23.11.2009 01:17 | Meine Presse Merkliste0

Vom Lebens- und Todeshunger im Irak

BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Die verheerenden Terroranschläge vom Sonntag in Bagdad zeigen: Für fröhliche Partys am Tigris ist die Zeit noch nicht gekommen.

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Der Spiegel“ hat zuletzt von wilden, feuchtfröhlichen Partys am Tigris berichtet und einen feiernden Turkmenen aus Kirkuk zitiert: „Das ist Irak, aus diesem Land wird nie ein Gottesstaat.“ Es wird tatsächlich so sein, dass nach Jahren der Diktatur, des Krieges und des Terrors heute wieder „ein ungeheurer Lebenshunger“ die Masse der irakischen Bevölkerung ergriffen hat. Nur, ihr steht weiter eine entschlossene Minderheit gegenüber, deren ungeheurer Todeshunger noch nicht gestillt ist. Am Sonntag haben sich erneut zwei Todessüchtige aus ihren Reihen in Bagdad in die Luft gesprengt und über 150 Menschen mit in den Tod gerissen.

Die Sehnsucht der Iraker nach einem normalen Leben kontrastiert total mit dem Willen der Extremisten zu töten und zu zerstören. Zunehmend ungeduldig wird die Bevölkerung dabei mit ihrer politischen Elite, die es nicht schafft, für ausreichende Sicherheit in den Straßen der Städte zu sorgen. Die Politiker verwenden ihre Energien für kleinlichen politischen Hickhack, anstatt etwa den Kampf gegen die Korruption entschlossen zu führen, die sämtliche Bemühungen um verbesserte Sicherheit durchlöchert. So wird die Lage für Regierungschef Nuri al-Maliki immer brenzliger.

Ziemlich eindeutig waren die zwei Bomben vom Sonntag auch gegen die im Jänner vorgesehenen Wahlen gerichtet. Und es werden bis zum Wahltag am 16. Jänner wohl noch weitere hochgehen. Deshalb: Für heiße Partys in Bagdad ist es einfach noch zu früh.


burkhard.bischof@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2009)

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1 Kommentare
Gast: Lausbub
29.10.2009 13:56
0 0

Wenn das kein Beweis ist, wie sinnlos der Einsatz im Irak war!

Welcher Teufel hat wohl Bush jun. geritten, den Irak anzugreifen und zig-tausende Ziviltote dabei zu töten? Um dem Irak die westl. Demokratie beizubringen? Beruft sich nicht auch China auf ihre eigenen gesellschaftlichen Modelle und weigert sich, sich westl. Demokratie-Modelle aufzwingen zu lassen (die solche "Staatsmänner" wie Bush jun. hervorbringen)!

Oder sollte der "Teufel" etwa ein eng befreundete Staat und/oder die eigenen Öl-Interessen gewesen sein?

Es ist ja schon eine Binsenweisheit: eine Befriedung und Eindämmung des islamischen Extremismus wird es erst geben, wenn Israel einen gerechten Frieden mit den Palästinensern schließt und die Besetzung aufhebt. Nach 40 Jahren wäre es höchste Zeit. Denn man soll sich doch ncihts vormachen: das Vorgehen Israels bewegt die islamischen Volksmassen. Und um nach bewährten Muster einen Gewaltfrieden mit bedingungsloser Kapitulation herbeizuführen, müßte man noch viele 100 000 e Tote in Kauf nehmen und Billionen Dollar in Waffen investieren! Schließlich könnte man auch durch Hilfsprogramme die islamlischen Länder für sich gewinnen (ohne ihnen gleich eine wesensfremde westliche Demokratie aufzuzwingen)!

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