21.11.2009 17:12 | Meine Presse Merkliste0

Europa ist in der Gas-Zwickmühle

JAKOB ZIRM (Die Presse)

Europas Gasverbrauch wächst. Eine steigende Abhängigkeit von Russland ist fatal. Neue Lieferanten wären jedoch Länder wie der Iran.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Gasstreit, der fast schon traditionell im Jänner zwischen Russland und der Ukraine eskaliert, sollte eine Warnung sein. Auch wenn zu einem Konflikt immer zwei Parteien gehören, sieht man, dass sich Russland seiner Gasmacht bewusst ist. Die Abhängigkeit der europäischen Energieversorgung von der Stimmung im Kreml sorgt zumindest für höhere Preise. Bei ernsten politischen Differenzen könnte Moskau aber auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen.

Angesichts des ständig steigenden Bedarfs wäre es daher fatal, sich noch stärker auf die Gutmütigkeit des russischen Bären zu verlassen. Projekte, um an alternative Gaslieferanten zu kommen – wie die Nabucco-Pipeline oder Flüssiggas-Terminals –, sollten mit Hochdruck vorangetrieben werden. Allerdings ist auch hier nicht alles eitel Wonne. So gilt vor allem der Iran als Lieferant der Zukunft. Ein Land, dessen Staatschef ein fragwürdiges Atomprogramm antreibt und das Existenzrecht Israels negiert. Es ist zwar sinnvoll, Leitungen zu legen, damit man vorbereitet ist, wenn sich die Führung in Teheran ändert. Was nicht passieren darf, ist aber, dass iranische Uranzentrifugen mit Gas-Euro angetrieben werden.

Einen Königsweg gibt es nicht. Sinnvoll wäre es daher, den grundsätzlichen Zugang zum Energieverbrauch neu zu überdenken. Eine effizientere Nutzung ist zwar mühsam und bedeutet mitunter Änderungen alter Gewohnheiten. Damit könnte Europa jedoch seine Abhängigkeit reduzieren. (Bericht: S. 15)


jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
Gast: oberg'scheit
06.01.2009 21:05
0 0

climate change im Wohnzimmer

The nice thing about humility, if you don't seek it, it will be provided.

0 0

Der kalte Krieg ist vorbei!

Erstaunlich wieviele Journalisten ideologisch noch wie vor 30 Jahren leben.
"Bei ernsten politischen Differenzen könnte Moskau aber auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen."

Bei ernsten politischen Differenzen? War der fast-Atomkrieg zwischen Ost-West keine ernste politische Differenz? Hat Russland trotzdem an seinen Erzfeind Gas geliefert?

Den Russen geht es einfach nur ums Geld, und die sind von Europa rein zahlenmäßig abhängiger als andersrum. Die verkaufen ihr meistes Gas nach Europa, wir kaufen aber den Großteil unseres Gases aus Russland.

Die Nabucco Pipeline ist tot. Es war ein politisches, von den amerikanern mitforciertes, Projekt und war wirtschaftlich von Anfang an zum scheitern verurteilt. Keiner wird diese Pipeline mit Gas füllen.

Gast: Riemann
05.01.2009 04:52
0 0

Der Kalte Krieg ist vorbei!

Erstaunlich wieviele Journalisten ideologisch noch wie vor 30 Jahren leben.
"Bei ernsten politischen Differenzen könnte Moskau aber auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen."

Bei ernsten politischen Differenzen? War der fast-Atomkrieg zwischen Ost-West keine ernste politische Differenz? Hat Russland trotzdem an seinen Erzfeind Gas geliefert?

Den Russen geht es einfach nur ums Geld, und die sind von Europa rein zahlenmäßig abhängiger als andersrum. Die verkaufen ihr meistes Gas nach Europa, wir kaufen aber den Großteil unseres Gases aus Russland.

Die Nabucco Pipeline ist tot. Es war ein politisches, von den amerikanern mitforciertes, Projekt und war wirtschaftlich von Anfang an zum scheitern verurteilt. Keiner wird diese Pipeline mit Gas füllen.

citoyen
04.01.2009 20:56
0 0

Die OMV soll endlich aufwachen und handeln!

Nabucco ist schleunigst voranzutreiben; die OMV soll endlich vom Schlafwagen in den Eilzug umsteigen und agieren.

Wo ist das Problem mit dem Iran? Weil ihn die USA zur Achse des Bösen zählen? Für gar nicht so wenige Menschen ist das Unsinn, der auch nur einem schlichten Gemüt wie Bush zum Nachplappern unterschoben wurde.

Man kann nicht a priori einige Staaten von der Weltgemeinschaft ausschließen, wie es die (Selbst)Gerechten Amis gerne machen.

Mehr Kommentare:

Top-News