Warum fehlt im siebtreichsten Land der Welt so vielen Menschen der Mut, ein Kind zur Welt zu bringen? Wahrscheinlich wird jede dritte Schwangerschaft „unterbrochen“.
Aber stimmt diese Zahl überhaupt? Welche staatlichen Maßnahmen könnten helfen, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern? Steigt tatsächlich die Zahl blutjunger Mädchen, die abtreiben? Wissen diese vielleicht zu wenig über Verhütung? Was brauchten Paare, damit sie sich für das ungeborene Kind entscheiden können? Darauf wird es ganz sicher keine einfachen Antworten geben. Seltsam ist allerdings: Es will sie auch niemand wissen. Daher hat der Vorstoß von Familienstaatssekretärin Marek, eine Abtreibungsstatistik zu erstellen, kaum Chance auf Verwirklichung. Der zuständige SPÖ-Gesundheitsminister ist dagegen, Medien berichten kaum darüber. Abtreibung ist ein Tabu.
Dabei rüttelt in der Politik niemand an der Straffreiheit oder will Druck auf betroffene Frauen ausüben. Für sie sollte sich durch den Marek-Plan nichts ändern: Die (anonymisierten) Daten – Alter, Bundesland, Motiv – müssten nur von Ärzten, die schon jetzt (hoffentlich) ein Beratungsgespräch mit der Schwangeren führen, gemeldet werden.
Abtreibung ist kein harmloser Schritt, und viele Frauen bereuen ihn später. Sanktionen dafür sind abwegig. Aber die Politik sollte ergründen dürfen, was dazu führt – und, wenn möglich, Prävention und Hilfe anbieten.
martina.salomon@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2009)















