Griechische Sagenwelten

Die verzweifelten Versuche, den Euro zu retten, sind das größte Glück aller Populisten. Nur Werner Faymann muss diesmal hart bleiben.

Kommentar

Geht es um europäische Dimensionen, ist die österreichische Politik nicht unbedingt von großer Ernsthaftigkeit und Seriosität geprägt. Da propagiert Bundeskanzler Werner Faymann in trauter Einigkeit mit seinem geliebten Kleinformat europaweite Volksbefragungen für den Atomausstieg. Da äußert sich der neue ÖVP-Chef Michael Spindelegger am Europatag zur Schengen-Debatte derart schwammig, dass nicht klar ist, ob er nun die Grenzen wieder dichtmachen will oder doch eher nicht. Und da sind natürlich die Freiheitlichen, die immer schon gegen alles waren, was aus Europa gekommen ist – vom gefürchteten Schildlausjoghurt über die erbittert bekämpften Energiesparlampen bis zum unsäglichen Schillingtöter, dem Euro.

Dabei kann die FPÖ, wie auch der Rest der europäischen Populisten, ihr Glück wohl noch gar nicht fassen. Was kann ihr Besseres passieren, als dass ein maroder Eurostaat nach dem anderen mit verzweifelt geschnürten Hilfspaketen gerettet wird. Da kann man den Bundeskanzler genüsslich ins Parlament zitieren und ihn hochnotpeinlich nach Sparpaketen fragen, die Österreichs Steuerzahlern für Geschenke an die griechischen Pleitiers ins Haus stehen könnten.

Werner Faymann bleibt gar nichts anderes übrig, als dem europäischen Populismus abzuschwören und sich eindeutig zum Euro zu bekennen. Doch wer weiß, vielleicht kommt man dieserart noch einmal zu einer offenen Europadebatte – ganz ohne Schwarz-Weiß-Malerei.

 

claudia.dannhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2011)

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