Glosse

Leitkulturministerium

Schön, dass sich auch die FPÖ langsam in den Wahlkampf einbringt. Auf das Wirtschaftsprogramm der Blauen wartet man ja schon lange.

Allein, der erste Beitrag ging dann doch in eine andere, völlig unerwartete Richtung – immerhin begibt sich die für ihre vielfältigen thematischen Interessen bekannte Partei auf ein vertrautes Terrain: Ein „Ministerium für Heimatschutz und Leitkultur“ will FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl installieren – um „Österreichs Kultur, Lebensart und Werte“ zu verteidigen.

Als Erstes könnte sich der Leitkulturminister ja einem Nikolauskindergartenbesuchsverpflichtungsgesetz widmen oder Initiativen wie die Schulkantinenschweinefleischpflichtverordnung zur Abstimmung bringen. Nicht zu vergessen die Einführung der Händeschüttelpflicht oder den obligatorischen Ausschank von Alkohol in allen Gastronomiebetrieben.

Damit kein Missverständnis entsteht – das Vermitteln humanistischer Werte, wie sie in westlichen Gesellschaften gelebt werden sollten, ist wichtig. Doch die bisherigen Debatten über die sogenannte Leitkultur glänzten vor allem durch populistisches Kratzen an Oberflächen. Und dafür ein eigenes Ministerium?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2017)

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