Griechische Sagenwelten

CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Die verzweifelten Versuche, den Euro zu retten, sind das größte Glück aller Populisten. Nur Werner Faymann muss diesmal hart bleiben.

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Geht es um europäische Dimensionen, ist die österreichische Politik nicht unbedingt von großer Ernsthaftigkeit und Seriosität geprägt. Da propagiert Bundeskanzler Werner Faymann in trauter Einigkeit mit seinem geliebten Kleinformat europaweite Volksbefragungen für den Atomausstieg. Da äußert sich der neue ÖVP-Chef Michael Spindelegger am Europatag zur Schengen-Debatte derart schwammig, dass nicht klar ist, ob er nun die Grenzen wieder dichtmachen will oder doch eher nicht. Und da sind natürlich die Freiheitlichen, die immer schon gegen alles waren, was aus Europa gekommen ist – vom gefürchteten Schildlausjoghurt über die erbittert bekämpften Energiesparlampen bis zum unsäglichen Schillingtöter, dem Euro.

Dabei kann die FPÖ, wie auch der Rest der europäischen Populisten, ihr Glück wohl noch gar nicht fassen. Was kann ihr Besseres passieren, als dass ein maroder Eurostaat nach dem anderen mit verzweifelt geschnürten Hilfspaketen gerettet wird. Da kann man den Bundeskanzler genüsslich ins Parlament zitieren und ihn hochnotpeinlich nach Sparpaketen fragen, die Österreichs Steuerzahlern für Geschenke an die griechischen Pleitiers ins Haus stehen könnten.

Werner Faymann bleibt gar nichts anderes übrig, als dem europäischen Populismus abzuschwören und sich eindeutig zum Euro zu bekennen. Doch wer weiß, vielleicht kommt man dieserart noch einmal zu einer offenen Europadebatte – ganz ohne Schwarz-Weiß-Malerei.

 

claudia.dannhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2011)

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6 Kommentare
Gast: daslebenistschön
18.05.2011 11:53
2 0

unverständlich!

wieso werden alle kritiker dieser euro schuldenpolitik als populisten gebranntmarkt?
dieser geistige schutzreflex, der nachdenken verhindert hat uns ja genau zu diesem punkt geführt, an dem jetzt das große scheitern droht und kommen wird, wenn nicht endlich einmal tacheles geredet wird und auch unliebsamen kritikern gehör geschenkt wird.

Re: unverständlich!

wieso werden alle kritiker dieser euro schuldenpolitik als populisten gebranntmarkt?

Ich vermute mal, weil es seit einiher Zeit "in" ist, (offiziell) keine Fehler zu machen. Wenn also das (einen Fehler eingestehen) nicht in Frage kommt, dann gibt es keine Alternative dazu (alternativlos) immer weiter Geld nachzuschieben.

Das kommende Ende wird dadurch zwar nicht verhindert, aber dafür um 2-3 Jahre hinausgeschoben und vergrößert, d.h. es trifft dann praktisch alle in Europa, und nicht nur die "heutigen" Pleitekandidaten.

Und: Die Zinsen, welche wir lt. der Spezialistin Finanzministerin erhalten haben, sind ein reiner Kurzzeit-Placebo-Effekt. Denn diese Zinszahlungen wurden nicht erwirtschaftet, sondern stammen aus anderen Krediten für welche wir selbst zahlen bzw. bürgen.

PS: Die Pleite-EURO-Länder sind die Geister, die EU-Politiker der Zauberlehrling, welcher die Kontrolle darüber verloren hat.

Gast: unbeteiligter
18.05.2011 08:13
3 1

Kann es sein, dass Sie sich aus ..........

dem "Standard" in die Presse verrirrt haben. Hallo - Eu-Bejubler sind so was von out !

Werner Faymann bleibt gar nichts anderes übrig, als dem europäischen Populismus abzuschwören...

Sagt wer?

Gast: Bärenfalle...
17.05.2011 19:36
2 0

Offene Europadebatte ?

Welche Themen sollen denn da so debattiert werden ?

Undeklarierter Gen-Dreck, Vorratsdatenspeicherung, Verarmung aufgrund EZB Gelddruckerei, Transitlawine, EU sticht die nationalen Parlamente und dies immer, Milliardenverschieberei und Subventionsbetrügerei, Kriminalität aufgrund offener Grenzen samt Freifahrtscheinen von Berlusconi für hundertausende Afrikaner im Schengenraum ?

Das wird eine lange Debatte.

Das die "Populisten" hier so leichtes Spiel haben darf bei der kollektiven Unfähigkeit der EU-Fans Probleme mal konkret auch nur beim Namen zu nennen nicht verwundern.

Man muß aber abschwächend hinzufügen, im Gegensatz zum Kommunismus dessen Ur-Idee zumindest moralisch nicht schlecht ist war die Idee eines Vereinten Europas schon von Anfang an bescheuert da auf einer Lüge aufgebaut.

Europa war niemals ein Friedensprojekt sondern der Versuch die nach dem Boom des Wiederaufbaus kurz vor dem Konkurs stehenden Stahl- und Kohlewerke in D und F zu retten.

So enstandt die Europäische Gesellschaft für Kohle und Stahl .. der Verbraucher hat es mittels Mondpreisen für eben jene Produkte bezahlt ... und daran hat sich seither nix mehr geändert weil die Idee des europäischen Quasi-Monopols enorme Gewinne abwarf.

Wer nicht glaubt dass die EU dem Schutz der Konzerne dient .. importieren sie einfach mal ein Auto aus China, Indien oder den USA und versuchen es "so" anzumelden.

Politik ist die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln.

Re: Offene Europadebatte ?

>>Wer nicht glaubt dass die EU dem Schutz der Konzerne dient .. importieren sie einfach mal ein Auto aus China, Indien oder den USA und versuchen es "so" anzumelden.<<

Aus den USA ist das kein viel größeres Problem, als es vor dem EU-Beitritt aus Deutschland war. Zoll zahlen, USt zahlen, NOVA zahlen, Einzelgenehmigung einholen, anmelden.

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