25.05.2012 18:04 | Meine Presse Merkliste 0

Der ewiggestrige Zeitgeist der Jungen

ERICH KOCINA (Die Presse)

Die politische Aufklärung der Jugend darf nicht auf dem Niveau dumpfer Stammtischparolen basieren.

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Kann man Jugendliche eigentlich als ewiggestrig bezeichnen, wenn sie das Gestern gar nicht miterlebt haben? Ja, kann man. Schließlich scheint ein Gutteil der jungen Wiener nicht viel anders zu denken als so manche Vertreter der Großelterngeneration, für die im Nationalsozialismus „nicht alles schlecht“ war. Und die, Auschwitz hin oder her, ihren stumpfen Antisemitismus einfach in ein neues Gewand („Ostküste“ & Co.) gestülpt haben.

Der offene Antisemitismus und die noch viel deutlicher ausgeprägte Türkenfeindlichkeit, die eine aktuelle Studie des Instituts für Jugendkulturforschung aus dem jugendlichen Zeitgeist geschürft hat, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Jungen die Stupidität der politischen Diskussionen ihrer Elterngeneration, die sich im Nachbrüllen von Parolen erschöpft, nahtlos übernommen haben.

Die Konsequenz kann nur sein: Politische Bildung muss ein Pflichtfach werden. Auch in Pflichtschulen. Denn es kann nicht sein, dass für die politische Bildung der Jugend der Stammtisch zuständig ist – für den im Nationalsozialismus „nicht alles schlecht“ war.

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2011)

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53 Kommentare
 
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Aus einem Umfrage-Nebenaspekt ein Riesending gemacht!

Der eigentliche Kernbereich dieser Umfrage war für mich wohl jener, in dem das Grundgefühlt der jungen Leute in Hinblick auf ihre berufliche Zukunft, bzw. ihrem Platz im Leben erforscht wurde. Und das war wohl pessimistisch genug! Denn es basierte auf dem Umstand, daß wir alle nur noch von anonymen Mächten fremdbestimmt werden und sozusagen ständig "für Sachen bezahlen müssen, die wir nie bestellt haben". Denn verspekuliert all diese jetzt in Form von riesigen Sparpaketen dem Steuerzahler abgepressten Euro-Milliarden haben ja nicht diese, sondern irgendwelche Anonymusse....

Froh darüber zu sein, überhaupt einen einigermaßen sicheren Job zu besitzen; sich ducken und ja nicht auffallen; keine Karriere anzustreben, wo man dann schnell auch wieder herunter fallen könnte. Einfach nur durchtauchen und sich keine Blöße geben, denn die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist groß.

Da ist nix mehr übrig geblieben vom großen Aufbruch Ende der 60er und während der 70er. Damals war noch eine "Zeit der Fülle". Man konnte sich "selbst verwirklichend" ein Jahr oder zwei lang "aussteigen" und hinterher wieder mit Studium oder Job weitermachen. Es war ja alles dafür da. Heute hingegen sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Mitarbeiter werden von den Firmen nur noch bestenfalls als "Human Capital" und schlechtestenfalls als "Kostenfaktor" wahr genommen. Und gemobbt wird überall auf Teufel komm raus. Auch schon in der Schule. Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen! Für Kocina kein Thema!

Kokopelli
16.12.2011 10:20
0 0

Die Wahrheit ist kein Kriterium der Politik

Politik ist Meinungsmache, Stimulation, Fanatisierung, einseitiges Manipulieren, Umschreiben der Fakten, Taktieren und vieles anderes mehr. Es ist wesentlich einfacher Emotionen zu schüren als der Wahrheit mühselig auf der Spur zu bleiben. Simple Schuldzuweisungen machen Politik so verlockend: ein Feindbild mit absoluter Schuldzuweisung schaffen, diesen Feind radikal bekämpfen, am besten Kopf ab und schon hat man das Paradies auf Erden geschaffen, denn die Nazis zum Beispiel waren ja offensichtlich auch herzenswarm und nächstenliebend...wie man in Auschwitz, Dachau und so weiter heute noch sehen kann.

derhune
16.12.2011 09:15
0 1

Wenn diese Jugendlich nicht vom Himmel gefallen sind,

müsste man zuerst die Eltern und die soziale Umgebung hinterfragen!

