25.05.2012 17:08 | Meine Presse Merkliste 0

Schwimmende Katastrophe

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Europa wird nicht umhinkommen, die illegale Einwanderung gemeinsam zu lösen. Ob an der Grenze oder dahinter, ist dabei zweitrangig.

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Es war ein Armutszeugnis im eigentlichen Sinn des Wortes, als 140 Bootsflüchtlinge tagelang zwischen Malta und Italien dahintrieben, weil niemand sie aufnahm. Es war Zeugnis der Armut im wirtschaftlichen wie im moralischen Sinne. Und es war Zeugnis einer verfehlten Politik der Europäischen Union.

Seit Jahren versuchen Massen von Menschen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Kaum wird das Wetter besser, steigt ihre Zahl. Sie riskieren alles – auch ihr Leben. Und Europa? Es streitet sich allein darüber, wer wohl diese Menschen aufnimmt. Es hat noch immer keine gemeinsame Zuwanderungspolitik entwickelt, die ein solches Chaos in geordnete Bahnen lenkt. Und auch keinen effizienten gemeinsamen Grenzschutz aufgestellt.

Stattdessen bleibt es bei hilflosen Versuchen, diese Menschen schon in Nordafrika zu informieren. Ihnen soll eine Zuwanderung ausgeredet werden. Doch die Situation in ihren Ländern ist für sie Grund genug, die Fahrt anzutreten. Deutlicher als die Warnungen hören sie die Geschichten ihrer Verwandten und Freunde, die bereits einen illegalen Job gefunden haben, etwa in der Landwirtschaft Spaniens. Den EU-Staaten mangelt es nämlich nicht nur an Solidarität, sondern auch an einem inneren Reinigungsprozess. Denn das Phänomen der Illegalität hat seinen Grund nicht ausschließlich in den Herkunftsländern, es hat auch einen diesseits des Meeres. (Bericht: S. 8)


wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2009)

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15 Kommentare
Ophicus
22.04.2009 08:13
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Kann es sein?

Den BootsFLÜCHTLINGEN soll die ZUWANDERUNG ausgeredet werden? Irgendwas passt da nicht ganz zusammen...

Aber an anderer Stelle hat Herr böhm völlig recht. Es fehlt ein Selbstreinigungsprozess. Es kann nicht angehen dass man einerseits den Migranten die hochoffiziell um Erlaubnis fragen die Tür vor der Nase zuknallt und dann jene stillschweigend akzeptiert, die halt trotzdem kommen.
Es kann nicht sein, dass man dann wegschaut wenn die als illegale Billigarbeitskräfte verwendet werden, weils halt grad so praktisch ist (und Schwarzarbeit sowieso ein Kavaliersdelikt).
Es kann nicht sein, dass jene die für die Einhaltung der Gesetze sorgen wollen als Rassisten diffamiert werden (auch wenn es Rassisten gibt die so tun als ginge es ihnen um Gesetze...)

Gast: Karl Bruni
21.04.2009 14:47
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Auch den gescheitesten Leuten

und Politikern bleibt manchmal nichts anderes übrig als ein zu gestehen dass manche Probleme (zumindest derzeit) unlösbar sind.

falcon
21.04.2009 14:20
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So einfach ist das nicht

Klar ist: Einfach das was bisher illegal war zum Legalen erklären: Das geht nicht.

Die Sache muss so angegangen werden dass man auch die weltweite Schlepperindustrie mit einbezieht. Das sind Mafia-ähnliche Organisationen die am Geldverdienen interesssiert sind u. denen komplett egal ist ob Menschen im Meer ertrinken.

Die Hintermänner sind bei den Schlepperorganisationen wahrscheinlich die Gleichen wie beim weltweiten Drogen- und Waffenhandel.

Die Bestechungsgelder die da bezahlt werden sind extrem hoch: Denkt an das Gerichtsverfahren der illegalen Visabeschaffung an d. österr. Botschaft in Belgrad zum Beispiel.

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europa "...hat noch immer keine gemeinsame Zuwanderungspolitik entwickelt, die ein solches Chaos in geordnete Bahnen lenkt..

genau das ist der springende punkt.

es werden auch in zukunft menschen nach europa kommen. und es werden viel mehr sein als heute!

es ist äusserst fahrlässig von der politik, von sich dieser tatsache durch billigen populismus oder nichts-tun abzulenken.

ich finde auch, dass es sogar die moralische pflicht der westlichen staaten ist, diese menschen in grosser zahl aufzunehmen. denn die not und die aussichtslosigkeit in ihren ländern, die sie zur emigration treibt, ist zum allergrößten teil durch uns verursacht! sei es durch nachwirkungen des kolonialismus, sei es durch die uns nützende internationale wirtschaftspolitik: uns geht es nämlich auch deshalb so gut, weil es anderswo menschen schlechter geht, als wir uns das nur vorstellen können!

Antworten Gerald
21.04.2009 17:16
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Re: europa

Welche Nachwirkungen des Kolonialismus meinen Sie? Die Infrastruktur, welche von den Kolonialstaaten zurückgelassen wurde?
Diese Staaten sind seit 40 Jahren frei und selbstverantwortlich! Auch der kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei, da werden auch keine Stellvertreterkriege mehr geführt.
Südostasien wurde übrigens zum gleichen Zeitpunkt wie die afrikanischen Länder in die Unabhängigkeit entlassen. Die Südostasiaten haben in die Hände gespuckt und sich zu erfolgreichen Staaten entwickelt, die Afrikaner haben sich auf dem Reichtum ihrer Bodenschätze ausgeruht und geben bis heute immer noch dem weißen Mann die Schuld. Soviel kann der Mentalitätsunterschied ausmachen.
An der explosionsartigen Vermehrung der afrikanischen Bevölkerung und den damit verbundenen Problemen, ist auch nicht der weiße Mann schuld. Solange die Afrikaner sich nicht einmal in Selbstkritik üben, sondern die Schuld immer nur bei den anderen suchen, wird auch nichts besser werden.

