In der Stunde des Triumphs überließ Wiens Bürgermeister Michael Häupl seiner Stellvertreterin den Vortritt. „Willkommen in der lebenswertesten Stadt der Welt“, jubilierte Renate Brauner vor den Journalisten. Und in ihrer auch sonst durchaus euphorisch gestimmten Tonlage erklärte sie bescheiden: „Wir sind stolz auf diesen besonderen Tag. Wir sind die Nummer eins unter 215 internationalen Metropolen.“
Nein, wir machen den ersten Platz vor Zürich (!) in der aktuellen Mercer-Studie nicht madig, sondern sind lokalpatriotisch stolz. Es ist auch gut, dass Häupl mit ernstem Blick auf die Wähler weitere Verbesserungen ankündigte beziehungsweise forderte. Und vielleicht schwingt hier auch ein klein wenig Schadenfreude mit, wenn wir von leiser Selbstkritik und lautem -mitleid in Schweizer Medien lesen.
Nur ein, zwei kleine Hinweise auf die Studie des Beratungsunternehmens seien erlaubt: Mercer erteilte erstmals Höchstnoten für die politische Situation acht Jahre nach den EU-Sanktionen. Für das Faktum, dass „Österreich eine stabile Demokratie mit funktionierendem und anerkanntem Rechtssystem“ sei. Danke, der lange Kampf gegen die schwarz-blaue Militärjunta und für die Demokratie war hart genug! Und: Unsere Pisa-geschundenen Seelen freuen sich zwar über die Höchstnoten für die Bildungsangebote in Wien, aber eines verwundert fast: Wien wird vor allem wegen der nicht ganz günstigen internationalen Privatschulen gelobt.
Darauf ist die Wiener SPÖ verständlicherweise stolz. (Bericht: Seite9)
rainer.nowak@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2009)















