22.11.2009 07:43 | Meine Presse Merkliste0

Den Rahm schon abgeschöpft

KARL ETTINGER (Die Presse)

Die Beamtengehaltsrunde für 2010 beweist es: Gewerkschaftschef Neugebauer tut noch immer so, als würden (Voll-)Milch und Honig fließen.

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Zur nächsten Verhandlungsrunde über die Beamtengehälter wird am besten Ex-Landwirtschaftsminister Josef Pröll als Agrarexperte für den Fettgehalt von Milch geladen. Das bringt vielleicht größere Fortschritte. Fritz Neugebauer, dem Chef der Beamtengewerkwerkschaft, mundet jedenfalls gar nicht, dass Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek den öffentlich Bediensteten 2010 zu den Gehältern statt der Vollmilch nur Magermilch kredenzen will. Dabei redet die Vertreterin auf Regierungsseite überhaupt nicht davon, statt dieser Magermilch gar nichts mehr auf den Verhandlungstisch zu stellen.

Wenn Pröll aus Neugebauer – wegen des Versetzungsschutzes – schon keinen Milchbauern mehr macht, so könnte ihn der Finanzminister und ÖVP-Obmann zumindest aus der außerplanetarischen Beamtenwelt in die Realität der heimischen Arbeitswelt zurückholen. Das ist der Bereich, in dem im Gegensatz zu unkündbaren Beamten gerade Hunderttausende ihren Arbeitsplatz verlieren und noch mehr um diesen zittern müssen. Nur zur Erinnerung: Die Beamtengewerkschafter haben unter Mithilfe der Regierung ohnehin bei der Gehaltserhöhung für heuer mit plus 3,55 Prozent bereits ordentlich zugelangt. Und das alles in einer Zeit, in der die Welt ringsum schon mitten in der Wirtschaftskrise steckte. Da wurde der Rahm längst abgeschöpft. Bis zu Neugebauer und Co. hat sich aber nicht einmal bis jetzt durchgesprochen, dass die fetten Jahre endgültig vorbei sind. Alles vergossene Milch. (Bericht: S. 3)


karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)

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17 Kommentare
Gast: jk
03.11.2009 21:58
0 0

Wozu überhaupt Gehaltsverhandlungen?

Beamte genießen doch das Privileg der automatischen zweijährlichen Bezugserhöhungen (Biennalsprünge). Wozu bedarf es da noch zusätzlicher jährlicher Bezugserhöhungen?

Gast: dh
03.11.2009 17:44
1 0

Daten zur Entwicklung der Lohnsummen!

Nachdem die Ausgabenseite des öst. Staates, gemessen am BIP, ohnedies bereits deutlich über dem OECD Durchschnitt liegt, wäre ein Nulllohnrunde ein sinnvoller Schritt in die richtige Richtung.

Daher sollte die Devise lauten „Wasser statt Magermilch“ – wie z.Zt. bei dem Gros der mittelständischen Privatwirtschaft !

Gast: ET
03.11.2009 09:02
0 0

Daten zur Entwicklung der Lohnsummen!

Entsprechend den den Daten des BMF ist die Lohnsumme (aktives Personal) des Bundes alleine bis September 2009 um 5,2% gestiegen. Ist doch komisch bei einer Lohnerhöhung von nur 3,55%. und ohne zusätzlichen Personalaufbau.

Entsprechend den Daten des BMF zur Arbeitslosenversicherung sind diese Einnahmen um 4,8% gefallen.

Der Graben der Lohnsummen ging also, in nur 1 Jahr, um weitere 10% auf. Das kann sich nie ausgehen, immerhin kann sich der Staat nur durch mitpartizipieren am Einkommen der Priavtwirtschaft finanzieren.

Datenquelle:
www.bmf.gv.at/budget/akthh/2009/200909hauptueberblicke.htm


lb15
03.11.2009 11:08
0 0

Re: Daten zur Entwicklung der Lohnsummen!

Sehr gut. Noch eine Ergänzung: Es muss doch bei den sicheren Arbeitsplätzen der Beamten möglich sein, Entwicklungen in der Privatindustrie zu berücksichtigen. Steigerung der Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Lohnverzicht (oft auch zeitlich begrenzt) - das muss doch für Beamte auch gelten.

Es gibt einige Firmen, in denen ALLE Mitarbeiter ein Jahr lang auf einen Tageslohn verzichten. Das ist 5 %. Das wäre im Öffentlichen Dienst eine Jahreseinsparung von ca 550 Millionen. ein schöner Beitrag zur Krisenbewältigung.

Antworten Antworten Gast: Lausbub
03.11.2009 12:08
0 2

Re: Re: Wie lang sind gut bezahlte Privatangestellte meist arbeitslos?

Sie greifen einfach ein Detail heraus und kontruieren daraus eine Ungerechtigkeit! Faktum ist, daß die meisten Arbeitslosen nach kurzer Zeit wieder weitervermittelt werden können, und zwar zu höheren Gehälter als die Beamten. Auch ist die Wirtschaftskrise mit zahlreichen Arbeitslosen eher ein Ausnahmefall.

Würde man die Lebensverdienstsummen für Privatangestellte und jene der Beamten in vergleichsweisen Positionen heranziehen, dann würde das Schlagwort, dass die Beamten keine Arbeitslosigkeit "kennen" und deshalb finanzielle Opfer erbringen müssen, in sich zusammen fallen.

lb15
03.11.2009 18:49
1 0

Re: Re: Re: Wie lang sind gut bezahlte Privatangestellte meist arbeitslos?

