25.05.2012 17:06 | Meine Presse Merkliste 0

Raus aus dem verdammten Netz

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Brüssel will Providern die Vermarktung von Internetuser-Daten verbieten. Gut so, aber warum soll der Staat eine Ausnahme erhalten?

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Wie wäre Ihr Gefühl, wenn Sie ein Sicherheitsbeamter zu jedem Einkauf, zu jeder Ausstellung begleitete? Wenn er aufschriebe, was Sie läsen, für wen Sie sich interessierten, mit wem Sie redeten? Im normalen Leben ist für uns unvorstellbar, was im Internet bereits gang und gäbe ist: die totale Überwachung.

Die EU-Kommission schiebt nun immerhin den Internetprovidern einen Riegel vor. Sie dürfen ihre User-Daten nicht für gezielte Werbezwecke vermarkten. Das ist mit Sicherheit ein guter Schritt. Doch muss auch die Frage gestellt werden, warum der Wirtschaft hier etwas verboten werden soll, was dem Staat ausdrücklich erlaubt wird. Wo bleibt unsere individuelle Freiheit, wenn Polizeibehörden künftig überprüfen dürfen, welches Bürgerforum wir unterstützen, welche Zeitung wir lesen, welchen Facharzt wir suchen?

Eigenartig ist es schon, wenn Brüssel auf der einen Seite der Wirtschaft eine Datenweitergabe verbietet und andererseits Länder wie Österreich drängt, die Vorratsdatenspeicherung zur Verfolgung von verdächtigen Personen bei Internet und Mobiltelefonie endlich umzusetzen. Daten bedeuten Macht und Geld – gleich, wer sie erhält und wer sie speichert. Gibt es keine starke Gegenbewegung der Datenschützer, so wird sich das Netz bald eng um uns spannen – egal, ob wir Terroristen oder „brave“ Bürger sind. Irgendwann wird es ausreichen, die falsche Internetseite angeklickt oder die falsche Nummer gewählt zu haben.


wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2009)

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6 Kommentare
Gast: DSG
17.04.2009 16:06
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vielen dank

für ein solches kommentar. ich sehe die zukunft des staates ebenfalls als die eines überwachungsstaates, der den bürger jederzeit auf knopfdruck überwachen kann.

sprich: jeder C-beamte, der sich einer partei zugehörig fühlt, kann diese daten in zukunft auf knopfdruck abrufen.

Gast: Raven
16.04.2009 13:43
0 0

quod licet Iovi non licet bovi

Nun vielleicht liegt das daran, dass der Staat die Rechtsgüter seiner Bürger schützen muss und das Internet massiv für kriminelle Machenschaften genutzt wird? Niemand -ausser eben der Wirtschaft- interessiert sich für ihr Einkaufsverhalten. Jeder hält sich zwar irgendwo für wichtig, aber zu glauben, dass der Staat nichts besseres zu tun hätte als eine Lawine an privaten Daten grundlos zu speichern, ist paranoid. Außerdem muss der Staat im Rahmen der Verfassung operieren. Ein multinationaler Konzern ist niemandem (ja, ja, Shareholdern) gegenüber verantwortlich.

Gast: superuser
16.04.2009 11:33
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danke für diesen kommentar

die vorratsdatenspeicherung ist echt ein graus!

Ophicus
16.04.2009 08:17
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Ernst gemeint?

"Doch muss auch die Frage gestellt werden, warum der Wirtschaft hier etwas verboten werden soll, was dem Staat ausdrücklich erlaubt wird."

Gegenfrage: Was passiert wenn die Wirtschaft alles darf, was dem Staat erlaubt ist? Oder wenn der Staat nicht mehr darf, als die Wirtschaft?
Ein ziemlich unsinniger Gedanke, weshalb diese (rethorische) Frage als Argument gegen die Vorratsdatenspeicherung nicht wirklich viel hergibt.

Klar geht die Maßnahme zu weit und vor allem sind die Sicherungsmaßnahmen (Abrufe nur nach Gerichtsbeschluss usw.) viel zu lasch. Aber mit dem Vermarktungsverbot (!) für Privatunternehmen hat das absolut nichts zu tun.

Gast: The ShadowZone
15.04.2009 23:46
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Amen!

danke herr böhm! bitte mehr davon.

Gast: Bürger
15.04.2009 22:15
0 0

Danke!

Für den Kommentar. Vielleicht regt er zum Nachdenken an. Ich hoffe, Österreich bleibt hier standhaft.

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