Fortschritt für die Demokratie: So nannte der afghanische Präsident Hamid Karzai die gestern für 7. November festgesetzte Stichwahl. Sie war ja nach dem Bekanntwerden von Wahlfälschungen im großen Stil zugunsten von Karzai selbst notwendig geworden, und es hat wohl einiger Überredungskünste vonseiten der UNO und der USA bedurft, ehe Karzai den „Fortschritt für die Demokratie“ erkennen konnte.
Mit der Fälschung der Wahl im August hat Karzai den letzten Rest an Vertrauen, den er noch besessen hat, verspielt: Warum, so fragten sich die Regierungschefs in Washington, London, Paris oder Berlin, soll der Westen Blut und Dollars für ein korruptes Regime in Kabul opfern? Vor allem für Obama, der den Krieg in Afghanistan zum „good war“, zum „guten Krieg“ erklärt hatte, wurde Karzai mehr und mehr zum Mühlstein. Abdullah Abdullah, der Kandidat der Opposition, hat sich mit seinem Verhalten nach der Wahl hingegen empfohlen.
In Kenia führte Wahlfälschung 2007 zu Zusammenstößen zwischen den Anhängern der Opposition und der Polizei; Proteste im Iran nach den Präsidentenwahlen mündeten beinahe in eine Revolution. Abdullah Abdullahs Anhänger haben keine Steine geworfen, er selbst hat sich darauf beschränkt, Pressekonferenzen abzuhalten, via E-Mail die Journalisten und via Interviews die Öffentlichkeit auf dem Laufenden zu halten. Er hat eine faire Chance verdient.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2009)















