11.02.2012 06:44 | Meine Presse Merkliste0

Desaster in Serie für die SPÖ

MARTINA SALOMON (Die Presse)

Erich Haider wurde nicht als Aufdecker, sondern als Skandalisierer wahrgenommen – und verlor.

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Nichts lieben schwarze Landespolitiker mehr als Große Koalitionen im Bund mit einem roten Kanzler. Das brachte ihnen bei mittlerweile sechs Landtagswahlen kräftigen Rückenwind, so auch in Oberösterreich. Dort setzte Josef Pühringer auf einen ruhigen, staatstragenden Wahlkampf ohne Überraschungseffekte. Offenbar genau das Richtige in Zeiten der Wirtschaftskrise, in der die Menschen um ihren Arbeitsplatz fürchten und von der Politik keine Extravaganzen wünschen.

Für die SPÖ hingegen setzte sich am Sonntag die Desasterserie fort. Da half auch nicht das kleine Ass, das die Landes-Roten am Donnerstag – wahltaktisch viel zu spät – aus dem Ärmel schüttelten: seltsame Geldgeschäfte der oberösterreichischen Landesfinanzdirektion. Die Wähler wandten sich angewidert ab – vom Überbringer der Botschaft, Erich Haider. Er wurde nicht mehr ernst genommen, gilt als Skandalisierer und Populist. Haider, der immer gern Minister geworden wäre, hat damit keine große politische Zukunft mehr vor sich.

Vor sechs Jahren fiel ihm nicht nur die FPÖ-Krise, sondern auch die Voest-Privatisierung in den Schoß. Die Oberösterreicher waren alarmiert – und zerstörten die Hoffnungen der ÖVP auf die „Absolute“.

Es ist paradox: Die SPÖ, die im Jahr 2000 (gemeinsam mit Arbeiterkammer und ÖGB) den Faschismus ausgerufen hatte, als die FPÖ Teil der Bundesregierung wurde, hat nun die „alte Ordnung“ im Bund wiederhergestellt – was wiederum die Freiheitlichen fast zu ihrer früheren Größe zurückfinden lässt, wenn man das BZÖ dazuzählt. Die Landes-Roten verlieren die blauen Leihstimmen, dazu kommen strukturelle Schwächen der SPÖ in vielen Bundesländern. In Wien, Burgenland und der Steiermark, wo man 2010 wählt, sind sie zwar besser aufgestellt, aber zumindest die steirische ÖVP kann auf einen Machtwechsel hoffen, wenn auch nur vage.

Was die FPÖ betrifft, haben die Wähler ein kurzes Gedächtnis oder es stört sie nicht, eine nachgewiesenermaßen regierungsunfähige Partei zu wählen. In Oberösterreich haben sich die Blauen weniger angriffslustig als sonst gegeben, um sich nicht einer möglichen Regierungsbeteiligung zu berauben. Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner blieb blass – aber es ist das alte blaue Rezept, so zu tun, als stünde immer nur der Bundeschef zur Wahl – früher Jörg Haider, jetzt Heinz-Christian Strache. Letzterer sieht sich in erster Linie als Wahlkampfmaschine – und das Jahr 2009 als Aufwärmrunde für die wichtige Wien-Wahl.

Für die Grünen – auch jene im Bund – war der Sonntag essenziell: Er hat gezeigt, dass Mitregieren möglich ist, ohne Gesicht und Wähler zu verlieren. Und er stärkt die neue grüne Bundesspitze, die ohnehin ein besonders schwieriges Jahr hinter sich hat.

Aber wie geht es jetzt in der Bundesregierung weiter? Eher rumpelig. Der Kanzler steht unter Druck seiner Genossen. Die Gewerkschaften, die Werner Faymann nach dem Gusenbauer-Intermezzo beruhigt hatte, bringen bereits ihre Geschütze in Stellung. Zu schwammig finden sie die SPÖ, ein sozialeres Profil wird gefordert. Das lässt sich in Zeiten explodierender Budgetdefizite allerdings schwer erstellen. Deswegen wird es wohl zumindest rhetorische Nadelstiche gegen die ÖVP geben.

Josef Pröll hat es da leichter: Er kann am Erfolg der Landes-Schwarzen mitnaschen, muss allerdings aufpassen, die Resignation des Koalitionspartners nicht durch Triumphgeheul in Aggression zu verwandeln. Außerdem sind die Nationalratswahlen ja noch vier Jahre entfernt, die Träume vom schwarzen Kanzler also ziemlich verfrüht. (Bericht: S. 7–9)


martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2009)

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11 Kommentare
Ka_Sandra
28.09.2009 15:05
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Also ehrlich, Frau Salomon,.....

.....was finden sie an Herrn Haider? Würden Sie ihn tatsächlich gern auf einem Ministerposten sehen?

Sein von den meisten Oberösterreichern als anmaßend empfundener unbeirrbare Anspruch auf den LH-Sessel, selbst angesichts ungünstiger Wahlprognosen, hat sich als Schuss nach hinten erwiesen. Haiders Traum von einer Bundeskarriere hat sich wohl ja inzwischen von selbst erledigt, auch wenn er die Vertrauensfrage überstehen sollte. Und wie es mit ihm in O.Ö. weitergeht, ist ja auch noch zu klären.....

Aber Haider ist nicht der einzige Politiker Oberösterreichs, dem seine maßlose Selbstüberschätzung zum Fallstrick werden könnte.
Mit Manfred Haimbuchner, der einem Deix-Album entsprungen zu sein scheint, wächst ein neuer höchst ehrgeiziger Politiker heran. Und dieser unbedarfte Nobody („aber nicht mehr lange!“), voll im Aufwind durch die Beinahe-Verdoppelung der FPÖ-Wählerstimmen, erhebt sogar keck Anspruch auf das Wirtschaftsressort!