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europa "...hat noch immer keine gemeinsame Zuwanderungspolitik entwickelt, die ein solches Chaos in geordnete Bahnen lenkt..

genau das ist der springende punkt.

es werden auch in zukunft menschen nach europa kommen. und es werden viel mehr sein als heute!

es ist äusserst fahrlässig von der politik, von sich dieser tatsache durch billigen populismus oder nichts-tun abzulenken.

ich finde auch, dass es sogar die moralische pflicht der westlichen staaten ist, diese menschen in grosser zahl aufzunehmen. denn die not und die aussichtslosigkeit in ihren ländern, die sie zur emigration treibt, ist zum allergrößten teil durch uns verursacht! sei es durch nachwirkungen des kolonialismus, sei es durch die uns nützende internationale wirtschaftspolitik: uns geht es nämlich auch deshalb so gut, weil es anderswo menschen schlechter geht, als wir uns das nur vorstellen können!

Antworten joquer
21.04.2009 15:01
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Re: europa

Also dass es uns deshalb so gut geht, weil es Menschen anderswo schlecht geht hört sich vielleicht plausibel an, dafür würde ich aber doch gern noch ein paar Argumente hören.
Sicherlich wurden in der Vergangenheit und werden auch noch jetzt von Europäern viele Fehler gemacht, die zu Leid in der dritten Welt führen, aber das hat dem derzeit in Österreich vorherrschenden Lebensstandard meiner Ansicht nach nur marginal zu tun!

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Re: Re: europa

Niemand hat Herrn Mugabe gezwungen, die weißen Farmer zu enteignen, die dafür sorgten, daß Simbabwe zur KORNKAMMER AFRIKAS wurde. Der Mangel an Nahrungsmitteln begann, als er die Farmer enteignete und mit dem Land seine Anhänger belohnte! Nur hatten die meistens keine Ahnung von Landwirtschaft und vertrieben auch noch zusätzlich ihre Schwestern und Brüder, die bis dahin beim weißen Farmer Lohn, Brot und Arbeit hatten.
In Simbabwe ist e i n d e u t i g Mugabe schuld, der von den Engländern ein durchorganisiertes, funktionierendes Land übernommen hatte.
Die Herrscher über die restlichen afrikanischen Länder sind aber auch keinen Deut besser! Nur sie sind sich wichtig!

falcon
21.04.2009 13:54
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Ze


Gast: Freies Europa
21.04.2009 13:16
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Will Europa nicht zur afrikanischen Kolonie werden,

muß es die illegale Migration VOR der eigenen Grenze auflösen.

Es ist doch völliger Schwachsinn, hochgerüstete NATO-Staaten könnten das Eindringen fremder Schiffe in ihre Hoheitsgewässer nicht rechtzeitig vorher erkennen und verhindern.

Die herrschende Lobby des Bevölkerungsaustausches will es nur nicht.

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Re: Will Europa nicht zur afrikanischen Kolonie werden,

sind das die worte eines römischen kaisers?
kurz bevor das römische reich durch die völkerwanderung überrolt wurde?

nichts, NICHTS kann menschenmassen, die in bewegung geraten sind, aufhalten! wir können nur versuchen, dies in geordnete bahnen zu lenken!

Antworten Antworten Ophicus
22.04.2009 08:25
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Re: Re: Will Europa nicht zur afrikanischen Kolonie werden,

Die Worte des römischen Kaisers waren wohl eher: Nehmen wir diese wandernden Menschen auf. Mit ihrer jugendlichen Kraft und militärischen Tradition sind sie eine Bereicherung für uns und können die anderen Wanderer in Schach halten.
Mit anderen Worten: Lenken wir die Bewegung in geordnete Bahnen.

Und dann haben die angesiedelten Stämme eben das Land selbst übernommen, nannten es noch mehr als tausend Jahre lang "römisch", während von der römischen Infrastruktur, Kultur, Bildung usw. kaum mehr was übrig blieb.

Antworten Antworten Gerald
21.04.2009 17:18
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Re: Re: Will Europa nicht zur afrikanischen Kolonie werden,

Der eiserne Vorhang und die Berliner Mauer konnten Menschenmassen in Bewegung (Abstimmung mit den Füßen nannte man das damals in der DDR) sehr effektiv aufhalten.

Antworten Antworten Antworten diggler
21.04.2009 18:48
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Re: Re: Re: Will Europa nicht zur afrikanischen Kolonie werden,

Dann plädieren Sie also ernsthaft für Stolper- und Stacheldraht, Minenfelder, Selbstschussanlagen und ein "Es wird ohne Vorwarnung geschossen!" an allen Außengrenzen Europas? Na gratuliere.
Nebenbei: Der Eiserne Vorhang ist gefallen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gerald
22.04.2009 07:15
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Re: Re: Re: Re: Will Europa nicht zur afrikanischen Kolonie werden,

Wenn es die Alternative zum Überrantwerden ist, dann plädiere ich durchaus für ein Abschotten. Allerdings ohne Schießbefehl. Es reicht die Menschen aufzuhalten und bei nächster Gelegenheit abzuschieben. Bei den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla funktioniert es so bereits.

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