25.05.2012 18:00 | Meine Presse Merkliste 0

Letzte Möglichkeiten

KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Graz leidet seit Jahren unter einer Feinstaubbelastung – und an Politikern, denen der Mut für Maßnahmen fehlt.

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Der aktuelle Spätsommereinbruch gibt Graz Zeit, unbeschwert durchzuatmen. Die „Feinstaubampel“, die auf der stadteigenen Homepage plakativ über die aktuellen Luftgütewerte informiert, blinkt in entspanntem Orange („Werte im Toleranzbereich“), verbunden nur mit der Empfehlung, dennoch auf das eigene Auto zu verzichten. Dem morgen- und abendlichen Stau nach folgt dem Tipp naturgemäß niemand. Und daran wird sich vorerst auch nichts ändern.

Denn der mühsam durch sämtliche Schikanen zwischen Stadt und Land bugsierte Pakt zwischen SPÖ, ÖVP und Grünen, mit Dezember 2011 in Graz Umweltzonen einzurichten, wurde vom neuen Umweltlandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ) schon auf der ersten Beschleunigungsgeraden ausgebremst. Umweltzonen, so stellte er unlängst im Landtag klar, sind für ihn nur die „letzte Möglichkeit“ – also keine Option. Überrascht sein durfte man nicht. Die FPÖ hatte schon im Wahlkampf Unterschriften gegen das Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge gesammelt.

Die Autofahrerklubs auf den Rängen jubeln jedenfalls begeistert. Hinter dem Rücken applaudiert auch die Wirtschaftskammer (nach außen übt man sich in der Pose des Erlösungsapostels und kündigt ein umfassendes Gesamtkonzept als Alternative an). ÖVP und SPÖ überspielen ihre eigene Konzeptlosigkeit mit Schweigen, die Grünen warnen vor EU-Strafen in Millionenhöhe und einer verkürzten Lebenserwartung durch die Schadstoffpartikel. Die Feinstaubampel wird noch viele „letzte Möglichkeiten“ bekommen, rot zu blinken.

 

klaus.hoefler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2010)

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12 Kommentare
Gast: *
16.11.2010 08:41
1 1

Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

dass die Feinstaubbelastung in Graz primär durch den Hausbrand verursacht wird.

Autos fahren ja zu allen Jahreszeiten gleich viele, die Feinstaubbelastung steigt und fällt jedoch mit den Temperaturen.

Politiker und Journalisten, die so einfache Zusammenhänge nicht erkennen, halte ich unterqualifiziert. Sie täten besser daran, als Nachtportier zu arbeiten statt sich durch schwachsinnige Statements und Artikel zu blamieren.

Antworten Gast: Hausbrand ist ein bischen zu allgemein.
16.11.2010 14:04
0 0

Re: Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

Es sind in erster Linie die alten Kohlenöfen. Als zweites dann Holzöfen mit ungeregelter Verbrennung, also auch hier alte Öfen aber auch die ach so schicken Schwedenöfen.Gas- Öl- und moderne Holzheizungen sind eigentlich kein Problem.

Nicht vernachlässigen sollte man auch Baumschinen. Die werden oft ziemlich alt, gerade bei kleineren Firmen und sind dann miese Stinker.

Antworten Gast: Q-Tip
16.11.2010 09:39
1 0

Re: Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

Sie sind zu streng mit dem armen Schreiberling. Der Mann ist Fundi-Radfahrer - siehe http://graz.radln.net/cms/beitrag/11110221/50580502/
Worüber sollte der denn sonst schreiben, in Graz ist nicht viel los? Die Feinstaubhysterie hat doch für manche auch ihre guten Seiten. Dass es erst kürzlich eine saftige Rüge des Rechnungshofs für die völlig ineffizienten ILG-100 Beschränkungen gab, lässt der gute Mann gerne unerwähnt.
Grotesk ist nur, dass im so hoch belasteten Graz der Streusplitt frühestens zu Ostern weggeräumnt wird und Hackschnitzel-Heizungen als Bio-Öko-wertvoll gelten, im Gegensatz zum pösen Erdgas.
Und grüne Kiffer machen die Leute panisch mit Lebenserwartungswerten, die ja alle auf sehr geduldigem Papier berechnet wurden.

