25.05.2012 17:39 | Meine Presse Merkliste 0

Wie man erfolgreich Ängste schürt

HELMAR DUMBS (Die Presse)

Mit dem Schweizer Minarettverbot wird ohne Not der religiöse Friede gestört.

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Das ging ja gerade noch einmal gut: Dieben wird auch künftig nicht auf dem Züricher Limmatplatz die Hand abgeschlagen, und vor der Berner Zytglogge werden auch keine Steinigungen stattfinden. Angesichts der teils aggressiven Kampagne, mit der die Befürworter eines Minarettverbots das Terrain für die Volksabstimmung am Sonntag aufbereitet hatten, konnte ja fast befürchtet werden, dass der Schweiz dies oder Ähnliches tatsächlich droht.

Freilich ging gar nichts gut, denn mit dem Minarettverbot haben die Bürger ihrem Land einen Bärendienst erwiesen. Die rund 4,5 Prozent Muslime, viele aus Exjugoslawien, gelten als meist gut integriert, über Probleme wird wenig berichtet. Ohne Not wurde also der religiöse Friede massiv gestört. Im Übrigen: Ein auch religiös neutraler Staat wie die Schweiz hat sich bei solchen Fragen eben neutral zu verhalten. Wie sehr der unerwartete Ausgang der Abstimmung die Regierung verunsichert hat, lässt sich an dem wohl beruhigend gemeinten Satz ablesen, dass die vier bestehenden Minarette nicht abgebaut werden müssen.

Das knallharte Kalkül der Initiatoren ist aufgegangen: Mit ihrer Kampagne schürten sie die Ängste vor einem militanten islamischen Fundamentalismus, der zwar an manchen Orten der Welt ein Problem ist, aber sicher sicherlich nicht in Appenzell. Und dass ein Minarettverbot im Zweifelsfall Fundamentalismus eindämmen könnte, glauben die Befürworter hoffentlich selbst nicht. (Seite 1)


helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2009)

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80 Kommentare
 
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Gast: Susanne
04.12.2009 08:58
0 1

Und jedes mal das gleiche lied...

Es ist schon erstaunlich, dass jedes Mal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dieses Argument von einem Zeitgenossen mit vermutlich nur begrenztem geistigen Horizont gebracht wird: Wenn ich dort eine Kirche bauen will, steinigen sie mich.

Nun (und das richtet sich vorwiegend an den Leserbrief von Herrn Gerhard Grois) - man könnte dagegen einwenden, dass damit Europa bzw. Österreich auf eine Ebene mit "dritte Welt Ländern" gestellt wird. Warum dürfen Fremde bei uns frei leben und sogar beten? Weil wir eben kein solches Land sind, und weil eben das einen erheblichen Teil unseres "Nationalstolzes" ausmacht. Daher mein Tipp an Menschen wie Herrn Grois: Wenn Ihnen Österreich zu tolerant ist, können Sie ja die Initiative ergreifen und in ein Land ziehen, in welchem Ihnen dieses Ärgernis sicherlich nicht begegnen wird. Gute Reise auch!

Ängste - wovor?

Mit dem Schweizer Minarettverbot wird ohne Not der religiöse Friede gestört, gibt Helmar Dumbs in der Presse vom 30. 11. zu. Mit dem EU-Verbot von Kreuzen in Schulklassen wurde der religiöse Friede hingegen nicht gestört. Jedenfalls gab es da nicht die geringsten Befürchtungen. Das ist doch nichts anderes als das Einbekenntnis, dass sich Christen bekanntermaßen alles gefallen lassen, während man bei Moslems gewalttätige Reaktionen erwartet. Und das alles wird als höchst normal und selbstverständlich hingestellt.
Die Schweizer Bürger haben offenbar mehrheitlich das Zitat Erdogans bei einer türkischen Wahlkampfveranstaltung noch nicht vergessen:
„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten."
Die Schweiz ist eine Demokratie – und will es auch bleiben!

Antworten poldionkel
01.12.2009 14:21
1 0

Re: Ängste - wovor?

wunderbar und treffend kommentiert, aber dies dürfte bei einigen bezahlten schreiberlingen trotzdem nicht auf fruchtbaren boden fallen, leidergottes

Re: Ängste - wovor?

Gratulation, das ist der beste Kommentar, den ich bislang gelesen habe!