Er sieht es übrigens gar nicht gern, dass er den Lorbeer des Sieges mit Strache teilen soll. Vorsicht, Strache, aufgepasst! Dem sollte man vielleicht rechtzeitig die Flügel auf das rechte Maß zurückstutzen.....

Helmut71
28.09.2009 08:37
1 0

SPÖ

da SPÖ Wähler in erster Linie Parteiwähler sind, trifft wohl die Bundespartei die Hauptschuld an den fortlaufenden Desastern der Sozialdemokraten. Ein Erich Haider ist ja noch der gleiche wie in den vergangenen Jahren, nur die SPÖ insgesamt hat sich gewandelt: zur inhaltsleeren Partei der Altapparitschiks.

Zaungast
28.09.2009 07:56
3 1

Fr. S.

hat Haider als Aufdecker wahrgenommen und wirkt angefressen. Viel zu spät hätte die SPÖ den Schmutzkübel geholt, meint sie. Dafür könnten aber die Grünen mit ihrem "Erfolg" hoch zufrieden sein und das "stärkt die Bundesspitze".

Sicher ist es für das jetzige Führungsteam der Presse sehr schwierig, sich ständig verstellen zu müssen.

Antworten citoyen
28.09.2009 09:56
2 0

Re: Fr. S.

Ich bin schon gespannt, bis Fr. S bei Grün oder Rot als Politberaterin anheuert. Sie muß ja gestern wirklich gelitten haben, daß ihre Lieblinge so schwach abgeschnitten haben.

Vielleicht tröstet sich aber die Redaktion damit, daß der großartige Journalist - und ehemalige CR - Unterberger vom Dauerlächler gefeuert wurde.

Der letzte nicht links-grüne Journalist wurde mundtot gemacht...

Herzliche Gratulation an Sepp Pühringer!

Es ist imponierend dass es noch immer hohe Politiker gibt die gläubig sind und auch darüber sprechen. Pühringer der tiefreligiöse Mann aus Traun und ehemalige Religionslehrer wird nach Mariazell pilgern um dort Dankgebete zu zum Himmel zu schicken.

Das erinnert ein wenig an die Politiker in den USA.

Jedoch ist der Sieg Pühringers realpolitisch einfach zu erklären: Den Menschen in O.Ö. geht es gut, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen, die Arbeitslosigkeit hielt sich - auch in der weltweiten Krise in überschaubaren Grenzen. Die Firmen in OÖ sind gut aufgestellt und konkurrenzstark.

Ich vergönne auch Rudi Anschober (Grüne) das relativ gute Ergebnis: Vernünftige, unaufgeregte Realpolitik, ohne ideologische Purzelbäume macht sich eben bezahlt, auch Frau Glawischnig ist heute froh.

Ein guter Tag für Oberösterreich!

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Europaweit bauen die Sozialdemokraten ab!

Die letzte EU-Wahl hatte in fast allen 27 Mitgliedsländern mehr oder weniger deutliche Verluste für die Sozialdemokraten gebracht. Das konnte kein Zufall sein! So wie ich das sehe, sind die Zeiten, wo es für die Linken noch "etwas zu verteilen" gab, mit dem Siegeszug der Globalisierung vorbei. Die "entgrenzte" Realwirtschaft und die internationalen Finanzmärkte machen Standortwechsel leichter denn je. Ein sanfter Wink, ins Ausland zu verlagern, wenn etwa die Steuerpolitik der jeweiligen Regierung "profitschädigend" sein könnte, genügt sofort, einschlägige Pläne zu stornieren.

Genau das haben auch die mit der Sozialdemokratie traditionell verbundenen Gewerkschaften auch schon erfahren müssen. International operierende Konzerne blockieren die Installierung von Betriebsräten in ihrem Bereich zunehmend erfolgreich ab. Besonders deutlich zu erkennen ist dieser Trend in den diversen Supermarktketten.

Wir erleben somit einen weitgehenden Verlust der gesellschaftspolitischen Balance...

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Re: Europaweit bauen die Sozialdemokraten ab!

Der Grund, weshalb es nichts mehr zu verteilen gibt, ist ein anderer: Es wurde schon zu viel verteilt auf Pump und Kosten der Leistungsträger. Nun ist der Mittelstand kurz vorm Kollaps und mit den Schulden hat man auch den Plafond erreicht. Es gibt schlichtweg keine Nische mehr für neue Steuern und auch Steuererhöhungen würden dem Land massiv schaden.

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Re: Re: Europaweit bauen die Sozialdemokraten ab!

Warten Sie, eine kleine Hoffnung gibt es doch noch, die CO²-Steuer...

Antworten Gast: max mayer
27.09.2009 21:43
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Re: Europaweit bauen die Sozialdemokraten ab!

Es müsste sich halt auch die Gewerkschaft europäisieren, um globale Probleme "bekämpfen" zu können.

In Österreich wurde die Gewerkschaft auch erst erfolgreich, als sich die Teilorganisationen zusammensgeschlossen hatten, um gemeinsam zu kämpfen. Aber dafür sind die europäischen Gewerkschafter zu d*mm?

Antworten j.r.tm
27.09.2009 20:30
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Re: Europaweit bauen die Sozialdemokraten ab!

grad die supermarktketten sind ein denkbar schlechtes beispiel, weil da gibts nix, das man ins ausland verlagern kann.

Antworten Antworten freeman
28.09.2009 11:52
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Der geringe gewerkschaftliche Organisationsgrad dort

liegt eher daran, daß es sich um weitgehend unqualifizierte Jobs handelt - es lässt sich also keine Monopolisierung erreichen, weil buchstäblich jeder in die Bresche springen könnte.

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