09.02.2010 21:21 | Meine Presse Merkliste0

Ein seltsames Paar für Europa

REGINA PÖLL (Die Presse)

Dass die EU-Länder zwei „No-Names" in die Topjobs hieven, dient - wieder einmal - nur ihnen. Dabei hätte sich Europa Superstars verdient.

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Nichts gegen die Personen Catherine Ashton und Herman van Rompuy: Als EU-Handelskommissarin und als belgischer Premier mögen sie gute Arbeit leisten, das attestieren ihnen sogar Kritiker. Doch dass die EU-Länder ausgerechnet die weithin unbekannte Britin Ashton zur neuen „EU-Außenministerin", also zum neuen Gesicht der EU in der Welt macht, ist mehr als seltsam. „Wer ist das", fragte Ex-EU-Kommissionschef Romano Prodi. Man kann sich nur ausmalen, wie erstaunt die Machthaber in Washington oder Peking über die Besetzung sind. Diesen Konterpart - eine Britin, die noch kein klares EU-Profil erkennen hat lassen - brauchen sie wohl nicht zu fürchten.

Auch der neue Ratspräsident van Rompuy ist nicht für seine Schlagkraft, sondern für seine Konsensfähigkeit bekannt. In seinem Land hat er diese genützt, um Flamen und Wallonen zusammenzuhalten. In der EU müsste er als erster „Präsident" den Ländern aber sagen, wo's langgeht. Doch mit ihm haben sich diese wohl ganz bewusst einen neuen Chef gesucht, der immer und überall Kompromisse sucht. Scharfe EU-Konturen wird er auf diesem Weg nicht zeichnen, die Integrationsfortschritte in der EU werden gering bleiben.

Die Postenbesetzung beim EU-Gipfel ist klar ein Erfolg für die Länder, nicht für ein stärkeres Europa. Dazu hätte es echter „Superstars" bedurft - wie Tony Blair oder Jean-Claude Juncker, die auch international etwas gelten. Dem neuen „seltsamen Paar von Europa" ist zu wünschen, dass es trotzdem aus dem Schatten der Regierungen treten wird können.


regina.poell@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2009)

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7 Kommentare
Ka_Sandra
20.11.2009 19:27
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Signal der Schwäche

Wie man an Obamas außenpolitischen Misserfolgen sieht, wird Konsensbereitschaft eher als Zeichen der Schwäche ausgelegt und z.T. schamlos ausgenutzt.

Zwei freundliche und sicher tüchtige, aber außenpolitisch ziemlich unerfahrene Menschen werden in die weltpolitische Arena geschickt.

Ob dies dem Stellenwert Europas sehr zuträglich ist, wage ich zu bezweifeln. Mal sehen, wie sich die beiden Leichtgewichte bewähren, wenn z.B. Putin wieder den Gashahn zudreht.

Insofern finde ich die Bedenken von Regina Pöll absolut berechtigt.

Gast: werner
20.11.2009 11:36
0 0

So viel zu:

Schüssel, Gusenbauer & Windows Vienna.

Merker
20.11.2009 11:28
2 0

Gebt ihnen eine Chance

Auf der einen Seite stellt man fest, dass die Neuen nicht sehr bekannt sind. Auf der anderen Seite wissen die k&k Journalistinnen schon jetzt, dass sie bestimmt nicht erfolgreich sein werden. Welch eine Anmaßung! Tüchtige Frauen, und deren gibt es genug, sind in der Regel keine Pin-up-Girls. Und wenn sie es sind, so sind sie auf dem Niveau der gescheiterten amerikanischen Vizepräsidentschafts-Kandidatin. Warum nimmt man an, dass ein kompromissbereiter Politiker nicht erfolgreich sein kann? Also: gebt ihnen die berühmten 100 Tage zur Bewährung. Und seid froh, dass man auch eine Frau in einen Spithenjob gewählt hat!

Antworten Gast: bergmann
20.11.2009 12:38
2 0

Re: Gebt ihnen eine Chance

Danke - genau so sehe ich die Situation auch! Wie kann man die Kompetenz von jemandem beurteilen, den man zugegebenermaßen nicht kennt? Heidi Klum wäre bekannter und hübscher - aber ob sie eine bessere Außenministerin für die EU wäre? Und Flamen und Wallonen zu einem Konsens zu bringen, ist eine Leistung, die Nichtkenner der belgischen Verhältnisse kaum abschätzen können.

ernestus
20.11.2009 11:12
0 0

Amerika

Das Amerika-freundliche England hat sich durchgesetzt. Wie da Europa gegen den ständigen amerikanischen Druck bestehen können soll, weiß nur der Liebe Gott.

Läßt sich nun Europa - unter Hilfe der neuen Mrs GASP - von Amerika, wie dies schon mit England geschah, in einen neuen Krieg mit konstruiertem casus belli hineinziehen?

Ich sehe die dunklen Wolken am Horizont!

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Schlagkräftige Superstars


Tony Blairs Schlagkraft ist angesichts seines kulturell wie wirtschaftlich in den Seilen hängenden Heimatlandes unbestritten. Die Briten würden ihn kommendes Jahr gewiss wieder zum Premier machen.

Was Juncker anbelangt, so ist er auf einem anderen Gebiet ein Superstar, - jenem der Ehrlichkeit, die Analyse des Mindsets der Eurokraten betreffend: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

Wenn Sie, Frau Pöll, schreiben: "Diesen Konterpart - eine Britin, die noch kein klares EU-Profil erkennen hat lassen - brauchen sie wohl nicht zu fürchten." - so drängen sich mehrere Fragen auf:

1. Ist die Fertigkeit des Furchteinflössens tatsächlich eine nötige Tugend eines Vertreters?
2. Müssen wir uns fürchten, wenn sich Vertreter anderer Länder vor unserem Vertreter nicht fürchten?
3. Was sagt das Denken in Kategorien wie Furcht, Superiorität, 'starker Hand' und 'zeigen wo's langgeht' über diejenigen aus, die sich derer bedienen?

Dummerweise haben die Wimps keine Furcht vor den Früchten ihrer Furcht. *Das* sollte uns Angst einjagen!

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Die EU ist wie unser Fußballnationalteam!

Auf den Rängen (in den Mitgliedsländern) erhoffen sich die Menschen kleine Wunder, aber die Protagonisten (EU-Politiker, Kicker) sprngen ganz einfach nicht an und kommen wohl nie mehr in die Gänge!

Und warum, bitte schön, sollen das etwa "gute Nachrichten sein", wenn (eh nur angeblich) 66% der dazu Befragten (wer wurde da eigentlich interviewt; vor allem aber: VON WEM?), noch immer an eine "Vision" glauben, welche die die sog. "Volksvertreter" schon längst parteipolitischen Erbsenzählereien geopfert haben?

Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist ja auch dies: Mangels vozeigbarer, sinnstiftender Leistungen müssen sich die einschlägigen Lohnschreiber in Konjunktiven verbreiten, was die EU alles tun "sollte, könnte und müßte", um endlich jene Versprechungen einzulösen, derentwegen sie seinerzeit ebenfalls 66% unserer Bürger zum EU-Beitritt bewegen konnte.

SO jedenfalls wird Europa auch weiterhin zwischen den "wirklich Großen" dieser Welt zerrieben. Und auf die Dauer immer mehr!

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