12.02.2012 00:31 | Meine Presse Merkliste0

Diplomatie für Grobschlächtige

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Der Regierung in Jerusalem fällt es schwer, Israels Anliegen mit Klugheit zu vertreten.

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Wo sind die Zeiten der großen israelischen Diplomatie? Die Zeiten, in denen Abba Eban als erster Botschafter seines Landes bei der UNO und späterer Außenminister die Anliegen Israels mit außergewöhnlichen Fremdsprachenkenntnissen und brillanter Rhetorik vertrat? Die Zeiten, in denen einstige Hardliner wie Menachem Begin und Jitzhak Rabin eingesehen haben, dass es auf dem Weg zum Frieden auch schmerzhafter Kompromisse bedarf?

Mittlerweile scheint es mit dem diplomatischen Geschick der politisch Verantwortlichen in Israel nicht mehr sehr weit her zu sein. Erst brillierte Vizeaußenminister Daniel Ayalon mit dem besonders kindischen Einfall, dem türkischen Botschafter Handschlag, Wasser und eine angemessen hohe Sitzgelegenheit zu verweigern – und erzählte das alles auch noch brühwarm Journalisten.

Nun versetzte man dem Vizepräsidenten des wichtigsten Verbündeten, der USA, einen Schlag mitten ins Gesicht: Just als Joe Biden in Israel für neue Friedensbemühungen warb, wurde der Bau von 1600 neuen Wohnungen in Ostjerusalem bekannt gegeben. Ein „peinliches Versehen“, dass diese Entscheidung gerade während Bidens Besuch publik geworden sei, beteuert man nun in Israel. Das Timing ist wahrlich ein besonderes „Kunststück“. Aber selbst bei besserem Timing: Der Bau neuer Wohnungen in Ostjerusalem hat mit verantwortungsvoller oder gar brillanter Diplomatie gar nichts zu tun.


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2010)

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11 Kommentare
Cicero
11.03.2010 14:49
0 0

Ausgesprochen gekonnt!

Das kann man auch ganz anders sehen! Es ist müßig über „diplomatische Usancen“ zu reden, wenn die Israelis von der neuen US-Administration „diplomatisch beleidigt“ werden. Dann schlagen die Israelis eben zurück und das ausgesprochen gekonnt.

Barack Obama ist der erste US-Präsident, der es nicht der Mühe wert findet, in Israel anzutreten.

Es war Barack Obama, der über die Köpfe der Israelis – nicht einmal vorweg informiert hat er sie – in seiner Rede in Kairo, also vor den Gegnern Israels, einen totalen Siedlungsstopp verordnet hat.

Als Barack Obama erkannte, was er damit anrichtete, kam Hillary Clinton und log vor sich hin, es hätte niemals eine Forderung nach totalem Siedlungsstopp gegeben.

Weil Barack Obama mit seinem unklugen Vorgehen den Friedensprozeß im Nahen Osten auf Jahre hinaus – genau so lang, bis es einen neuen Präsidenten in Washington geben wird – blockiert hat, kommen die USA jetzt auf die Idee der „indirekten Verhandlungen“.

Und weil Barack Obama nach diesen seinen Pleiten nicht selbst in Jerusalem antreten kann, schickt er den rangmäßig zweiten Mann.

Die Israelis sagen nun, so nicht mit uns, genehmigen Wohnbauten in Ost-Jerusalem – siehe unten – und es passiert ihnen „das Versehen“, das genau zum Besuch des zweiten Mannes auch zu verkünden.

Ehud Barack hat in Camp David Yasser Arafat Ost-Jerusalem angeboten. Arafat lehnte ab, er muß ganz Jerusalem haben. Jetzt stellen die Israelis in Ost-Jerusalem endgültige Verhältnisse her.

Ausgesprochen gekonnt.

Antworten Gast: lausbub
12.03.2010 02:17
0 0

Re: Ausgesprochen gekonnt!

