08.11.2009 01:27 | Meine Presse Merkliste0

Europa ist in der Gas-Zwickmühle

JAKOB ZIRM (Die Presse)

Europas Gasverbrauch wächst. Eine steigende Abhängigkeit von Russland ist fatal. Neue Lieferanten wären jedoch Länder wie der Iran.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der Gasstreit, der fast schon traditionell im Jänner zwischen Russland und der Ukraine eskaliert, sollte eine Warnung sein. Auch wenn zu einem Konflikt immer zwei Parteien gehören, sieht man, dass sich Russland seiner Gasmacht bewusst ist. Die Abhängigkeit der europäischen Energieversorgung von der Stimmung im Kreml sorgt zumindest für höhere Preise. Bei ernsten politischen Differenzen könnte Moskau aber auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen.

Angesichts des ständig steigenden Bedarfs wäre es daher fatal, sich noch stärker auf die Gutmütigkeit des russischen Bären zu verlassen. Projekte, um an alternative Gaslieferanten zu kommen – wie die Nabucco-Pipeline oder Flüssiggas-Terminals –, sollten mit Hochdruck vorangetrieben werden. Allerdings ist auch hier nicht alles eitel Wonne. So gilt vor allem der Iran als Lieferant der Zukunft. Ein Land, dessen Staatschef ein fragwürdiges Atomprogramm antreibt und das Existenzrecht Israels negiert. Es ist zwar sinnvoll, Leitungen zu legen, damit man vorbereitet ist, wenn sich die Führung in Teheran ändert. Was nicht passieren darf, ist aber, dass iranische Uranzentrifugen mit Gas-Euro angetrieben werden.

Einen Königsweg gibt es nicht. Sinnvoll wäre es daher, den grundsätzlichen Zugang zum Energieverbrauch neu zu überdenken. Eine effizientere Nutzung ist zwar mühsam und bedeutet mitunter Änderungen alter Gewohnheiten. Damit könnte Europa jedoch seine Abhängigkeit reduzieren. (Bericht: S. 15)


jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

4 Kommentare
Gast: oberg'scheit
06.01.2009 21:05
0 0

climate change im Wohnzimmer

The nice thing about humility, if you don't seek it, it will be provided.

0 0

Der kalte Krieg ist vorbei!

Erstaunlich wieviele Journalisten ideologisch noch wie vor 30 Jahren leben.
"Bei ernsten politischen Differenzen könnte Moskau aber auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen."

Bei ernsten politischen Differenzen? War der fast-Atomkrieg zwischen Ost-West keine ernste politische Differenz? Hat Russland trotzdem an seinen Erzfeind Gas geliefert?

Den Russen geht es einfach nur ums Geld, und die sind von Europa rein zahlenmäßig abhängiger als andersrum. Die verkaufen ihr meistes Gas nach Europa, wir kaufen aber den Großteil unseres Gases aus Russland.

Die Nabucco Pipeline ist tot. Es war ein politisches, von den amerikanern mitforciertes, Projekt und war wirtschaftlich von Anfang an zum scheitern verurteilt. Keiner wird diese Pipeline mit Gas füllen.

Gast: Riemann
05.01.2009 04:52
0 0

Der Kalte Krieg ist vorbei!

Erstaunlich wieviele Journalisten ideologisch noch wie vor 30 Jahren leben.
"Bei ernsten politischen Differenzen könnte Moskau aber auch westlicheren Ländern als der Ukraine mit kalten Wohnzimmern drohen."

Bei ernsten politischen Differenzen? War der fast-Atomkrieg zwischen Ost-West keine ernste politische Differenz? Hat Russland trotzdem an seinen Erzfeind Gas geliefert?

Den Russen geht es einfach nur ums Geld, und die sind von Europa rein zahlenmäßig abhängiger als andersrum. Die verkaufen ihr meistes Gas nach Europa, wir kaufen aber den Großteil unseres Gases aus Russland.

Die Nabucco Pipeline ist tot. Es war ein politisches, von den amerikanern mitforciertes, Projekt und war wirtschaftlich von Anfang an zum scheitern verurteilt. Keiner wird diese Pipeline mit Gas füllen.

citoyen
04.01.2009 20:56
0 0

Die OMV soll endlich aufwachen und handeln!

Nabucco ist schleunigst voranzutreiben; die OMV soll endlich vom Schlafwagen in den Eilzug umsteigen und agieren.

Wo ist das Problem mit dem Iran? Weil ihn die USA zur Achse des Bösen zählen? Für gar nicht so wenige Menschen ist das Unsinn, der auch nur einem schlichten Gemüt wie Bush zum Nachplappern unterschoben wurde.

