Zur nächsten Verhandlungsrunde über die Beamtengehälter wird am besten Ex-Landwirtschaftsminister Josef Pröll als Agrarexperte für den Fettgehalt von Milch geladen. Das bringt vielleicht größere Fortschritte. Fritz Neugebauer, dem Chef der Beamtengewerkwerkschaft, mundet jedenfalls gar nicht, dass Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek den öffentlich Bediensteten 2010 zu den Gehältern statt der Vollmilch nur Magermilch kredenzen will. Dabei redet die Vertreterin auf Regierungsseite überhaupt nicht davon, statt dieser Magermilch gar nichts mehr auf den Verhandlungstisch zu stellen.
Wenn Pröll aus Neugebauer – wegen des Versetzungsschutzes – schon keinen Milchbauern mehr macht, so könnte ihn der Finanzminister und ÖVP-Obmann zumindest aus der außerplanetarischen Beamtenwelt in die Realität der heimischen Arbeitswelt zurückholen. Das ist der Bereich, in dem im Gegensatz zu unkündbaren Beamten gerade Hunderttausende ihren Arbeitsplatz verlieren und noch mehr um diesen zittern müssen. Nur zur Erinnerung: Die Beamtengewerkschafter haben unter Mithilfe der Regierung ohnehin bei der Gehaltserhöhung für heuer mit plus 3,55 Prozent bereits ordentlich zugelangt. Und das alles in einer Zeit, in der die Welt ringsum schon mitten in der Wirtschaftskrise steckte. Da wurde der Rahm längst abgeschöpft. Bis zu Neugebauer und Co. hat sich aber nicht einmal bis jetzt durchgesprochen, dass die fetten Jahre endgültig vorbei sind. Alles vergossene Milch. (Bericht: S. 3)
karl.ettinger@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)

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