Bin überzeugt, daß der Palästinenser-Konflikt erst dann gelöst sein wird, wenn der letzte Palästinenser aus dem Westjordanland sich in Zentraleuropa angesiedelt haben wird ...

Antworten Antworten Cicero
12.03.2010 07:47
0 0

Was Barack Obama alles falsch macht

Völlig falsch, was Sie da sagen. Die Flüchtlingsströme aus dem ehemaligen Jugoslawien sind mit Milosevic zu Ende gegangen. Jetzt herrschen nur mehr die Flüchtlingsströme aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Afrika. Aus Palästina kam bislang kaum einer. Warum soll sich das plötzlich ändern?

Die Hamas erklärt offen ihr Ziel, die Juden zu vernichten. Mahmoud Abbas ist zu schwach, dem entgegenzuwirken. Zudem ist seine Fatah in erheblichem Ausmaß korrupt. Wie schon Yasser Arafat so auch die Hamas, sie hält das eigene Volk in Not und Elend, um den „Krieg“ gegen Israel zu rechtfertigen. Die Palästinenser könnten alles Geld der Welt haben, wenn sie nur wollten und versuchten, einen eigenen Staat aufzubauen.

Und da kommt Barack Obama und meint, wenn er den Gegnern Israel in Kairo das Wort redet, dann werden die Israelis aufjubeln „Yes, we can“. Fataler Irrtum, der nur zu erklären ist, Barack Obama hat keine Ahnung, worum es wirklich geht. Daß Barack Obama auch in anderen Punkten keine Ahnung hat, wie es geht, zeigt z.B. Guantanamo oder sein Traum von Gesundheitsreform, bei der er genau so scheitert, wie seinerzeit Hillary, im Auftrag von Bill Clinton.

Mit seiner Forderung „totaler“ Siedlungsstopp hat Barack Obama der Hamas den gewünschten Vorwand geliefert, weiter Verhandlungen abzulehnen. Das Fatale ist, keiner der Palästinenser, auch Mahmoud Abbas nicht, kann von dieser Forderung herunter, wohl wissend, daß Israel sie niemals erfüllen kann.

Das hat Barack Obama „total“ verkorkst.

Antworten Antworten Antworten Gast: Lausbub
15.03.2010 00:44
0 1

Re: Lb. Cicero, vom Selbstbestimmungsrecht der Völker halten Sie wohl nicht viel?

Es ist doch allgemein bekannt, daß insgesondere die Kolonialmacht Großbritannien nach dem 1.WK. ein Doppelspiel getrieben hat und zwei Völkern das historische Palästina versprochen hat: einerseits den seit 1500 Jahren dort angesiedelten Arabern und andererseits den Juden, die damals nur ca. 5 %-ige religöse Minderheit bildeten, sowie den Zionisten, die nach dem Konzept des Presse-Redakteurs Th. Herzl im Land neu ansiedeln wollten. Der große Zustrom der Juden erfolgte unbestrittenermaßen beim großen Exedus unter dem Eindruck der europ. Judenverfolgungen. Aufgabe wäre es für die Großmächte bzw. die UNO jetzt gewesen, diesen Zuzug von rd. 1 od. 2 Mill. europäischer Juden auf eine der Bevölkerungsmehrheit verträgliche Weise zu organisieren. Herausgekommen ist ein jahrzehntelanges gegenseitiges Abschlachten, wobei die Israelis jetzt die besseren Karten besitzen, weil sie in den USA über eine mächtige Lobby verfügen und von der US-Staatsführung als "unsinkbarer Flugzeugträger" bei Wahrung ihrer Interessen in diesen erdölreichen Regionen betrachtet werden.
Ein Schulbeispiel für die US-Politik haben wir erst jetzt wieder beim Besuch des US-Vizepräs. Biden in Israel erlebt. Von Selbstbestimmung für die paläst. Araber ist nach wie vor weit und breit keine Spur zu sehen, obwohl sie seit längerem "Ruhe geben"!. Die sollen sich halt mit "homelands" begnügen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Cicero
15.03.2010 20:21
0 0

