Irgendwie wirkte der deutsche Sanitätsoffizier fast gelangweilt, als er der „Presse“ das hochmoderne Feldlazarett im Bundeswehrcamp in Kunduz zeigte. Damals, im Jänner 2004, stand es völlig leer, der Offizier hatte – zum Glück – keine Patienten. Heute ist das Gebiet um die nordafghanische Stadt Kunduz längst keine relativ friedliche Oase inmitten des Kriegsschauplatzes Afghanistan mehr. Die Zeiten von „Warmbad Kunduz“, wie Deutschlands Verbündete die Region süffisant nannten, sind vorbei.
Mittlerweile haben die Taliban in ganz Afghanistan an Boden gewonnen und zeigen, dass sie auch nach fast zehn Jahren Krieg keineswegs bereit sind aufzugeben. Mit diesem Problem ist nun der neue Oberkommandierende in Afghanistan, US-General David Petraeus, konfrontiert. Dass es dabei nicht nur um ein „Taliban-Problem“ geht, macht die ganze Angelegenheit kompliziert.
Die internationalen Truppen in Afghanistan kämpfen nicht nur gegen die Milizionäre des harten Taliban-Kerns. Sie sind auch mit lokalen Aufständen gegen die Regierung von Präsident Hamid Karzai konfrontiert – und mit Bewaffneten, die sich für den Tod ihrer Angehörigen bei Nato-Militäraktionen rächen wollen.
Es braucht daher politische Lösungen, um dem Untergrundkampf den Wind aus den Segeln zu nehmen. Andernfalls wird sich Petraeus schwer damit tun, die Lage militärisch zu stabilisieren. Ob die völlige Zerschlagung des harten Kerns der Taliban gelingt, ist ohnehin ungewiss. (Bericht: Seite 3)
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2010)















