Auf gerade einmal 15 Zeilen meldete „Die Presse“ am 21. 2. 1978 die größte Anti-Shah-Kundgebung seit 1953. Damals wurden rund 100 Demonstranten von der Polizei des Schahs erschossen. Diese Proteste vom Jänner und Februar 1978 markieren den Beginn der islamischen Revolution, die den Iran und die ganze Region bis heute prägt. Und wir wissen noch etwas: Die Revolution siegte erst am 16. Jänner 1979, als der Schah aus Persien floh.
Journalismus ist das Handwerk der Geschichtsschreibung der Gegenwart. Doch wie sind Ereignisse, die vergangene Woche passiert sind, im historischen Kontext einzuschätzen? Konsultieren Sie in 30 Jahren das „Presse“-Archiv.
Was auf den Straßen von Teheran passiert ist, hatte alle Merkmale des Beginns einer Revolution. Nach den Ereignissen der vergangenen Woche wird deutlich, dass die Staatsführung zwar die Straßenschlacht vorerst für sich entschieden hat, den Krieg um die Seele des Iran aber verlieren wird. Warum? Der oberste Führer ist nach seinen Fehleinschätzungen diskreditiert, das Bild einer islamischen Republik lässt sich nun nicht weiter aufrechterhalten. Nicht, dass nicht auch Republiken auf Demonstranten einprügeln lassen. Aber alle Reaktionen der iranischen Regierung auf die Proteste waren die einer paranoiden Militärdiktatur. Nach 30 Jahren islamischer Republik ist ein neues Kapitel aufgeschlagen, nichts wird mehr sein wie zuvor.