Wer wird zum Jubiläum 2013 den „Ring“ inszenieren?

Die Zeit wird knapp in Bayreuth: Die Festspiele suchen dringend einen Regisseur. Mit Filmkünstlern haben sie wenig Glück.

Die Uhr tickt. Für die Bayreuther Festspiele rückt ein Schicksalsdatum näher. So rund wie 2013 ist im Richard-Wagner-Kalender nur alle 100 Jahre ein Jahr. 1813 hat der Meister das Licht der Welt erblickt. Und man begeht es bei den Festspielen mit einer Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“. Für dieses Großprojekt hat man längst einen Dirigenten gefunden, dessen künstlerische Gestaltung man mit Spannung erwartet. Kirill Petrenko wird im selben Wagner-Jahr sein Amt als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper antreten, vermutlich mit einer Neueinstudierung jener Oper, mit der das Nationaltheater 1963 – noch ein blau-weißes Jubiläum – wiedereröffnet wurde: die „Frau ohne Schatten“ von Haus-Gott Richard Strauss.

So weit, so musikalisch spannend. Doch wer wird den Jubiläums-„Ring“ inszenieren? An der Gerüchtebörse wird der Name Christof Loy hoch gehandelt. Er inszeniert heuer zur Salzburger Festspiel-Eröffnung die „Frau ohne Schatten“, die Christian Thielemann dirigieren wird, hat also gute Kontakte zum Hauptdirigenten des Bayreuther Festivals, der nur heuer in Salzburg auftritt, ab kommender Spielzeit aber im Sommer wieder exklusiv den Wagner-Festspielen verbunden ist. Loy hat die Gerüchte dementieren lassen, was aber nicht viel heißt. Sicher ist nur, dass Wunschkandidat Wim Wenders definitiv abgewinkt hat. Er wäre die „große Lösung“ für Bayreuth gewesen, wo man mit Film-Regiestars aber wenig Glück hat.

Schon den vergangenen, von Thielemann dirigierten „Ring“ hat Lars von Trier nach einigen Überlegungen zurückgelegt. Film-Menschen scheuen die enormen Zeit-Anforderungen, die mit einem „Ring“-Engagement verbunden sind. Über Jahre hin sind die Monate Juli und August dann blockiert – was sich im Vergleich mit Set-Gagen einfach nicht rechnet. Deshalb waren die lancierten Gerüchte, man verhandle mit Künstlern vom Format eines Quentin Tarantino oder Steven Spielberg, denn auch sofort in die Kategorie Lachnummer verwiesen. „Es gab niemals Kontakte“, gibt sich Peter Emmerich, Bayreuths Langzeit-Pressechef, so knapp wie eindeutig.

Wer hat im übrigen 2013 noch Zeit? Stefan Herheim, Hans Neuenfels oder Florian Henckel zu Donnersmarck, der den „Ring“ in Baden-Baden nicht machen wollte? Legt Wagners Urenkelin Katharina doch selbst Hand an? Sicher ist, dass aus Bayreuth heuer erstmals eine TV-Liveübertragung ins Haus steht. Die Festspielführung wurde mit dem Sender ARTE handelseins. Man will in Hinkunft Jahr für Jahr kooperieren und beginnt heuer mit Neuenfels' Ratten-„Lohengrin“, der im Vorjahr so viel Staub aufgewirbelt hat. Termin: 14.August.

Bis dahin weiß man vielleicht schon ein wenig mehr über den kommenden Jubiläums-„Ring“. Schließlich will man ja für 2013 oder 2014 keine konzertante Aufführung. Das würde sich – 16 Stunden lang! – im TV nicht so gut machen. Vielleicht begnügt man sich medial aber auch mit den frühen Wagner-Opern, die der Meister ja in Bayreuth gar nicht sehen wollte. Zum Geburtstag bringt man mit seinen „Feen“, dem „Liebesverbot“, aber auch dem „Rienzi“ doch szenische Produktionen am Festspiel-Ort – in Kooperation mit der Oper Leipzig unter Ulf Schirmer.

 

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2011)

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