Gast: kpax
30.11.2009 18:12
1 0

auf englisch

würd ich sagen der artikel ist dumb(s)

Gast: Geheimrat
30.11.2009 17:33
2 0

Seien wir doch froh,

daß wir in unserer höchstentwickelten (direkten) Demokratie wenigstens über die Hausmeister abstimmen dürfen.

Unser (Ein-)Bürgermeisterlein machts möglich! Glück auf!


Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
30.11.2009 18:27
3 0

Genau das ist der Unterschied zwischen der Schweiz und Österreich!

Bei uns bestimmen die Häupl und Prölls das Wohlbefinden des Volkes, in der Schweiz entscheidet noch immer das Volk.

4 0

Nützliche Idioten

(Direkte) Demokratie ist also nur dann gut, wenn das Stimmvieh politisch korrekt (links) abstimmt? Sonst nicht!

Gast: Realist
30.11.2009 16:03
7 0

Zynismus unangebracht

Ich kann mich den zahlreichen Kommentaren von "europäerin", Hr. Stifter, "volpe", etc. nur anschließen.
Offensichtlich wurde durch diese Volksbefragung eine wichtiger Umstand ans öffentliche Licht getragen: nämlich das die Bevölkerung sich nicht durch andauerne Toleranz- und Verharmlosungsfloskeln aus Politik und Medienwelt einlullen läßt.

So ist die "schleichende" Islamisierung durchaus ein Faktor, der die Menschen beunruhigt - weniger der angesprochene militante Fundamentalismus (der dort und da wohl dennoch dahinter steht).
Da die Berichterstattung hier sehr einseitig ist, war das Referendum ein Ventil, dass die Menschen nutzten, um auf Unzufriedenheiten hinzuweisen. Der nächste Schritt darf jetzt seitens der Volksvertretung und auch seitens der Medien nicht sein, 57% der Bevölkerung als "fehlgeleitet" anzusehen, sondern ernsthafte Ursachenfoschung zu betreiben.

Denn in Wahrheit würde eine derartige Befragung in anderen europäischen Ländern das gleiche Ergebnis bringen.

Der Islam ist gegenüber dem Christentum bei weitem nicht so harmoniebedürftig, wie manche europäische Politiker dem Islam gegenüber. Beispiele dazu finden sich auch in der Presse
http://diepresse.com/home/panorama/religion/435337/index.do
" target="_blank">http://diepresse.com/home/panorama/religion/435337/index.do

oder auf http://www.csi.or.at" target="_blank">www.csi.or.at

Gast: Kleingeist
30.11.2009 14:58
8 0

Was in mir umgeht

raucht der werte Redakteur so ein starkes Zeug, dass er nicht weiß, was er da zusammen schreibt oder handelt es sich um einen Fall gleichgeschalteter Presse?

Gast: anna_marya
30.11.2009 13:45
0 0

verschiedene aussichten

als Auslandschweizerin bekomme ich jedes Jahr ein Kalendar geschenkt aus der Schweiz mit typischen Bergaussichten usw, die Beschuetzung bestimmten Panoramas ist fuer die Seele des Auslandbewohners wichtig, ich finde es nicht undemokratisch gegen die totale Veraenderung der Landschaft zu waehlen, Minaretten stoeren weniger hier (in England) inmitten der Staedte obwohl es gibt keine Bestimmung ueber solche Baubewillingungen

12 0

Gerade von der Presse...

...hätte ich mir einen etwas differenzierteren Blick auf die Problematik erwartet. Würde beim Volk der Eindruck bestehen, dass Muslime gut integriert sind, wäre so eine Abstimmung wohl gar nicht notwendig gewesen.
Ich fände es auch richtig, wenn ich ruhigen Gewissens sagen könnte: Minarette? Warum nicht! Jeder soll seinen Glauben leben wie er will! Aber gerade in diesem Fall kann ich es nicht weil ich den Eindruck nicht los werde, dass von uns laufend Toleranz gefordert wird und den Muslimen alles durchgeht. Ich finde es soll auch gefordert werden dürfen, dass sich diese Bevölkerungsgruppe integriert und unsere heimischen Kultur so selbstverständlich achtet und respektiert, wie das von uns im Bezug auf den Islam immer gefordert wird.

Gast: europäerin
30.11.2009 12:42
10 0

Bitte liebe Presse!

Es sollte zumindest ein Artikel veröffentlicht werden der aus einem anderen Blickwinkel betrachtet (also nicht aus dem political-correcten).

