23.02.2012 11:26 | Meine Presse Merkliste 0

Wehret den Anfängen!

OLIVER PINK (Die Presse)

Der Cordon sanitaire endet meist dort, wo er die eigenen Interessen berührt. So pragmatisch sehen das auch unsere Sozialdemokraten.

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Die berechtigte kritische Haltung zur FPÖ und zu Barbara Rosenkranz artet langsam in Hysterie aus: Die FPÖ-Kandidatin wird im Wahlkampf mit Wurfgeschossen attackiert. Und im EU-Parlament schlägt Hans-Peter Martin die Hacken zusammen und hebt die rechte Hand zum „deutschen Gruß“ (© Andreas Mölzer) wenn er des FPÖ-Mandatars ansichtig wird.

Auch das wohl eine Folge der aktuellen Übermoralisierung. In der Realpolitik endet der Cordon sanitaire jedoch meist dort, wo er die eigenen Interessen berührt. Ein anschauliches Beispiel lieferte soeben die SPÖ in Niederösterreich. Zuerst ging sie in Traismauer eine Koalition mit der FPÖ ein und wählte einen Mann zum Vizebürgermeister, der dann zurücktreten musste, da er sich zuvor im Umfeld der rechtsextremen NVP bewegt hatte. Und nun wurde in Bad Deutsch-Altenburg Ernest Windholz in einer Halbzeitlösung von der SPÖ zum Bürgermeister gekürt. Windholz, heute für das BZÖ im Nationalrat, ist nicht nur ein beliebter Mann – er bekam mit Abstand die meisten Vorzugsstimmen in seiner Gemeinde –, sondern ist im Jahr 2000 als Chef der Niederösterreich-FPÖ auch mit dem (SS-)Sager „Unsere Ehre heißt Treue“ ungut aufgefallen. Nun könnte man einwenden, das sei lange her und Windholz wusste nicht, was er tat. Nur: Wie lange wurde Jörg Haider dessen „Beschäftigungspolitik“-Sager vorgehalten? Wobei: Mit dem hat die SPÖ in Kärnten dann ja auch koaliert.


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2010)

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7 Kommentare
Gast: pars
24.04.2010 04:51
0 0

pro toto?

Was kann "die" SPÖ dafür, wenn ein paar rote Gemeinderäte ihre Grundsätze über Bord werfen?

Arethas
22.04.2010 16:21
0 0

Ein seriöser Herr

"Hans- Peter Martin publizierte 1986 als Redakteur des „Spiegel“ ein gekauftes Telegramm, das die Verwicklung von Kurt Waldheim in die Deportation von Zivilisten im Zweiten Weltkrieg beweisen sollte. Auch dieses Dokument stellte sich als Fälschung heraus."

http://www.vol.at/news/tp:vol:kampusch/artikel/grosser-poker-um-nataschas-gesicht/cn/news-20060903-09121929

Tom93
22.04.2010 10:38
1 4

"übermoralisierung"

jetzt wissen wir woran unser gemeinwesen wirklich krankt! diese ewige moral, im land der nicht ermittelnden, akten "vergessenden" staatsanwälte, der grasssers, der no-na-part-of-the-deal"scheuchs, ist wirklich schön langsam nervtötend. auch dass die überwältigende mehrheit die latente nazi-apologetik der fpö nicht goutiert, ist dem anti-moralischen oli ein dorn im auge. denn dieser lästige antifa-kram versaut doch dem "bürrrrgerichen" im pink wahrscheinlich den genuß, rosenkranz mit einem guten ergebnis abschneiden zu sehen, gegen den wahren feind im land, den sozialismus, in der unwahrscheinlichen gestalt eines heinz fischer.

ES REICHT! ruft uns pink zu, und entlarvt die gesamte spö mal wieder als heuchler, weil die mächtigen organisationen von traismauer und bad-deutsch-altenburg , das tun, was uns die presse seit jahren als segensreich anpreist: sie kooperieren mit fpö bzw. bzö. und? sind sie jetzt für, oder gegen den "cordon sanitaire", herr pink? wenn sie dagegen sind, dann ist IHRE haltung nämlich heuchlerisch...

Antworten Arethas
22.04.2010 16:27
0 0

Re:

Vertrau Pink, vergiss die roten Flecken!
1971 wurde Heinz Fischer Nationalratsabgeordneter der SPÖ, im Kabinett Kreisky I saßen damals vier echte Nazis als Minister.
So sehr ich mich bemühte, ich habe nichts gefunden, was darauf hindeutet dass "Feuermauer" Fischer dagegen scharf oder überhaupt protestiert hätte.

Wann immer es ihr passte, hat die SPÖ mit der FPÖ zusammengearbeitet, auf Bundes-, Landes- oder Gemeindeebene.

Gast: mexx
21.04.2010 23:03
1 0

Endet dort, wo eigene Interesse mit diesen kollidieren.

Absolut richtig, daraus zu folgern wäre, dass viele Unterstellungen, Anschuldigungen, Diffamierungen oft nur Mittel zum Zweck sind. Der Zweck heiligt alle Mittel, zumindest auf der "linken Seite."

Antworten galli leo
22.04.2010 08:09
0 0

"...zumindest auf der "linken Seite.""

das würde im umkehrschluss aber bedeuten, dass nichtlinke-kreise ihre unterstellungen, anschuldigungen und diffamierungen ernst meinen?
also nicht als mittel zum zweck, sondern all das nur aus ihrer staatsmännischen verantwortung heraus von sich geben...


Antworten Antworten Arethas
22.04.2010 16:20
0 0

Re:

Der Unterschied ist, dass nicht-linke Vorhaltungen in der Regel eben keine Unterstellungen, sondern durchwegs belegbare Aussagen sind.
Während von links eben nur hysterisches, moralinsaures Gezeter kommt. Oder wie in der "Waldheimkampagne" sogar gefälschte Beweise.

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