25.05.2012 17:37 | Meine Presse Merkliste 0

Aufstehen gegen Amerika

NORBERT RIEF (Die Presse)

Brüssel gibt den USA im Streit um den Zugriff auf Bankdaten nach. Kein Wunder, wenn man die EU in Washington nicht ernst nimmt.

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Man ist also wieder in die Knie gegangen. Diesmal beim Zugriff auf die Banküberweisungsdaten, den man den USA jetzt gewährt. Der Druck aus Washington sei einfach zu groß gewesen, heißt es.

Es geht nicht darum, Terrorfahndern den Zugriff grundsätzlich nicht zu erlauben. Wahrscheinlich findet man über Geldflüsse mittlerweile mehr Kriminelle als bei Lauschangriffen. Es geht einerseits um die Modalitäten, die den USA weitgehend freie Hand geben.

Es geht aber andererseits vor allem darum, dass Europa erneut kein Rückgrat gezeigt hat. Wie bei der Abnahme von Fingerabdrücken bei der US-Einreise, über die man sich verbal furchtbar erregte – und das war's dann. Oder bei der jetzt geplanten Einführung einer Zehn-Dollar-Einreisegebühr: Zwar droht man in Brüssel als Gegenmaßnahme mit der Einführung einer Visumpflicht für US-Amerikaner, aber man kann schon jetzt Wetten abschließen, dass es nie dazu kommen wird.

Bei den Swift-Daten hätte Europa jedes Recht gehabt, sich einen Zugriff politisch teuer abkaufen zu lassen: Denn die USA haben diese Daten bereits seit den Anschlägen vom 11.September unter dem Deckmäntelchen der Nationalen Sicherheit illegal ohne Wissen der Europäer durchsucht. Ein solches Verhalten verlangt geradezu eine Retourkutsche.

In Washington reagiert man nur auf eine Politik der Stärke. Will Europa ernst genommen werden, dann muss es sich behaupten. Und dazu gehört, irgendwann einmal Nein zu sagen.


norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2009)

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6 Kommentare
Gast: Leser
01.12.2009 13:28
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wo bleiben da eigentlich die Medien?

überascht hat mich ja weniger, dass unsere Politiker (nicht "die EU" sondern die eigenen wohlgemerkt - konkret die Innenministerin - sollte man sich übrigens bis zur nächsten Wahl merken!) wieder mal eingegangen sind, sondern dass auch alle Medien (ORF, Zeitungen etc) alles nur ganz klein (im Wirtschaftsteil etc.) beruchten. Das ist wirklich bedenklich und zeigt, was das alles dahintersteht!!

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"Bei den Swift-Daten hätte Europa jedes Recht gehabt, sich einen Zugriff politisch teuer abkaufen zu lassen .."


Was hätten wir denn im Gegenzug für die Erwerbbarkeit aller europäischen Zahlungsdaten auf dem Schwarzmarkt einfordern sollen?

Angesichts der evidenten vorherrschenden Redlichkeit im Umgang mit heiklen Informationen (siehe u.a. Lichtenstein, gestohlene Bankdaten, deutsche Finanz) kann man sich die heldenhafte Gegenwehr der europäischen Unterhändler bei diesem Abkommen garnicht bunt genug ausmalen. Auch der Umstand, dass in Deutschland nun Schäuble den Finanzminister stellt, der bereits als Innenmister aufzeigte, wie sehr ihm Datenschutz und Bürgerrechte am Herzen liegen, möge ins Sittenbild einfliessen.

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
25.11.2009 23:57
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raus aus der eu!

wenn mal ein zahlerland aussteigt, gibt¿s vielleicht einen dominoeffekt und die paar brauchbaren staaten können etwas neues, besseres aufziehen. so wie¿s jetzt ist, kann es nicht gehen - und die defizite sind zu gravierend als dass sich da noch was draus machen lassen könnte.

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Re: raus aus der eu!

wäre ö nicht in der eu und die ami-administration würde denselben wunsch nach überlassung von überweisungsdaten an uns richten:
wetten, dass wir innerhalb von nullkommanix diesem 'wunsch' (eigentlich: erpressung) entsprächen?

allerdings: für die amis wäre es etwas umständlicher und zeitraubender, viele einzelstaaten an die kandare zu nehmen. das resultat wäre aber dasselbe!

amber104
25.11.2009 21:45
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Freibrief zur Wirtschaftsspionage

Dieses Abkommen wird noch gewaltig viele Arbeitsplätze in Europa kosten, den dieses Abkommen bedeutet nichts anderes als einen Freibrief für Wirtschaftsspionage. Unsere Politiker haben von der Tragweite dieser Entscheidung keine Ahnung, und verraten so die Interessen ihrer Wähler aufs Gröbste.

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Die USA haben ihren Agenten in der EU,...

der stellt jetzt sogar die Aussenministerin. Und da erwarten wir uns eine harte/starke Linie gegen die USA? Ich war immer ein Befürworter, vielleicht sogar Fan der EU, der Hoffnung, dass die unzweifelhaft vorhandenen Mängel im Laufe der Zeit beseitigt werden. Zusammenraufen. Verstandesmäßig! Nur langsam kommen mir Zweifel, dass die EU sich in die richtige Richtung bewegt, bewegen wird. Schade, dass in einem Vergrößerungs-/Erweiterungswahn à la Verheugen Grundsätzliches übersehen wurde. Vor allem auch einmal ein Nein zu sagen. Die "Laus" GB sitzt der EU (schon der damaligen EWG) im Pelz, beißt immer dann, wenn - auch überseeische - angelsächsische Interessen bedroht sind. Was soll da ein Mediator als Präsident?

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