Gast: Grummelbart2
15.12.2011 23:04
4 0

Arhem...

Tschuldigung, aber ich tue mir mit dieser Argumentation schwer:

Ich halte die Fragen der Umfrage für stark tendenziös. Natürlich ist bei wertneutraler Betrachtung die Frage, ob AH AUCH Gutes getan hat mit ja zu beantworten: Tierschutz, Infrastruktur, zahlreiche soziale Maßnahmen. Davon ist dienFrage abzugrenzen, ob diese wenigen Punkte die Verbrechen "aufwiegen" können - diese mFrage ist mit nein zu beantworten, und ich würde dem Autor zustimmen, dass wir ein Problem hätten, wenn jeder zehnte junge Österreicher diese Frage mit ja beantwortet.

Bei dieser Fragestellung ist auch das Ergebnis mit dem Antisemitismus zumindest zu hinterfragen - wobei (und das ist jetzt der Punkt) interessant wäre, ob bei dieser Befragung auch anteilig ausländische Wiener befragt wurden, und wie deren Meinung zu diesen Themen war. Dass zB im arabischen und auch türkischen Raum derartiger Antisemitismus und eine gewisse Sympathie für AH verbreitet ist, sollte dem Autor auch bekannt sein - diese 10 bzw 20% könnten durchaus auch aus dieser Ecke stammen - nur mal zum Nachdenken.

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Re: Arhem...

Grummelbart2!
Ihre Vermutung im 2. Absatz, daß unter den befragten "Antisemiten" und "AH-Sympatisanten" auch Migranten aus dem türkischen und arabischen Raum sein könnten, hat durchaus Hand und Fuß! Vor einigen Jahren gab es eine EU-geförderte europaweite Umfrage zum Thema "wachsender Antisemitismus", welche erstaunliche Ergebnisse brachte: Es waren nämlich primär Menschen aus islamischen Ländern, die frischfrei von der Leber weg überhaupt keine Hemmungen zeigten, ihre Abneigung gegenüber den Juden im allgemeinen und den Israel im besonderen zu bekunden.

Doch diese Ergebnis wurde dann schamhaft ein ganze Jahr unter Verschluß gehalten! Weil man, so die offizielle Begründung, "nicht eine Minderheit gegen eine andere auspielen wollte". Auch so kann man unangenehme Wahrheiten verdrängen. Dieses Verhalten ist aber selbst in den USA ruchbar geworden und jüdische Verbände drängten vehement auf die Veröffentlichung dieser Umfrageergebnisse. Es würde mich also in keiner Weise wundern, wenn´s diesmal auch so gewesen ist...

Politicus1
15.12.2011 22:56
3 0

Toll, wie die Zensur hier siebt!


Politicus1
15.12.2011 22:50
10 1

Gott sei Dank!

lesen unsere Jugendlichen nicht diesen von Stupidität triefenden Artikel des mir völlig unbekannten Herrn Kocina...

Gast: Euer Problem ist,
15.12.2011 22:06
13 1

daß die Meinung der Jugendlichen

nicht auf Jugend-Erzählungen 80-Jähriger beruhen, die man einsperren und verbieten kann, bis sie ohnehin sterben,

sondern auf den alltäglichen Erfahrungen der multikriminellen Gesellschaft heute.

Und die kumulieren und werden immer deutlicher.


9 1

typischer wolkenkuckucksheim journalismus

oder wohnen sie hr. kocina im 15., 16., 10. usw. bezirk und gehen ihre kinder dort zur schule?


erichhard
15.12.2011 21:28
11 2

Merken Sie, Herr Kocina,

wie weit Sie von der Meinung und den Eindrücken Ihrer Leserschaft entfernt sind ?

tiger10
15.12.2011 18:20
6 2

Die Presse war

auch schon einmal besser!

