Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hat im Parlament eine bemerkenswerte Aussage getroffen: Parteipolitisch motivierte Postenbesetzungen sind dann strafrechtlich nicht relevant, wenn der Politgünstling über die notwendigen Qualifikationen für den Job verfügt.
Das mag juristisch korrekt sein, im Sinne der politischen Hygiene ist es aber unerträglich, dass Derartiges folgenlos bleibt. Dabei geht das Thema weit über den Anlassfall hinaus: Es war ja schließlich nur ein Betriebsunfall, dass E-Mails des früheren Innenministers Ernst Strasser an die Öffentlichkeit gelangt sind, in denen fein säuberlich die Umfärbung des Polizeiapparates bis hinunter zum kleinen Postenkommandanten aufgelistet war. Strasser mag besonders rücksichtslos bei den Umfärbeaktionen vorgegangen sein. Doch niemand wird ernsthaft annehmen, dass andere Minister nicht ähnlich agieren oder agiert haben.
Eine gesetzliche Sanktionierung wäre zu überlegen – zumindest in jenen Fällen, in denen die Parteibuchwirtschaft offenkundig zutage tritt. Und auch die politische Verantwortung wäre einzufordern. Warum erspart die SPÖ dem früheren ÖVP-Innenminister Strasser eigentlich einen Auftritt im Untersuchungsausschuss samt unangenehmen Fragen? Das würde zumindest für die Zukunft ein gewisses Abschreckungspotenzial bewirken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

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