22.11.2009 04:45 | Meine Presse Merkliste0

Faymann markiert den starken Mann

MARTINA SALOMON (Die Presse)

Der Kanzler provoziert die ÖVP – und riskiert bewusst Donnerwolken in der Koalition.

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Der Mann scheint sich einen neuen Coach zugelegt zu haben: Werner Faymann, zu Beginn seiner Kanzlerschaft friedfertig wie ein Golden Retriever, kostet seinen (Pyrrhus-)Sieg über die ÖVP derzeit weidlich aus. Seit ihm die Genossen Applaus für die Verhinderung von Wilhelm Molterer (um den Preis eines deutlich leichtgewichtigeren Ressorts in der EU-Kommission) zollen, weiß er gar nicht mehr wohin mit seiner vielen Kraft. Die ÖVP „warnt“ er davor, Hahn nur als kleinsten gemeinsamen Nenner darzustellen (der er natürlich war), von möglichen Chancen Wolfgang Schüssels in Brüssel will er aber so was von gar nix gehört haben, und dem Nochwissenschaftsminister stellt er gönnerhaft in Aussicht, sich bei den Studentenprotesten notfalls einzuschalten. Hahn sollte das Angebot annehmen. Dann könnte Faymann ja vorschlagen, woher er Geld für die Unis nehmen will. Vielleicht durch ein Aus der Hacklerregelung? Weniger ÖBB-Subvention? Geringere AK-Umlage? Uni-Gebühren?

Molterer habe mit „Es reicht“ die Regierung gesprengt, rechtfertigt sich Faymann. Stimmt schon, aber erinnert sich noch jemand an die Handgranate, die Faymann und Gusenbauer davor in Form ihres Kniefallbriefs an den „Krone“-Herausgeber gezündet haben? In der Sicherheit, dass die ÖVP nicht so schnell wieder „Es reicht“ sagen kann, provoziert der Kanzler. Die ÖVP-Revanchefouls werden wohl nicht lange auf sich warten lassen. Genug gestritten? (Bericht: S. 3)


martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2009)

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5 Kommentare
Gast: Gast
02.11.2009 11:22
0 0

Faymann markiert den starken Mann

In den Disziplinen "Postenschacher" und "Sprücheklopfen", denn alles andere ist denen egal.

Gast: paulo
02.11.2009 11:11
0 0

Dieser Faymann ist

doch der letzte Heuler und Totengräber dieses Staates. Es reicht Herr Faymann, treten sie ab, aber schleunigst!!!

Gast: Rechner
02.11.2009 09:33
0 0

Peters priciple

Faymann hat "den Grad seiner Inkompetenz" erreicht.
Nach Peters principle wird ein gute Arbeiter zum Vorarbeiter, wenn er darin gut ist,zum Meister und wenn er das auch schafft zum Betribsleiter. Jetzt wienerisch weiter: "Des Ross' der'reit' er aber net!"
Er wird also so lang befördert, bis er das, was er nun tun müsste, nicht mehr durchschaut.
Er ist zum Zündler geworden, der das Wohl seiner Partei vor das Wohl des Staates stellt.

Gott schütze uns vor den Folgen!

3 0

Es war nicht der "neue Coach"

sondern es ist die sprichwörtliche und berüchtigte "SPÖ-Parteibasis" die nun gehörig Druck auf Faymann ausübt. Was da herauskommt: Schaden auf größter Ebene für Österreich: Auf EU-Ebene wird Porzellan zerschlagen wie es ärger nicht mehr geht. Gio Hahn soll plötzlich der "ideale Kommissar" aus Österreich sein anstatt kleinster gemeinsamer Nenner.

Es wäre einmal einen ausführlichen Presse-Artikel wert, den Lesern darzulegen, was man heute, Ende 2009 unter der sogenannten "SPÖ-Parteibasis" verstehen soll.

In den letzten Monaten und Jahren ist immer dann wenn diese sonderbare "Parteibasis" aktiv geworden ist, das Klima in der Koalition merkbar schlecht und aggressiv geworden. Die Parteibasis war sicher auch eine der Ursachen der Vorgänge im Sommer 2008 bei diesem angesprochen Brief an Hans Dichand (Kronenzeitung).

Es kommt immer wieder vor, dass SPÖ-Spitzenpolitiker auf EU-Ebene, und nationaler Ebene gute Vorschläge u. Politik machen, dass sie breiten Konsens für Gesamt-Österreichs Interessen suchen. Das geht dann solange bis die ominöse "SPÖ-Parteibasis" zum Rebellieren anfängt und vernünftige SP-Politiker an die Kandare nimmt.

Genau so ein Schauspiel wird gerade jetzt geboten.

Antworten Gast: Niederösterreicher
02.11.2009 00:25
0 0

Re:Stimme voll und ganz zu: "Es reicht" hat nicht nur Molterer gesagt:

das war die gängige Meinung in allen Medien. Auch der Großteil der Wähler hatte es satt, zuzusehen, wie sich die GroKo ständig sebst blockierte!

Und noch eines: ohne die NR-Wahlen wäre Gusi nicht abgesägt worden und hätte sich ein gestandener Gemeindepolitiker wie Faymann nie durch die Reihen wesentlich geeigneterer Bundespolitiker nach vor drängen und Bundeskanzler werden können!

Eigentlich sollte Faymann dem Molterer sogar dankbar sein.
Aber wo gibt es das schon in der Politik?

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