Es gibt genügend Gründe die für ein Bauverbot von Minaretten angeführt werden könnten. Zum Beispiel auch der manchen banal erscheinende Grund bez. Ortsbildcharakter. Niemand darf bauen wie und was er will (und gar dreimal täglich -lautsprecherverstärkt- in die Gegend rufen). Nur bei bestimmten Leuten machen wir wieder Ausnahmen ? Das wird wohl kaum zur besseren Integration beitragen.
Auch wenn man noch so oft behauptet, dass Muslime bestens integriert seien, wird die Behauptung nicht wahrer.

Die Schweizer haben von einem demokratischen Mittel Gebrauch gemacht. Das Ergebnis der Abstimmung war für eine Minderheit "unerwartet" oder besser gesagt "nicht wunschgemäß", allen voran den political-correcten Politikern und Medienleuten die anscheinend noch immer nicht an öffentlichen Meinungen interessiert sind und sie auch respektieren, sondern nur die im Gegensatz stehenden political-correcten veröffentlichen.


11 0

Entwicklung des Islam in Europa

Herr Dumbs meint, dass der Islam in Appenzell kein Problem, und die Aktion gegen Minarette "ohne Not" sei. Hingegen sollte nicht übersehen werden, dass bereits jetzt, obwohl der Anteil der islamischen Gruppen in den meisten europäischen Ländern noch relativ klein ist, von diesen die Forderung auf Einführung der Scharia, des islamischen Rechtssystems, erhoben wird. Die Scharia ist aber grundsätzlich mit der modernen Rechtsauffassung europäischer Länder unverträglich, weil sie den Modernisierungsprozess, welcher hier in den letzten Jahrhunderten vollzogen wurde, nicht mitgemacht hat. Naturgemäß ist sie daher auch das Haupthindernis für eine Integration der islamischen Migranten und ihrer Nachkommen in Europa.
Nachdem infolge der hohen Fertilitätsrate der islamischen Bevölkerungsteile Europa innerhalb der nächste 30-50 Jahre mehrheitlich islamisch sein wird, ist es sehr wohl angebracht, unsere traditionellen Werte bereits heute vorsorglich zu verteidigen.

Antworten widder
30.11.2009 13:32
6 0

Re: Entwicklung des Islam in Europa

Der nächste Schritt müsste das Verbot von bestimmten Suren aus dem Koran sein, die eindeutig gegen die Verfassung verstoßen. Dann können sie sich auch nicht auf die Religionsfreiheit berufen.

Merker
30.11.2009 11:37
6 0

Wenn es so einfach wäre....

Wenn es so einfach wäre, dass nur die braven integrierten Muslime aus ihrem schwerverdienten Lohn Moscheen errichten, dann würde man nicht so skeptisch sein. Man weiß aber auch, dass die (noch) reichen arabischen Staaten Gelder zur Verfügung stellen um den Islam im Westen sichtbar zu machen. Eben durch die stachelartigen Minarette. Was sagt eigentlich unsere Bauordnung dazu? Kann man einfach die Städte je nach Belieben behübschen? Ein Gebetshaus ohne Minarett und Muezzin aus dem Lautsprecher genügt doch sicher auch um seinen Glauben auszuübern.

Gast: volpe
30.11.2009 11:25
9 0

ja, ja

interessant, dass in steigendem ausmaß die (viertelgebildeten) journalisten meinen, die herren über ethische und moralische wahrheit zu sein.
sie versuchen damit ganz gezielt demokratische rechte zu unterlaufen und den demokratischen gedanken zu pervertieren.
bravo dem journalismus des 21. jahrhunderts: wie heißt es so schön: anything goes, aber damit hat man nicht nur dessen erdenker missinterpretiert, sondern versucht zu vertuschen, dass ein journalist auch nur eine meinung hat. es ist nun eben nicht so, dass der, der den schnabel am weitesten aufreisst auch automatisch recht hat.

Gast: mig29
30.11.2009 11:14
6 0

Danke Ghaddafi

Man sollte bei der Analyse des Schweizer Abstimmungsverhaltens nicht außer Acht lassen, dass die Eidgenossen damit auch ihrer Volksvertretung einen Rüffel verpaßt haben. Erinnern wir uns an die unerträgliche Behandlung Schweizer Staatsbürger durch den lybischen Staatschef Ghadaffi. Dieser vertritt eine islamische Despotie. Die Schweizer Regierung verhielt sich in dieser Affäre höchst ungeschickt, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Ich bin mir sicher die SVP hat sich bei Herrn Ghadaffi für einiges an Mehrprozentpunkten schon bedankt.

