SPÖ hat ORF-Wahl schon gewonnen

ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Die Sozialisten exerzieren im ORF vor, wie mediale Machtpolitik funktioniert.

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Seit Wochen befindet sich die ÖVP in der Zwickmühle. Das bürgerliche ORF-Wunschkonzert, bei dem RTL-Boss Gerhard Zeiler den Taktstock hätte schwingen sollen, musste angesichts der hartnäckigen Ablehnung der SPÖ abgesagt werden. Die Bemühungen der ÖVP, noch einen eigenen Kandidaten aufzutreiben, sind nicht zuletzt daran gescheitert: Wer keine Chance hat, wird nicht freiwillig vor den Vorhang treten.

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Die SPÖ hat sich schon vor Wochen per Beschluss auf Wrabetz festgelegt – und exerziert vor, wie mediale Machtpolitik funktioniert: Widerstand in den eigenen Reihen wird nicht geduldet – auch jene SP-Stiftungsräte, die lieber Zeiler gewählt hätten, blieben stumm. Innerhalb der ÖVP ist das anders: Wrabetz wird am Dienstag vermutlich auch aus ihren Reihen Stimmen bekommen. Schon allein deswegen, weil die Verlängerung von Richard Grasl als kaufmännischem Direktor davon abhängt. Die SPÖ hat hinter den Kulissen klargemacht: Wenn alle ÖVP-Stiftungsräte Wrabetz die Unterstützung verweigern, ist Grasl aus dem Rennen. Und was, wenn die ÖVP eine 180-Grad-Volte aufs Parkett legt und Wrabetz einhellig unterstützt? Dann, so heißt es in SPÖ-Kreisen, werde sie sich „ein paar Posterl unter der Direktorenebene“ aussuchen. So wie die Grünen und das BZÖ.

Nicht, dass die ÖVP nicht gern mehr mitmischen würde – ihr bleibt nur keine Wahl. Und auch ihr Wunsch, Wrabetz möge doch eine politisch nicht zuzuordnende TV-Direktorin bestellen, hat wohl mehr als einen hehren Grund (die TV-Direktorin wird auch für die ORF-Information zuständig sein). Vielmehr läuft jeder noch so gute Kandidat in diesem Ressort mit ziemlicher Sicherheit ins offene Messer: Die ORF-Marktanteile werden in jedem Fall weiter sinken. Mit einer politisch unerfahrenen Kandidatin (z.B. aus dem Ausland) haben es die politischen Strippenzieher womöglich besonders leicht. Die Reihen darunter wurden ohnehin in den vergangenen Monaten weitgehend nachbesetzt – vornehmlich zur Zufriedenheit der SPÖ. Sie hat die ORF-Wahl längst gewonnen.

E-Mails an: isabella.wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2011)

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15 Kommentare
Gast: ORTF
05.08.2011 15:44
1

Die SPÖ, obwohl nicht einmal 30% an Wahlstärke

hier aber agierend, als hätte sie die absolute Mehrheit, kann nur deshalb gewinnen, weil sich dies die ÖVP gefallen lässt!

Wenn der SPÖ-Koalitionspartner ohne Einverständnis der ÖVP fremd geht, hätte die ÖVP gleichfalls die Möglichkeit im Parlament in Sachen ORF fremdzugehen und mit der Opposition das ORF-Gesetz zu ändern, und zwar diesmal so, dass die ORF-Gremien nicht eine Minderheitspartei bevorzugen, sondern die Verhältnisse im Nationalrat spiegeln.

Antworten Gast: dfdafsd
06.08.2011 03:58
0

Re: Die SPÖ, obwohl nicht einmal 30% an Wahlstärke

Einfach einmal ein bisschen über den Stiftungsrat informieren:

http://de.wikipedia.org/wiki/ORF-Stiftungsrat

Ich will für die SPÖ nicht zahlen

Da muss es doch möglich sein den ORF zu kündigen.
Bitte um Tipps wie man da rauskommt

Re: Ich will für die SPÖ nicht zahlen

dann tue es nicht, so einfach ist das !

Ich kenne pers. viele welche zwar wegen dem geringen Einkommen befreit werden würden und sogar noch ein par EUro fürs telefonieren bekämen, aber seit oft 15 Jahren und länger keine GIS-beiträge bezahlen, und denen geschieht auch nichts, da die GIS sic hin einer rechtlichen Grauzone bewegt.

Einfach auf einem Postamt abmelden, und keinen GIS.keiler in die Wohnung lassen, reicht völlig !

Re: Ich will für die SPÖ nicht zahlen

Nachtrag: Ich habe damals bei der Umstellung v. analog auf digital TV die Gunst der Stunde genutzt und von Haus aus keine Karte geordert. Zuerst wurde von der GIS herumgemault, dann habe ich aber ohne Kommentar den Zahlschein mit Euro 16,30 (Wien) erhalten. Ich kann nur sagen, dass mir retrospektiv der ORF nicht abgeht. Der Teletext reicht mir und Fußball (besseren sogar) kann ich anderswo konsumieren!

