22.11.2009 02:57 | Meine Presse Merkliste0

Barack Obama und die Missgünstigen

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Der US-Präsident hatte ein passables Jahr seit seiner Wahl. Ohne grobe Fehler.

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Mit einem oberschlauen Vorwurf war Barack Obama schon konfrontiert, bevor er überhaupt als US-Präsident angelobt war: Er habe derart hohe Erwartungen geweckt, dass er sie nie und nimmer erfüllen könne. Natürlich hat sich diese zugleich banale wie missgünstige Form der Kritik bis zum ersten Jahrestag verdichtet. So what? Nur wenn sich Barack Obama gar keine Ziele gesteckt hätte, wäre niemand von ihm enttäuscht. Aber dann wäre auch seine Präsidentschaft sinnlos.

Obama kann zufrieden sein mit seinen ersten Monaten an der Macht. Sein größtes Plus: Er hat in der Rezession auf die richtigen Knöpfe gedrückt, die Konjunktur springt wieder an. Der Preis dafür ist eine Rekordverschuldung, die nicht nur der nächsten Generation, sondern schon Obama selbst bei der nächsten Wahl auf den Kopf fallen könnte. Innenpolitisch hat er immerhin die Gesundheitsreform in die Gänge, wenn auch nicht über die Bühne gebracht. Außenpolitisch hat er einen Stimmungswandel herbeigeführt. Dafür wurde er gelobt und mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wirklich gedankt hat es ihm aber bisher niemand, weder die Europäer noch die Israelis noch die Iraner oder die Afghanen. Obama hat noch keinen einzigen zählbaren außenpolitischen Erfolg erzielt.

Anders als sein Vorgänger hat er aber zumindest keine schweren Fehler begangen, und das ist ja auch nicht unwichtig. Um seine Ziele zu erreichen, hat Obama noch drei Jahre Zeit. Alle Erwartungen wird er aber auch dann nicht erfüllt haben. Wie könnte er auch?


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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5 Kommentare
Cicero
04.11.2009 17:49
0 0

Barack Obama und die Wirklichkeit, fernab von Redakteur Ultsch!

Die rauhe Wirklichkeit, Herr Ultsch, ist das gerade Gegenteil dessen, was Sie hier so wortreich loben.

Nichts von dem, was Obama versprochen hat, hat er auch nur annähernd umgesetzt.

Er versprach, Guantanamo binnen hundert Tagen zu schließen. Seine erste Maßnahme nach Amtsantritt war, die laufenden Militärgerichtsverfahren für 120 Tagen auszusetzen. Nach Ablauf dieser Frist wurden sie wieder aufgenommen, ohne daß man darüber etwas hören kann. Auch zum Schließen hört man nichts mehr, erst hieß es noch, 2010 wird es soweit sein. Die Europäer sollten Gefangene übernehmen, auch da absolut nichts!

Gesundheitsreform. Da hat Obama „nichts in die Gänge gebracht“. Daran ist schon Bill Clinton auf genau die gleiche Weise gescheitert, wie bisher Barack Obama. Aber bitte, Obama kann ja weiter hoffen, daß er durchkommt mit seinen sozialistischen Vorstellungen. Der kleine Mann Amerikas will das nicht!

Na, und keinen schweren Fehler gemacht? Sind Sie nicht auf dem laufenden, Herr Ultsch?

Ein geradezu historisch schwerer Fehler Obamas war es, öffentlich die Israelis zu desavouieren mit der Forderung nach totaler Einstellung des Siedlungsbaus. Jene Siedlungen, die schon im 19. Jh. existierten, müssen das Recht haben, ausgebaut zu werden. Das kann niemals eingestellt werden. Obama aber hat mit seinem unglückseligen Vorstoß die Palästinenser in die Bredouille gebracht, denn von denen kann keiner mehr herunter von der totalen Einstellung. Damit sind Friedensverhandlungen auf Jahre hinaus blockiert.

Gast: gepoppter
04.11.2009 08:44
1 0

Dem Kommentar des Herrn Ultsch kann man direkt

mit einem an seine Email-Adresse gerichteten Posting widersprechen. Dann landet sie in seiner Rundablage oder wie ich es für richtig erachte sie dem Forum mitzuteilen.
Daß Obama ein Phrasendrescher ist, der sich der fähigsten Spinndoktoren bedient hat, müßte eigentlich dem Herrn Ultsch auch aufgefallen sein.Jener hat für beinahe alle Probleme, die die Amis in den Abgrund ziehen, Hoffnungen auf Lösung geweckt. Und brav haben die zumeist einfältigen leichtgläubigen Journalisten in Begeisterungsrufen und - beiträge ihre Einfalt dokumentiert. Daß sich nichts, aber auch gar nichts ändert, denn nichteinmal die Änderungen, die jetzt global der Restwelt verklickert werden, sind Lösungen. Sie sind nur Gelaber. Eines ist aber gesichert. Die USA haben die Bush-Taktik durch die Obama-Taktik ersetzt. Die muß noch mehr die Interessen der USA berücksichtigen. Sie zu verkaufen sind Obama und seine Lakaien nun weltweit angetreten. Aber dem Herrn Ultsch mehr Bedeutung zuzumessen als ihm in der Causa Obama zukommt wäre vermessen. Er gibt halt sein Meinung wieder. Nicht mehr.

Antworten Gast: Eliad
04.11.2009 18:06
0 0

Re: Dem Kommentar des Herrn Ultsch kann man direkt

Besser ein Phrasendrescher a la Obama, als ein gefährlich Macher wie Bush.

0 0

Er gibt halt sein Meinung wieder. Nicht mehr.

so wie sie!

aber wenigstens argumentiert hr. ultsch.
und erspart sich eine auflistung von phrasen...

0 1

Naja,

dass er dem Vergleich mit seinem Vorgänger, der in der frontalen Gesichtsansicht (und auch noch dahinter) viel mit unseren nächsten Verwandten aus dem Tierreich gemeinsam hatte, standhalten wird, das durfte man sich ja erwarten.

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