Eines kann man Yukiya Amano, dem 62-Jährigen aus Japan, der im Dezember das Ruder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA übernehmen wird, nicht vorwerfen: dass er nicht weiß, worauf er sich einlässt.
Immerhin versteht er seinen Job: Er ist Experte für Abrüstung, gibt stolz an, Russland bei der Verschrottung von Atom-U-Booten geholfen zu haben. Auch übernimmt er die IAEA sehenden Auges in einer Phase, in der es brennt: im Iran wegen dessen Atomprogramm, in Nordkorea, wo wieder eine Atombombe gezündet wurde, in Syrien, wo es Indizien für heimliche Atomaktivitäten gibt.
Zynisch könnte man sagen, dass er einen Startvorteil hat: Als Japaner ist man für Atomwaffen besonders sensibel: nur dort kam es ja zum Einsatz jener Waffen. Also sollte man sich von Amano eine besondere moralische Macht erwarten bei der Aufgabe zu verhindern, dass sich das Teufelszeug fortpflanzt. Freilich: Japaner sein ist hier nicht genug. Auch die Tragödien von Hiroshima und Nagasaki haben den Run auf die Bombe nicht verhindert, – ganz einfach, weil schon der Verdacht auf ihren Besitz ein Vorteil ist. Zudem trauen Amano viele Mitglieder der IAEA nicht, sehen ihn als Lakaien des Westens und glauben, er wolle unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Atomwaffen ihre so legalen wie legitimen Rechte auf zivile nukleare Tätigkeiten beschneiden.
Sein Job wird hart. Hoffentlich verkommt er als IAEA-Boss nicht zu einer ähnlichen Hohlfigur wie UN-Chef Ban Ki-moon. (Bericht: Seite 7)
wolfgang.greber@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2009)

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