22.11.2009 22:31 | Meine Presse Merkliste0

Abgeordnete und ihr Paralleluniversum

CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Im Parlament findet eine Sondersitzung statt – allerdings nicht zu aktuellen Fragen wie den Studentenprotesten. Es geht nur ums Prinzip.

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Auch wenn es den Blauen mit den Grünen allmählich zu bunt wird: Die eigenwillige Oppositionskoalition dauert länger als gedacht. Und so kommen wohl noch einige themenverfehlende Sondersitzungen auf uns zu. Sie sind der hilflose Ausdruck eines berechtigten Protests, weil sich die Regierungsparteien beharrlich weigern, ihre Minister vor den U-Ausschuss zu laden. Das ist nicht okay – von beiden Seiten nicht.

Die Regierungsparteien machen damit einen Untersuchungsausschuss zunichte, der sich schließlich nicht nur mit mehr oder weniger relevanten gegenseitigen Bespitzelungen der Opposition beschäftigt. Er geht auch der Frage nach, wer wann welche Immunität als Abgeordneter haben soll und wie die Justiz damit umging und umgehen soll. Das ist ein für alle Mal zu klären.

Die Oppositionsparteien machen freilich einen weit schwereren Fehler. Wer sich an diesem Donnerstag tatsächlich als Zuhörer ins Parlament verirrt oder den nach wie vor brav live übertragenden ORF aufdreht, wird sich wundern. Draußen demonstrieren, protestieren und blockieren die Studenten – und drinnen? Da ergeht man sich lieber in Selbstzerfleischung und pflegt die eigenen Befindlichkeiten, als sich den wahren (Sondersitzungs-)Themen zu widmen. Vielleicht sollte man Oppositionsarbeit doch wieder einmal etwas differenzierter und sogar sachpolitisch angehen.

(Bericht: Seite 3)


claudia.dannhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2009)

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2 Kommentare
Gast: Beobachter
04.11.2009 19:23
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Prozedere für Untersuchungsunterschüsse

Es wird in dieser Causa wieder einmal wirklich klar, dass im österreichischen Parlament die Spielregeln immer erst von Fall zu Fall geklärt werden müssten. Diese Situation entspricht ganz klar dem was wir kritischen Beobacher der Politszene immer wieder feststellen müssen. Um sich immer wieder Hintertürchen offen zu lassen sind zunächst alle damit einverstanden, dass es keine klare Regeln gibt. Im gegebenen Fall solche jedoch dann nützlich. Das Parlament der 2. Republik besteht nun doch schon einige Jahrzehnte, es gab auch mehrere Untersuchungsausschüsse, dass man daraus nicht lernen konnte, ist unverständlich. Es kommt damit immer wieder zu Situation in welchen sich die Handelnden vor dem Wähler blamieren, den Nutzen ziehen in der Regel die Parteien, die dem demokratiekritischen Teil der Bevölkerung ihre "Führungs"qualitäten am besten darstellen können.

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Wo bleiben die echten Prioritäten?

Über ihre eigenen Probleme mit sich selbst könnten die Parlamentsparteien vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt streiten; z.B. dann, wenn einmal alle wirklich relevanten Themen abgearbeitet sind und man nicht mehr weiß, was man sinnvollerweise noch tun soll! Und daß der ORF dann auch noch trotz minimalster Einschaltquoten den ganzen Schmarrn auch noch in die Wohnzimmer bringt, wird die bei uns grassierende Politik-Verdrossenheit wohl kaum mildern.

Dagegen brennt das Universitätsproblem unter den Nägeln. Keiner unserer sog. "Volksvertreter" weiß, wie es auf diesem Sektor weiter gehen soll. Der etatmäßig zuständige Minister packt gerade seine Koffer; auf ihn wartet eine "verantwortungsvolle" neue Aufgabe in Brüssel. Über einen Nachfolger für Hahn wird bestimmt nicht so schnell entschieden werden: Wer tut sich diesen Job schließlich gerade JETZT an? In der aktuellen Situation auf dem Audimax (und anderen Unis in Österreich) kann der oder die "Neue" nur auf der ganzen Linie verlieren. Und dann ist es bald aus mit seiner(ihrer) politischen Karriere...

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