Mein Bedauern ist Ihnen gewiß. Sie kennen offensichtlich genau die echte Gehaltsstruktur. Oder was. Die Wiedervermittlungsraten von Angestellten ab 45, selbst zu niedrigeren Gehältern sind erbärmlich. Aber das kratzt Sie in Ihrer sicheren Pfründe gar nicht.
Verbrauchen Sie weiter meine Steuergelder. Glück auf!

Gast: Gast 3
02.11.2009 23:03
0 0

Erinnerung

Lieber Herr Ettinger!
Vor nicht zu langer Zeit hat sich der Chefredakteur der PRESSE in einem Kommentar über einen bevorstehenden Streik der Drucker
empört und über die hohen Gehälter dieser Berufsgruppe (
ein erheblicher Teil über 100 000€
pro Jahr)beklagt!Machen Sie sich doch kundig, welcher Teil der Beamtenschaft hier mithalten kann-wahrscheinlich nicht einmal 1 Prozent!
Aber angesichts Ihrers Honorars, das durch die Presseförderung des Staates erheblich mitfinanziert wird, erscheinen Ihnen 100 000€ pro Jahr wahrscheinlich ohnehin nur als Klacks!

0 0

Die Drucker

Es ist richtig, dass durch den Umstand, dass leicht durch Streik erpressbare Großbetriebe auch für die Kleinen die Kollektivverträge abschließen, die Druckereibranche die kürzesten Arbeitszeiten und die höchsten Gehälter hat. 100.000 € pro Jahr erscheinen aber irreal, bestenfalls als Einzelfälle.

Aber das ist der "Preis" dafür: Wenigstens ein Drittel der Betriebe sind in den letzten Jahrzehnten geschlossen worden (Pleite oder keine Nachfolger) - und in der Branche gibt es die höchste Arbeitslosigkeit. Wer den Job verliert, hat praktisch keine Chance wieder Arbeit in diesem Metier zu finden.

Ka_Sandra
02.11.2009 21:57
2 0

Man kann nicht immer nur absahnen!

Nach den biblischen sieben fetten Jahren kamen die sieben mageren Jahre.

Die heilige Zahl sieben inspiriert mich: Vielleicht sollte man die Biennalsprünge durch Septennal-Sprünge ersetzen?

Seufz. War eh nur ein müder Scherz.


Gast: liss
02.11.2009 21:44
0 0

nur weiter so

Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er erbricht.

Gast: Lausbub
02.11.2009 21:41
0 0

S.g. Herr Redakteur! Bitte nicht immer auf die anderen zeigen!

Wenn auf der niciht gerade auf einem Spitzenplatz rangierenden UNI Wien das kostenlose Bummelstudium für ganz Europa od. die ganze Welt verlangt wird, was bekanntlich etliche zusätzliche EURO-Milliarden kosten würde, dann dürfen auch die Beamten, die das ganze Werk aufrecht erhalten, also etwas tun, auch ein bißchen mehr Geld verlangen!!!!

roger
02.11.2009 19:08
0 0

Nicht immer auf die anderen zeigen

Bei der Presseförderung, die österreichische Printmedien erhalten, würde Ihnen ein wenig "Magermilch" auch nicht schaden. Die fetten Jahre sind schließlich vorbei, wie Sie selber schreiben.

Gerald
03.11.2009 09:51
0 0

Re: Nicht immer auf die anderen zeigen

Der Presse-Chefredakteur hat schon mehrmals erklärt auf die Presse-Förderung zu verzichten, wenn im Ausgleich dafür das Zwangsmonopol der Bilanzveröffentlichung in der Wiener Zeitung fällt. Die Presseförderung ist nämlich der finanzielle Ausgleich für dieses Zwangsmonopol (Große AGs müssen ihren Jahresabschluss zwingend im Amtsblatt der Wiener Zeitung veröffentlichen und dafür zahlen!).

Antworten Gast: ET
03.11.2009 09:10
0 0

Re: Nicht immer auf die anderen zeigen

Gratulation!
anscheinend hat sich roger doch mit dem Thema der Finanzierung etwas beschäftigt.

Gast: paulo
02.11.2009 18:38
0 0

Wie wäre es,

wenn Sie Herr Ettinger und Ihre Kollegen doch einmal um die Hälfte billiger arbeiten. Denn dann könnte es vielleicht die Presse doch billiger geben und Sie werden doch nicht glauben, dass Sie Qualitätsarbeit liefern!

Antworten Gast: Amtsdirektor
03.11.2009 09:10
0 0

Re: Wie wäre es,

Es ist ja witzig, schreiben hier lauter "Kollegen"? Wenn ich mich bei mir im Amt umsehe, mit welcher Selbstverständlichkeit hier so getan wird, als ginge uns das Wirtschaftsleben "Draussen" nichts an, dann frage ich mich auch.... mit welcher Berechtigung hier Gehalts"erhöhungen" gefordert werden, die über den (ja kaum merkbaren) Inflationsausgleich hinausgehen sollten!

Antworten Gast: gast
03.11.2009 08:33
1 0

Re: Wie wäre es,

Soll das heißen, daß Sie für eine 50% ige Kürzung der Beamtenbezüge plädieren ?

Man sollte die Beamtenbezüge an die ASVG-Durchschnittseinkommen binden - mit einem an der Arbeitslosenzahl bemessenen Abschlag für den sicheren Arbeitsplatz ..

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