Kommentar

Atomkrieg der Worte

Um Nordkoreas Diktator zu beeindrucken, hat sich der US-Präsident einen neuen Kniff einfallen lassen. Er zieht nun genauso blumig-martialisch vom Leder wie Kim Jong-un.

Nordkorea werde auf Feuer und Zorn treffen, wenn es seine Drohungen fortsetze, erklärte Donald Trump in seinem Golfklub, auf eine Macht, wie sie die Welt noch nicht gesehen habe.

Für einen Moment muss der Machthaber in Pjöngjang geglaubt haben, sein Echo zu hören. Doch eingeschüchtert zeigte er sich nicht. Ein paar Stunden später kündigte Kim an, Pläne für einen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam sorgfältig prüfen zu lassen.

Dieser Wettlauf des Wahnwitzes kann schnell im Abgrund enden. Dann nämlich, wenn einer der beiden Maulhelden glaubt, dass der andere nur blufft – oder tatsächlich zu einem Präventivschlag ausholt. Machterhalt ist das oberste Prinzip der Kim-Dynastie. Deshalb wird Kim keinen Krieg vom Zaun brechen, der sein sicheres Ende bedeutet. Doch er wird auch unter keinen Umständen seine Lebensversicherung aufgeben: das Atomwaffenprogramm, das sein Clan unbeirrt von Sanktionen seit Jahrzehnten vorantreibt.

In dieser Krise kann es nur eine Strategie geben: abwarten, abschrecken und auf einen Zerfall des stalinistischen Regimes hoffen. Trumps Dr.-Seltsam-Taktik, sich ähnlich unberechenbar wie Kim zu geben, könnte sich indes als Rezept für die Apokalypse erweisen.

christian.ultsch@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2017)

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