Gast: Geheimrat
30.11.2009 11:08
7 0

Religiöser Friede??????????????????

Habe ich da etwas nicht mitbekommen?

Aber da war doch was!

NY 9/11, Madrid, London???? Ein bissl tolerant muß man schon sein, schließlich waren das ja vor allem islamische Frömmigkeitsübungen und die Religionsfreiheit ist uns ja heilig.

Gast: Gehirnforscher
30.11.2009 11:07
9 0

Hut ab vor der Schweiz

Den Politikern stösst es sauer auf, wenn Volksabstimmungen durchgeführt werden. Da lebt es sich schon bedeutlich besser, wenn Beschlüsse gefasst werden wie im Falle Borroso, von Gott direkt auserwählt, denn das Volk war da nie gefragt oder gar die EU Aussenministerin oder ihrem belgischer Chef, beide in einem geheimen Hinterzimmer von den geheimen Wahlmännern geheim ausersehen oder gar die Sanktionen, die ohne jede rechtliche Grundlage per Telefon von den Franzosen und Leuten wie Schröder und Joschka beschlossen wurden.
Hut ab vor der Schweiz, dem einzig wirklich demokratischen Land Europas, das die Bürger wählen lässt, statt diese demokratische Errungenschaft irgendwelchen Proxymenschen zu überlassen.

Gast: user
30.11.2009 10:58
0 14

So nicht

Die Schweitz ist sehr weit von der Demokratie entfernt wie einige Arabische Staaten von Europa. Über grundrechte eine Abstimmung zu Starten ist Antidemokratisch. Religionsfreiheit nur für Christen in der Schweitz.
Schweitz in der EU NEIN DANKE!

Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
30.11.2009 15:15
2 0

Re: So SICHER nicht!!

In der Schweiz(!) wird Demokratie noch gelebt und die heißt immer noch, die Meinung der Mehrheit bestimmt die Gesetze!!!

Auch eine eigene Meinung zu haben und vor allem äußern zu dürfen, ist ein Menschenrecht, nicht das stumpfsinnige Nachkauen der jeweils vorgegebenen political correctness. Wenn auch schon AI gegen ein demokratisches Abstimmungsergebnis auftritt, muß man schon die Frage stellen, wo sind wir eigentlich schon angekommen? Ist die Sharia schon geheime Realverfassung Europas???

819


Antworten Antworten Druven
30.11.2009 20:04
0 0

Re: Re: So SICHER nicht!!

eine moderne gelebte demokratie bedeutet eben nicht die diktatur der mehrheit sondern auch das anerkennen der rechte von minderheiten!!!!!!
etwas das leider noch nicht zu 20%-minderheiten wie
"nur ich bin's, der sagt was DIE österrecherinnen und österreicher denken"-strache und seinen fanatikerkameraden durchgedrungen ist!
mfg vom aufstand der anständigen

Antworten Antworten Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
30.11.2009 20:18
0 0

Re: Re: Re: So SICHER nicht!!

Was soll das heißen? Sie wollen also bestimmen, wer in der Demokratie eine gültige Stimme hat und wer nicht!

Bei allfälligen Volksabstimmungen dürfen daher nur mehr geeichte Genossen mitbestimmen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Druven
30.11.2009 21:00
0 0

Re: Re: Re: Re: So SICHER nicht!!

Genau das bedeutet es nämlich nicht!
dass nämlich nicht 51 % der bevölkerung den 49% anderen ihren willen aufzwängen können.
in einem modernen rechtstaat wie das wir sind und auch die schweiz, hat nämlich auch ein einzelner die möglichkeit hat sein recht einzufordern, notfalls auch wenn's gegen 99% der bevölkerung nicht in den kram passt.
und genau unter diesen umständen ist eine volksabstimmung darüber nicht die qualifizierte form um recht zu sprechen, es sei denn sie stellen jeden muslim auf der welt unter generalverdacht!

ps das in anführungszeichen ist ein zitat, dass vom herrn strache nämlich ständig bemüht wird. vielleicht in zukunft die (totalitäre) rhetorik des "messias" besser beachten.
20% sind nämlich bei weitem noch nicht die österreicher und österreicherinnen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
01.12.2009 15:22
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: So SICHER nicht!!

Sie haben die Demokratie noch immer nicht verstanden, oder wollen es einfach nicht!

Wenn sich ein Einzelner gegen alle anderen "sein Recht" erzwingt, so heißt diese Staatsform Diktatur und nicht Demokratie, Sie Grünling!!!!

 
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