Das Ende der Abnicker-Partie

Die EU hält Bankaufsichtsräte für inkompetent. In Unternehmen ist es genauso.

Ein bisserl plaudern und netzwerken, wie man die Pflege von Beziehungen heutzutage nennt. Ja, und natürlich die Nachfrage nach dem werten Befinden der Gattin, denn man will ja nicht unhöflich sein. Da bleibt dann einfach keine Zeit mehr für die ausgiebige Prüfung einer Bilanz, die man ohnedies nicht versteht, aber auch nicht hinterfragen will. Denn wer gibt sich schon gern eine Blöße?

Dass Aufsichtsratssitzungen nicht nur hierzulande eher Stammtischrunden oder Kaffeekränzchen ähneln als Diskussionen ausgewiesener Experten, ist natürlich nur eine boshafte Unterstellung. Oder doch nicht? Das Grünbuch der EU-Kommission spricht eine mehr als deutliche Sprache. Wobei die vernichtende Diagnose Brüssels nicht nur auf Banken im Besonderen, sondern auf Unternehmen im Allgemeinen zutreffen dürfte.

Dass nicht nur in Österreich das Selbstverständnis der Kontrollore im Argen liegt, sollte hierzulande keine Ausrede sein. Die über Nacht in die Milliarden gewachsenen Verluste der Banken sollten vielmehr Anlass für einen raschen Wandel in den Spitzengremien sein.

Schade nur, dass es wieder der EU-Keule bedarf, um ratlose Räte durch ausgewiesene Experten zu ersetzen. Das Debakel beim Flughafen-Terminal Skylink, die Milliardenpleite der A-Tec und das Hypo-Alpe-Adria-Desaster sind ja nicht erst gestern passiert: Seit Monaten, wenn nicht Jahren ist bekannt, dass willfährige Abnicker dort versagt haben.

 

hedwig.schneid@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2011)

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