In Wahrheit haben die Palästinenser, besonders Yasser Arafat noch jede Friedensinitiative Israels fintenreich zurückgewiesen, zuletzt in Camp David mit der Forderung nach ganz Jerusalem

Lausbub, es ist geradezu erschreckend! Wo nehmen Sie all die Unwahrheiten her, mit denen Sie versuchen, nicht nur die Juden, sondern jetzt auch noch die Briten herunterzumachen. Und das einhergehend mit der absolut unzutreffenden Behauptung, ich sei gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker.

Völliger Unsinn die ewige Behauptung, die Amerikaner wären im Nahen Osten nur hinter dem Öl her und Israel sei ein hiefür vorteilhafter „unsinkbarer Flugzeugträger“. An keinem der Nahostkriege der Amerikaner waren oder sind die Israelis beteiligt, im Gegenteil, im ersten Golfkrieg waren sie die Angegriffenen und haben auf Wunsch der Amerikaner stillgehalten. Die Amerikaner wiederum haben nicht einen Tropfen Öl aus dem Irak weggetragen. Trotz des Krieges blieben die Schürfrechte, vorwiegend der Franzosen völlig unbehelligt. Also völliger Unsinn auf ganzer Länge.

Die Briten haben zum Ende des Ersten Weltkrieges niemand das ganze Palästina versprochen. In der Balfour-Deklaration wurden den Juden nur eine Heimstatt in Palästina zugesagt. Den Arabern war überhaupt nichts zuzusagen, die waren ja schon da. Die Briten haben daher keine widersprüchlichen Zusagen gemacht.

Ebenso völliger Unsinn, es seien nur 5 % Juden in Palästina gewesen. 1922 gab es 670.000 Araber und 84.000 Juden in der Region, also mehr als 11 %.

Seit dem UNO-Beschluß 1948 haben die Palästinenser das Selbstbestimmungsrecht, sie weigern sich nur es auszuüben, weil sie die Juden vernichten wollen, was ihnen aber nicht gelingt.

galli leo
11.03.2010 12:02
1 3

dieses land befindet sich seit generationen in einem kriegszustand.

sowas hat natürlich auswirkungen auf die psyche:
wenn es möglich ist, praktisch ohne sanktionen leute zu erschießen und niederzubomben bzw sie als menschen zweiter klasse zu behandeln, dann macht man sich auch um diplomatische usancen, um die reaktionen in anderen (auch befreundeten) staaten keine gedanken mehr sondern lässt (verbal) die sau raus...

NeroRosso
11.03.2010 10:45
1 0

Ja so war's, ja so war's

immer schon.

Auch unter den Israelis gibt es Gut- und Schlechtmenschen. Letztere verstanden und verstehen es aus dem Leid der Gutmenschen noch immer Kapital zu schlagen.

Gast: Lausbub
11.03.2010 01:41
1 0

Warum bloß sollte die israelische Regierung auf die Empfindlichkeiten anderer Völker Rücksicht nehmen,

wo sie doch gewohnt ist, ihre Interessen mit US-Hilfe stets 1:1 umzusetzen??

Ohne Machtwort wird Israel die im 6-Tage-Krieg eroberten palästinensischen Gebiete nie freigeben, höchsten ein paar "homelands" mit beschränkter Autonomie. Wir kenne ja diese Politik aus dem früheren Südafrika!

diogenes
11.03.2010 00:11
1 0

CHUZPE

erübrigt jede weitere Diskussion!

0 1

das Problem ist einfach

zündest Du für dei P. ein Licht an, fackeln sie dich damit ab!

Antworten galli leo
11.03.2010 12:05
1 0

Re: das Problem ist einfach

was aber noch zu beweisen wäre!

denn bisher wurde für die palis nicht mal eine 15 watt funzel aufgedreht!

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