25.05.2012 17:31 | Meine Presse Merkliste 0

Wer hat Angst vor einer Statistik?

MARTINA SALOMON (Die Presse)

Staatssekretärin Marek ist mit ihrem Wunsch, Abtreibungsgründe zu erforschen, abgeblitzt.

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Warum fehlt im siebtreichsten Land der Welt so vielen Menschen der Mut, ein Kind zur Welt zu bringen? Wahrscheinlich wird jede dritte Schwangerschaft „unterbrochen“.

Aber stimmt diese Zahl überhaupt? Welche staatlichen Maßnahmen könnten helfen, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern? Steigt tatsächlich die Zahl blutjunger Mädchen, die abtreiben? Wissen diese vielleicht zu wenig über Verhütung? Was brauchten Paare, damit sie sich für das ungeborene Kind entscheiden können? Darauf wird es ganz sicher keine einfachen Antworten geben. Seltsam ist allerdings: Es will sie auch niemand wissen. Daher hat der Vorstoß von Familienstaatssekretärin Marek, eine Abtreibungsstatistik zu erstellen, kaum Chance auf Verwirklichung. Der zuständige SPÖ-Gesundheitsminister ist dagegen, Medien berichten kaum darüber. Abtreibung ist ein Tabu.

Dabei rüttelt in der Politik niemand an der Straffreiheit oder will Druck auf betroffene Frauen ausüben. Für sie sollte sich durch den Marek-Plan nichts ändern: Die (anonymisierten) Daten – Alter, Bundesland, Motiv – müssten nur von Ärzten, die schon jetzt (hoffentlich) ein Beratungsgespräch mit der Schwangeren führen, gemeldet werden.

Abtreibung ist kein harmloser Schritt, und viele Frauen bereuen ihn später. Sanktionen dafür sind abwegig. Aber die Politik sollte ergründen dürfen, was dazu führt – und, wenn möglich, Prävention und Hilfe anbieten.


martina.salomon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2009)

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6 Kommentare
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Vielleicht sollte man die Väter

genauso nach ihren Gründen befragen und sie sollten außerdem zu einem Beratungsgespräch müssen. Ist doch der häufigste Grund für Abtreibungen der, dass die Beziehung nicht klappt. Welche Frau möchte ein Kind ohne Vater aufziehen? Viele sind es nicht. Im Vordergrund steht doch die Liebe.
Durch die Fristenlösung kann sich der Mann viel leichter aus der Verantwortung stehlen. Er will es nicht und wenn sie klagt, wie sie es denn alleine aufziehen soll, kann er sagen, ja, das ist rein deine Entscheidung, du kannst ja abtreiben lassen. Damit kann er sich gänzlich aus dem Entscheidungsprozess ausklinken. Leidet sie später, so können die Männer wieder sagen, was willst du?, du hast es ja abtreiben lassen, es war deine Entscheidung oder im anderen Fall, das Kind geht mich nichts an, du allein hast dich dafür entschieden. Du hättest ja nicht müssen.
Vor der Fristenlösung war das nicht möglich. Da wurden Männer, wenn sie eine Frau mit einem Kind sitzen ließen, gesellschaftlich mehr geächtet.
Ein Kind hat aber immer noch Vater UND Mutter.
Aber einfach aufgrund der Tatsache, dass der "Bauch der Frau gehört", stellt sich ein Ungleichgewicht in der Verantwortung ein.

Natürlich ist das nicht der einzige Grund. Als zweit höchste Ursache würde ich schon die Karriere sehen. So meint man eben, jetzt noch nicht, ev. später, wenn ich mit der Ausbildung fertig bin etc. Aber eigentlich passt es dann nie.

textor
14.11.2009 06:48
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Der moderne Holocaust

sollte unbedingt statistisch erfaßt werden, damit es nicht hinterher Diskussion über die Anzahl der tatsächlich ermordeten Kinder gibt.
Aber vielleicht könnte ja eine Erforschung der Motive und Gründe helfen, das legalisierte Morden zu verringern.
Ich habe größtes Verständnis für Frauen die Opfer von Gewalttaten wurden, wenn sie diesen Weg beschreiten. Wo die Grenze zur Euthanasie bei der Abtreibung voraussichtlicher behinderter Kinder liegt ist schon weniger deutlich auszumachen.
Purer Mord ist es aber, wenn Menschen glauben, die Abtreibung sei ein legales Mittel der Empfängnisverhütung.

Gast: Reformer
13.11.2009 21:12
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Wenn schon, denn schon

Wichtiger als die Statistik wäre die ersatzlose Abschaffung der Fristenregelung. Warum dies "abwegig" wäre, bleibt Frau Salomons Geheimnis.

Gast: anonym
13.11.2009 20:27
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nein

Die Politik und Behoerden geht das einen s... an.

Antworten Gast: VivaLaVida
14.11.2009 14:51
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Re: nein

Wenn tausende Kinder im Mutterleib getötet werden, Österreich aber als extrem reiches Land eine extrem niedrige Geburtenrate mit all den negativen Auswirkungen hat, dann sollte die Gesellschaft schon wissen, wieviele Abtreibungen vorgenommen werden und was die Beweggründe für dieses strafgesetzlich verbotene Delikt (es gilt ja nur Straffreiheit - verboten ist es natürlich weiter!) sind

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richtig!

sonst interessieren sich doch die Statistiker für jeden noch so abstrusen S.... (z.B. die durchschnittl. Penislänge errigiert + schlaff!! echt kein Witz!!), daher sollten sie sich doch auch für die Fristenregelung interessieren.
Warum tun sie das nicht?

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