Antworten Gast: Desinfoterminator
16.11.2010 09:18
1 0

Re: Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

Sehr richtig, auch durch die von den Grünossen in Wien geplanten hetzerischen Maßnahmen gegen Autofahrer würde der CO2-Ausstoß vor allem aus fossilen Brennstoffen in Wahrheit gesteigert.

Etwa die hälfe des Jahres müssen Wohnungen beheizt werden. Nun gibt es in Wien viele die aus den Speckgürtel rund um Wien aus einem Umkreis von 30 km einpendeln. Im Durchschnitt sind es vielleicht 50 km die die 200.000 Pendler täglich zurücklegen.

Die schuldigen sind die Pendler nicht, die SPÖ ist natürlich schuld - der Kaiser verstand es herzeigbare Prachtstraßen errichten zu lassen, von denen Wien via Tourismus noch heute lebt.

Der Grund für den Stau sind sicher nicht jene, die die Grünossen jetzt bekämpfen, sondern die linke Verkehrspolitik, wo z. B. Parksheriffs auf Autofahrer in Parkraumnot gehetzt werden statt Bauarbeiter anzustellen, die günstige Garagenplätze z. B. im Zuge von Neubauten für alle miterrichten. Pendler fahren meist sehr sparsame Autos und verbrauchen vielleicht 2,5 l Diesel im Durchschnitt pro Tag.

Bekommt Wien nun nach Stuttgarter Schwellen eine Art Berliner Mauer (vielleicht Schutzwall gegen imperialistische Autofahrer genannt) im realsozialistischen Stil, geht der Schadstoffaussoß nach oben, da Familien zwangsläufig wie in der DDR getrennt werden und zusätzich in kleinen Pendlerwohnungen weit über 2,5 l Diesel (=Heizöl) täglich verbrannt werden. Der Lebensstandard sinkt wegen realsozialistischer Planwirtschaft, der Schadstoffausstoß steigt.

Antworten Gast: *_*
16.11.2010 08:58
1 1

Re: Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

Falsch.
Sommers wrd der Feinstaub mittels Wind verfrachtet.
Während des Winters mit wenig Wind bleibt er im Kessel.
Und die Zusammensetzung wurde analysiert. Hauptsächlich Verkehr.

Antworten Antworten Gast: Desinfoterminator
16.11.2010 09:35
1 0

Re: Re: Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

Ach so? Wer hat das analysiert und wie? Was ist ihrer Meinung nach Ofenheizöl und was ist Diesel? Chemisch gesehen ist beides ident, der Farbstoff im Ofenheizöl ist nur beigemengt, damit niemand Ofenheizöl statt Diesel tankt.

Die Verbrennungsprodukte sind ebenfalls ident, allerdings kommt aus modernen Dieselfahrzeugen mit Partikelfilter überhaupt kein Feinstaub mehr. Nur die uralten Dieselfahrzeuge blasen aber genau wie die Haushalte den Dreck ungefiltert in die Luft. Da kann mir keiner einreden, dass man da einen Unterschied feststellen kann, ob Diesel oder Heizöl verbrannt wurde.

Der meiste Feinstaub kommt in Wahrheit von Pflanzen und Pilzen, das nur mal ganz am Rande. Weht der Wind im Sommer aus dem Süden, dann kommt es oft zu extremen Feinstaubbelastungen, die man sogar vom Weltraum aus fotografisch festgehalten hat. Das ist feinster Wüstensand aus der Sahara. Dieser Feinstaub ist mitunter extrem gefährlich. So blies z. B. Ende der 1950er Anfang der 1960er Jahre der Wind Sand, der durch eine französische Atombombe aufgewirbelt wurde aus der Sahara ausgerechnet auf Wien. Natürlich war es Absicht der Franzosen, denn die kannten ja die Windverhältnisse und warfen die Atombomben immer dann, wenn der Wind nicht Richtung Frankreich blies.

Wüstenfeinstaub, Pilzsporen, Pflanzenstaub, Ackerstaub, Staub durch Pflanzenschutzmittel (Notwendig, da keine gesünderen Genpflanzen zugelassen sind) kann man unterscheiden, nicht aber Dieselruß aus Ofen oder Auto!