Man kann nicht a priori einige Staaten von der Weltgemeinschaft ausschließen, wie es die (Selbst)Gerechten Amis gerne machen.

Mehr Kommentare:

Top-News

  • Fall Kampusch: Ermittlungen gegen Freund des Entführers
    Die Rolle von Ernst H. wird nochmals durchleuchet. Er war ein Freund des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil. Es bestehe der Verdacht, dass H. an der Entführung "unter Umständen beteiligt war", sagt der zuständige Oberstaatsanwalt.
    US-Gesundheitsreform: Erster Erfolg für Obama
    Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses entscheiden, die Vorlage des Präsidenten weiter zu erörtern. Auch in den Reihen der Demokraten war die Reform bis zuletzt umstritten.
    Mitterlehner: Kein neues Konjunkturpaket
    Sozialminister Hundstorfer hat ein neues Konjunkturpaket angeregt, Wirtschaftsminister Mitterlehner erteilt dem eine Absage. Bei der Konjunktur vertraut er dem "freien Spiel von Angebot und Nachfrage".
    Audimax-Besetzer kündigen Volksbegehren an
    Bis Februar soll das Bildungs-Volksbegehren auf die Beine gestellt werden, ein erster Entwurf soll am Montag präsentiert werden. ÖVP-Chef Pröll geht indes zum Angriff auf die Audimax-Besetzer über.
    Karstadt: Mitarbeiter verzichten auf 150 Millionen Euro
    Arbeitnehmer und Insolvenzverwalter einigen sich auf Eckpunkte für eine Sanierung der deutschen Warenhauskette: Die Mitarbeiter verzichten unter anderem auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes.
  • Frühgeburt bei Wiener Schweinegrippe-Patientin
    Jene schwangere Patientin, die seit mehr als einer Woche auf der Intensivstation des Wiener Hanusch-Spitals liegt, hat am Freitag ihr Kind bekommen. Das Kind wird auf der Neonatologie betreut.
    Europäischer Filmpreis: "Das weiße Band" mehrfach nominiert
    Der Film von Michael Haneke hat Chancen auf den Titel "Europäischer Film" und "bestes Drehbuch". Haneke ist auch für den "Europäischen Regisseur" nominiert, sein Kameramann für den Kamerapreis.
    November 1989: Und dann fiel der erste Stein
    Sie haben auf unser Taxi mit Fäusten getrommelt und es hin und her geschaukelt. Wir fühlten uns wie in einem kleinen Boot bei hohem Seegang. Wie ich als ORF-Reporter im November 1989 den Fall der Mauer miterlebte.
    Wie das Handy die Welt verändert
    Die Entwicklungsländer erleben eine wahre Telekommunkationsrevolution: Menschen, die nie zuvor Zugang zu einem Telefon hatten, können nun sogar per Handy Bankgeschäfte erledigen und Rechnungen bezahlen.
    Die neuen Leiden der Studenten
    Der tägliche Kampf an den Unis: Zu wenige Plätze, schlechte Betreuung und verlorene Semester. Warum der Hochschulfrust steigt.
  • Fußball: Nun kritisiert Stranzl Constantini harsch
    Der Moskau-Legionär wirft dem Teamchef vor, mit zweierlei Maß zu messen und fordert ein ehrlicheres Spiel. Stranzl wurde ebenso wie Ivanschitz nicht für das Spanien-Länderspiel einberufen.
    Kalaschnikow: Das Instrument des einfachen Tötens
    Michail Timofejewitsch Kalaschnikow, Erfinder des berühmten Sturmgewehrs AK-47, feiert kommenden Dienstag seinen 90.Geburtstag. Der greise Konstrukteur sieht sich selbst als Mann des Friedens und der Freundschaft.
    Fußball: Mattersburg feiert schmeichelhaften Heimsieg
    Zum 4:1 gegen Kapfenberg reichten den Mattersburgern unterm Strich starke erste 15 Minuten und zwei Kontertore im Finish. Sie feiern damit nach drei Zu-Null-Niederlagen ihren ersten Sieg.
    Erste Hallen-Ski-EM: Österreich geht leer aus
    Der Franzose Jean-Baptiste Grange und die Slowakin Veronika Zuzulova siegen bei der ersten Hallen-Europameisterschaft im Slalom. Österreich muss sich bei Damen wie Herren mit Rang fünf begnügen.
    Musikantenstadl: Backstage in der heilen Welt
    Bald dreißig Jahre gibt es den Musikantenstadl. Das Harmonieversprechen findet ein Millionenpublikum. Sieben bis acht Prozent am österreichischen Musikmarkt machen Schlager- und Volksmusikgenres aus.