Antworten Gast: kater12
16.12.2011 07:27
5 1

In der Tat

würde man diesen Artikel eher im harngelben Fremdenblatt vermuten

Gast: xyxyxx
15.12.2011 17:22
4 1

xy

genau. der 2. weltkreig und ns-zeit werden ja in der schule geradezu stiefmütterlich behandelt :)

22 2

Overkill

Noch mehr politische Bildung? Das kann nur nach hinten losgehen. Wenn man Jugendlichen noch mehr mit politischer Indoktrinierung auf die Nerven geht, werden sie noch stärker dagegen in Opposition gehen. Die Mutigen (oder Dummen?) offen, die anderen nur innerlich.

Antworten Politicus1
15.12.2011 22:51
6 1

Re: Overkill

Herr Kocina meint und fordert wohl noch mehr rot-grüne politische Bildung in den Schulen...

Gast: Italien-Fan
15.12.2011 15:02
6 1

Politische Bildung?

Ja, ich halte die wachsende Xenophobie in Österreich auch für bedenklich. Aber ob mehr "politische Bildung" in den Schulen wirklich die Lösung ist?
Der Grund für meine Zweifel: Ich hatte in der Schule einen Geschichte-Prof, der ein Südtirolfanatiker war. Immer wieder sprach er davon, wie furchtbar es sei, dass Südtirol jetzt bei Italien sei, dass die Italiener Feiglinge und Verräter seien, dass Italien überhaupt das Letzte sei.
Sein "Erfolg": Nicht nur, dass uns Schülern diese Polemik bald beim Hals heraushing, er erreichte damit sogar das Gegenteil; wir begannen, Italien interessant und sympathisch zu finden. Der Italien-hassende Lehrer hat jedenfalls bei mir auf diese Weise die Grundlage zu meiner schon seit Jahrzehnten andauernden Liebe zu Italien gelegt.
Ich bin sicher kein Ausnahmefall, was die Reaktion auf derartige Erziehungsversuche betrifft. Deshalb sollte man bedenken, dass man mit "mehr politischer Bildung" vielleicht genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich will.

Resistance
15.12.2011 15:01
23 3

Als vor geraumer Zeit


eine ähnliche Umfrage unter jungen Türken in Österreich durchgeführt wurde und die Antworten auf ganz ähnliche Fragen noch weit verheerender ausfielen, kann ich mich nicht erinnern, ähnlich empörte Artikel gelesen zu haben.

Darüberhinaus wird unserer Jugend ziemlich viel zugemutet: Eine angeblich alternativlose EU verschuldet sie maßlos. Zuwanderer werden als Konkurrenten gesehen - ist es ein Wunder bei schlechten Zukunfts- und Jobaussichten?

Ich finde es höchst erfreulich, dass sich ein Gutteil der Jugend von linker und sozialistischer Propaganda nicht einlullen lässt und sehr wohl imstande ist, sich eine eigene Meinung zu bilden.


Gast: HB
15.12.2011 13:52
31 3

Kommentar auf Standard-Niveau

Das ist ja wirklich ein letztklassiger Kommentar auf Standard-Nievau, die Ansichten der Jugendlichen auf die ihrer Großeltern zu reduzieren, anstatt sich einmal zu fragen, ob es nicht tagtägliche Probleme mit den integrationsunwilligen Ausländern sind, warum vier von zehn Jugendlichen sagen, dass zuviele Türken in Österreich sind.

Es ist immer noch zuviel, wenn noch etwa ein Drittel der Jugendlichen unter „sozialer Gerechtigkeit“ den Diebstahl des Staates am Eigentum sieht - immerhin ist sehr positiv, dass die meisten Fleiß und Leistung als positiven Werte sehen. Man kann nur hoffen, dass sich das auch an der Wahlurne niederschlägt.