Antworten Antworten Antworten andibue
16.11.2010 13:33
0 1

Re: Re: Re: Ab einem IQ von 80 erkennt Jeder,

Viel Emotion, wenig Fachwissen.

Selbstverständlich lassen sich Verbrennungsprodukte aus Dieselautos bzw. Heizanlagen unterscheiden, weil es völlig unterschiedliche Prozessführungen gibt (Verbrennungstemperatur, Menge an Verbrennungsluft etc.).

Die anderen von Ihnen aufgezählten Staubarten sind per definitionem kein Feinstaub.

Muss man alles nicht wissen, aber dann sollte man nicht so aggressiv über andere herfallen.

Gast: Schlurp
16.11.2010 07:07
1 1

feinstaublobby

Die Mineralölsteuer auf Dieseltreibstoff ist um etwa 10 Cent pro Liter niedriger als auf Benzin.
Die von einem benzinbetriebenen Fahrzeug produzierte Feinstaubmenge beträgt genau Null.
Bei Diesel ohne Partikelfilter hingegen sieht die Sache anders aus. Die Feinstaubhauptversucher sind Hausbrand, feinst zerriebener Streusand - insbesondere der Bremssand der Strassenbahn - und der im Dieselabgas enthaltene Russ.
Man müsste nur die Mineralölsteuer von Diesel an jene von Benzin angleichen, dann würde sich die Sache schon ein wenig verändern. Dagegen spricht jedoch das stärkste aller Argumente:
Die Frächterlobby......

Und ausserdem befindet sich Graz in einer geographischen Beckenlage, die für eine meteorologische Inversionssituation wie geschaffen ist.......

Der Herr Redakteur dürfte wohl doch ein wenig der Lust zum Dogmatisieren erlegen sein......bissl Nachdenken vorher hätte nicht geschadet

Antworten THofwimmer
16.11.2010 08:33
0 1

Re: feinstaublobby

"...
Die von einem benzinbetriebenen Fahrzeug produzierte Feinstaubmenge beträgt genau Null.
..."

Da merkt man, dass sie keine Ahnung haben, aber laut mitschreien. Jedes Fahrzeug, ob diesel-, benzin- oder sonstwie-betrieben leistet folgende beiträge zur feinstaubbelastung:
- Reifenabrieb
- Verschleiß der Bremsbeläge
- Aufwirbelung und somit Verfrachtung

Diese Effekte alle zusammen plus die Rußpartikel aus den Diesl-PKWs tragen zu ca. 10% der Belastung bei. Die Haushalte und Industrie haben im Vergleich dazu einen Anteil von ca. 50%, wobei in Graz vorallem die Hausbrandanlagen, welche mit Holz, Kohle oder Öl befeuert werden, die Hauptlast tragen.

Außerdem wären bei der geplanten Umweltzone ja auch wieder Ausnhamen die Regel gewesen (Ausnahme für Buss, Baumaschinen, Zulieferer etc.), da wäre nur der mot. Individualverkehr übriggeblieben, den es getroffen hätte. Das Geld für die ganzen kosmetischen Maßnahmen wie Feinstaub-100er wären besser in die Fernwärmeinfrastruktur investiert worden...

Gast: marcel.
15.11.2010 21:01
4 0

na gott sei dank gibt es viele ölheizungen

in graz die so umweltfreundlich sind. vielleicht mal unter die kalte dusche gehen kollega!

Gast: ein Grazer
15.11.2010 20:53
6 0

was Graz helfen könnte

wären eine bessere Regelung des Hausbrandes oder man baut einige "Riesenventilatoren" rund um Graz, die die Luftverschmutzung aus dem Kessel wegblasen. Eine 100km/h Zone auf weiten Teilen der Autobahnen der Steiermark ist eine Alibi-Aktion, die eher eine Zunahme der Feinstaubbelastung durch längeren Aufenthalt der Fahrzeuge in der gefährdeten Zone erreicht.

Antworten Gast: auch Grazer
16.11.2010 09:00
0 1

Re: was Graz helfen könnte

Tempo 100 hat tatsächlich positive effekte. Der Schadstoffausstoß von Autos steigt ja nicht linear, sondern ist im höheren Geschwindigkeitsbereich viel höher.

"Riesenventilatoren".
Kopfschüttel.

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