Es war ein Armutszeugnis im eigentlichen Sinn des Wortes, als 140 Bootsflüchtlinge tagelang zwischen Malta und Italien dahintrieben, weil niemand sie aufnahm. Es war Zeugnis der Armut im wirtschaftlichen wie im moralischen Sinne. Und es war Zeugnis einer verfehlten Politik der Europäischen Union.
Seit Jahren versuchen Massen von Menschen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Kaum wird das Wetter besser, steigt ihre Zahl. Sie riskieren alles – auch ihr Leben. Und Europa? Es streitet sich allein darüber, wer wohl diese Menschen aufnimmt. Es hat noch immer keine gemeinsame Zuwanderungspolitik entwickelt, die ein solches Chaos in geordnete Bahnen lenkt. Und auch keinen effizienten gemeinsamen Grenzschutz aufgestellt.
Stattdessen bleibt es bei hilflosen Versuchen, diese Menschen schon in Nordafrika zu informieren. Ihnen soll eine Zuwanderung ausgeredet werden. Doch die Situation in ihren Ländern ist für sie Grund genug, die Fahrt anzutreten. Deutlicher als die Warnungen hören sie die Geschichten ihrer Verwandten und Freunde, die bereits einen illegalen Job gefunden haben, etwa in der Landwirtschaft Spaniens. Den EU-Staaten mangelt es nämlich nicht nur an Solidarität, sondern auch an einem inneren Reinigungsprozess. Denn das Phänomen der Illegalität hat seinen Grund nicht ausschließlich in den Herkunftsländern, es hat auch einen diesseits des Meeres. (Bericht: S. 8)
wolfgang.boehm@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2009)