Antworten Politicus1
15.12.2011 22:52
2 1

Re: Kommentar auf Standard-Niveau

vier von zehn...
und die anderen sechs der Befragten? Mit Migrationsvordergrund?
Würde in etwa der Wiener Bevölkerungsstatistik entsprechen...

Gast: Karl Huber
15.12.2011 13:19
21 4

Herr Kocina

Zu meiner Zeit war politische Bildung Pflichtfach in den Schulen. Sie können mir glauben. Auf DAS hätte ich auch verzichten können.
Nichts weiter als linke Rhetorik durchsetzt mit Glorifizierung des Austromarxismus.
zb. wurden in meiner Zeit die Jahre 1934 - 1945 im Unterricht nicht einmal erwähnt. Warum das so war überlasse ich Ihnen zu entscheiden.

Ethnische wie politische Bildung ist auch meiner Meinung ein absolutes Muß!
Doch nur wenn der Lehrkörper wie auch der Lehrstoff objektiv gewählt wird.
Und DAS hat es in Österreich bis dato noch nie gegeben.
So lange das nicht der Fall ist wird weiterhin der Stammtisch die Reden schwingen.
Abgesehen davon.
Es sind auch meiner Meinung zuviele Moslems in Österreich und Europa.
Und das sage ich.
Politisch von Linksextremen unterrichtet.
Na wie jetzt....?

Antworten Gast: Halt mal
15.12.2011 13:58
2 5

Re: Herr Kocina

Ich hoffe sie meinen ethische...

Sicher bin ich mir bei dem Rest ihres Postings nicht.

Antworten Antworten Gast: Karl Huber
15.12.2011 15:52
9 0

Re: Re: Herr Kocina

Ethik.
Wobei auch Ethnik-Unterricht kein Fehler wäre. Wertfrei betrachtet gibt es auch hier entscheidente Unterschiede.
Jetzt werde ich zwar wieder als Nazi und Rassist beschimpft werden was mir aber wurscht isch..

derhune
15.12.2011 13:03
1 6

Schöne Aussichten...


Gast: Suum cuique
15.12.2011 12:07
1 8

Kevin & Jennifer haben also gesprochen ...

Lt. Studie kommt ein Gutteil der befragten Jugendlichen aus sog. 'bildungsfernen' Schichten. Früher hat man dazu - politisch inkorrekt - einfach 'ungebildet' gesagt, was viel zutreffender wäre. Die Kevins und Jennifers - so heißen sie ja jetzt oft - haben natürlich Angst. Kein Wunder, mit ihrer (Aus)Bildung werden sie über kurz oder lang die Mindestsicherung beantragen müssen. Aber an Armut ist ja jeder ohnehin selbst schuld, meinen die Kevins ja. Na dann.

Antworten cougar
15.12.2011 14:35
5 0

Re: Kevin & Jennifer haben also gesprochen ...

"Für die Studie wurden 400Wiener zwischen 16 und 19 Jahren quer durch alle Bildungsschichten befragt."

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Mitschuld der medien

Ist es nicht die meist nicht vorhandene sachliche Information, die zu solchen am Stammtisch orientierten Auswüchsen führt? Sind nicht auch viele medien an dieser Situation mitschuldig? Gerade in den Talkshows oder auch in gewissen Printmedien werden Vorurteile geschürt, egal ob gegen Türken, Juden etc. Statt den Menschen zu sagen: passt auf, Eure Pflicht ist, Euch eine vernünftige Bildung anzueignen, um eine Chance am Arbeitsmarkt zu haben, wird immer wieder mit neuen Sozialprogrammen versucht, die Menschen zu beruhigen, aber sie dann doch im Zustand ihrer Dumpfheit zu belassen. Gerade die Jugendlichen besitzen die Fähigkeiten, sich sehr schnell Informationen zu besorgen. Mögen sie dies bitte nutzen.
Ein neues Fach an den Pflichtschulen bringt nur dann etwas, wenn dort der Stoff auf aktuelle Ereignisse abzielt. Denn
es nützt wenig, über die Parteien zu reden oder die gute alte Staatsbürgerkunde reloaded auszupacken.

 
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