Re: Ich will für die SPÖ nicht zahlen

Wenn Sie Kabel-TV haben gibt es keine Möglichkeit zum Ausstieg. Sollten Sie Digital Sat-TV haben gäbe es die Chance darauf zu warten bis die Smart-Card abgelaufen ist, soferne diese erneuert werden muß. Das weiß ich leider nicht genau. Nehmen wir an die Karte müßte erneuert werden, keine Neue beim ORF beantragen. Danach Abmeldungsschreiben an die GIS mit Begründung, sie können auf Grund der abgelaufenen Karte u. des Höchstgerichtsurteils in dieser Sache kein ORF Programm mehr empfangen und deshalb ist eine Fernsehentgelt nicht mehr zulässig. Da die Krytokarte nur!!! über den ORF zu beziehen ist, haben Sie auch einen Nachweis. Statt etwa 43 Euro zahlen Sie dann so wie ich nur noch 16,30 Euro pro 2 Monate. Sie können via Sat trotzdem teilweise ORF2E empfangen mit Teletext und ZIB1 u. 2, sowie ORF Sport Plus. Sollten Sie einen neuen DigSat Receiver in Ö. kaufen, verlangen Sie ihn ohne ORF Karte. Das ist alles und funktioniert, nur hängt das d. ORF logischerweise nicht an die große Glocke!

Re: Re: Ich will für die SPÖ nicht zahlen

Danke, hab aber leider Kabel-TV.
Vielleicht sollt ich zum EuGh gehen, weil dort redens ja immer von freier Marktwirtschaft, beim ORF haben wir das nicht!

Wem da nicht schlecht wird, dem ist nicht zu helfen!!!!

Wenn man den Artikel liest, ich beziehe mich mal auf den 1. Absatz, wo geschrieben steht, daß "...wer keine Chance hat .. nicht vor den Vorhang treten wird...". Da muß man schon fragen, wieso ein möglicher XY Kandidat egal wie qualifiziert er ist, keine Chance hat. Offenbar sitzen in diesem Abstimmungsgremium nur beschis.... Parteizombies - mit Demokratie und Öffentlich Rechtlich hat das nichts zu tun. Und so was ist in Österreich üblich und legal - unfassbar eigentlich und zum Kotzen!. Gott sei Dank zahle ich keine Fernsehgebühr mehr - mir geht der ORF nach 2 Jahren nicht ab. Mir reicht ORF2Europe mit Teletext. Danke Flasche leer - ich haben fertig!!!!!!!!!!!

Re: Wem da nicht schlecht wird, dem ist nicht zu helfen!!!!

wie überall anders (AKH, Skylink, AUA ...) auch, sitzen diese lenkenden Bonzen und sahnen ab was das Zeug hergibt, und die Ergebnisse daraus sind ja bestens bekannt !!!


Gast: sagnix
05.08.2011 10:09
0

ORF

seit seinem bestehen ist der ORF ein zensierter Sender der ÖVP darum gibst ja noch die Zwangsgebühr

Und so geht es dahin

Bundespräsidentenwahl, ORF.... es stellt sich inzwischen die Frage, ob die ÖVP in diesem Land überhaupt noch einen Führungsanspruch stellen WILL.
Wenn eine Stimme für die ÖVP inzwischen de fakto zu einer Stimme für die SPÖ verkommen ist, dann darf man sich nicht wundern, dass inzwischen schon alles eher wählbar ist als diese ehemals staatstragende Partei....

ist doch egal

wer schaut denn noch orf.

Antworten Gast: Zahler
05.08.2011 08:40
4

Re: ist doch egal

Eh niemand. Nur bezahlen manche von uns GIS-Gebühren! Und dafür will man etwas im Gegenzug haben. Außer Sicherheitslecks die haben die schon genug!

Gast: Machtpolitik der DDR
04.08.2011 19:44
8

Warten auf den DDR-Effekt -> Fall der medialen Mauer


Gast: 1. Parteiloser
04.08.2011 19:42
2

Tolle Parteinleistungen, wirklich eine reife Demokratie!

Beim ORF gab es ja schon immer freie Wahlen. Offen für alle Kandidaten und ein faires Auswahlverfahren. Das war auch so als die ÖVP nahen Chef durch diese exzellenten demokratischen Prozesse gekürt wurden.

Was aktuell beim ORF abgeht ist doch auch nicht viel anderes als auch im Parlament passiert. Da ist auch alles so frei und offen und alle Wahlberechtigten sind auch über das Abstimmungsthema und die Auswirkungen des Stimmverhaltens voll informiert. Ja, sogar die Wahlberechtigen sind etwas was vollkommen frei und demokratisch entstanden ist.

Bei solch freien Wahlen und den transparenten demokratischen Prozessen können wir Österreich doch sehr glücklich sein.

Wie die Autorin auf diese Aussage kommt ist doch gänzlich unverständlich "Widerstand in den eigenen Reihen wird nicht geduldet – auch jene SP-Stiftungsräte, die lieber Zeiler gewählt hätten, blieben stumm".

So etwas gibt es in einer Demokratie wie in Österreich doch niemals. Nicht von der SPÖ, nicht von der ÖVP, das kann doch gar keiner der ethisch hochstehende Partei und deren hohen Repräsentanten unterstellt werden. Da ist doch unerhört!

Neben der Ironie, ich würde meinen, dass auch dieser Vorgang nicht anders ist als die Normalität in Österreich. Eine Normalität, welche auch als korrupt eingestuft werden kann, weil es ein grausiger Posterschacher ist. Das ist doch alles nur noch zum Kotzen!

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