Der Wasserstand des üblicherweise 30 Zentimeter hohen Spitzerbachs beträgt vier Meter.
  • USA: Polizei sucht Serienmörder
    Ein Serienmörder soll im US-Bundesstaat South Carolina innerhalb von sechs Tagen vier Menschen getötet haben.
    Vassilakou: Gegen die Tarzanisierung der Politik
    Maria Vassilakou ist im Sommer Grünen-Chefin. Für die Wien-Wahl wünscht sie sich ein „gehöriges Erdbeben“, das die politische Landschaft wieder in Bewegung setzen soll.
    Nadja Benaissa in St. Pölten: "Ich habe keine Angst"
    Die No Angels feierten beim Stadtfest in St. Pölten ihren ersten Auftritt seit der Festnahme von Sängerin Nadja im April. "Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt", sagte Benaissa bevor sie auf die Bühne ging.
    Wimbledon: Traum von Lokalmatador Murray geplatzt
    Der Schotte Andy Murray scheiterte im Wimbledon-Halbfinale in vier hart umkämpften Sätzen gegen Andy Roddick. Der wiedererstarkte US-Amerikaner hat gegen Finalgegner Federer nur zwei von 20 direkten Duellen gewonnen.
    Hype: Der Michael-Jackson-Zirkus
    Die Amerikaner sehnen sich nach einer Pause im Totenkult. Los Angeles bereitet sich auf die Trauerfeiern und das Begräbnis vor.
  • Medizin-Eignungstest: Zittern im Austria Center
    Tausende Maturanten versuchen sich an einem Test, der über ihre Zukunft entscheidet. Begleitet werden sie von einem Plastiksackerl und dem Wunsch, Arzt zu werden. Ein Besuch im Austria-Center.
    Iran macht Jagd auf kritische Journalisten
    Aus Journalisten und Politikern wurde Freiwild, das ohne Angaben von Gründen hinter Gitter gesperrt wird. Ein Besuch in der Zeitung "Etemade Melli", der letzten Zufluchtsstätte kritischer Geister.
    Polizei: Geigers rätselhaftes Comeback
    Ab Montag arbeitet Ex-Kripo-Chef Ernst Geiger (55) wieder für die Bundespolizeidirektion Wien. Wo genau, weiß er aber nicht. Er war im März 2006 wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses suspendiert worden.
    Eisschnelllauf: Dopingsperre für Claudia Pechstein
    Die erfolgreichste deutsche Winterolympionikin aller Zeiten wurde des Blutdopings überführt. Doch Claudia Pechstein und der Eisschnellauf-Verband wehren sich: "Die Sperre stützt sich ausschließlich auf Indizien".
    Nitsch: Orgel spielen, bis der „Pornojäger“ tobt
    In seinem Museum erklingt als „Begleitmusik“ zur Ausstellung die Uraufführung der „Ägyptischen Symphonie“ des Aktionskünstlers – sie könnte „meine Neunte sein“, sagt Nitsch im Gespräch.