25.05.2013 05:36 Merkliste 0

Bewerten wir uns doch selbst!

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Europa versucht, den Einfluss der US-Ratingagenturen zu brechen. Nur zu.

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Europa hat die Nase voll. Nach der jüngsten Abstufung zahlreicher Euroländer wird eindringlicher denn je nach einer „europäischen“ Ratingagentur gerufen. Denn, so der Tenor in allen politischen Lagern: Europa könne es nicht länger hinnehmen, sich von „amerikanischen“ Ratingagenturen bestimmen zu lassen. Deshalb brauche es eben eine europäische Agentur, die von der Politik bestimmt wird.

Die Vorteile einer „europäischen“ Agentur wären auch nicht zu unterschätzen. Niemand verstünde die Probleme europäischer Wohlfahrtsstaaten besser als eine von europäischen Wohlfahrtsstaaten gelenkte Bewertungsstelle. Was wissen die Amerikaner schon davon, dass sich unsere Ausgaben einfach nicht an die Einnahmen halten wollen? Oder davon, dass viele Bürger zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr von rätselhaften Krankheiten heimgesucht werden (die nach Pensionsantritt zum Glück wieder verschwinden)?

Dass nur wir Europäer uns verstehen, zeigte sich, als Europas Notenbanken die Finanzwirtschaft auf deren Krisenresistenz testeten. Dabei ließen sie sich von Details nicht lange stressen – wie der drohenden Pleite Griechenlands, die einfach ausgeblendet wurde. Womit zahlreiche Banken als äußerst stabil eingestuft wurden, die kurz darauf vom Staat aufgefangen werden mussten. Aber das können freilich nur wir Europäer verstehen.

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2012)

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9 Kommentare
Gast: zensuriert doch mal wen anderen
18.01.2012 15:28
1 1

aber herr schellhorn

eine so eindimensionale polemik hätte ich mir von ihnen nicht erwartet. natürlich ist eine staatlich beeinflusste europäische Ratingagentur Nonsens. Aber wollen Sie ernsthaft behaupten, dass die US Ratingagentur unabhängig sind? Wie erklären Sie sich dann das AAA rating der USA (die einzige Agentur, die Zweifel daran geäußert hat, wurde sofort mit einer SEC Ermittlung "belohnt"). sehen Sie einfach einmal in ihren Archiven nach, wann das Griechenland/Euro bashing begonnen hat. nicht etwa, als sich die Fundamentaldaten Griechenlands geändert haben (pleite war Griechenland zu diesem Zeitpunkt schon lange), sondern just, als China Zweifel am US-Dollar als einziger Leitwährung geäußert hat. Ein Zufall oder sind die US Ratingagentur doch nichts anderes als die Speerspitze der US Finanzaussenpolitik?

...denn, bei einer europäischen "Ratingagentur" kann man inserieren...


Es lebe der Selbstbetrug...

....nach dem Motto „We are the champions!“

Wenn ein Investor so dumm ist, Gefälligkeitsgutachten für bare Münze zu nehmen, kann er sein Geld gleich zum Fenster rauswerfen.

Gast: CL
18.01.2012 09:16
6 0

Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht!

So viel zu einer sog. Unabhängigkeit und damit Aussagekräftigkeit einer ev. europäischen Rating-Agenturen!
Am besten, die EU legt sich noch eine Menge von ihr finanzierter und aufgeblähter Apparate zu, die ihr gefällige Bewertungen abgeben - dann ist das Problem sofort gelöst, oder?

Gast: EU-Projekt
18.01.2012 01:55
0 2

Ami-Vorherrschaft gottgegeben?

Was hat Schellhorn gegen Wettbewerb? Noch dazu bei suboptimal funktionierenden Firmen.

Die am. Ratingagenturen kennen sich aus in Amerika. Darum haben sie auch die Subprime-Papiere aus am. Hypotheken AAA bewertet, haben Lehmann bis knapp vor der Pleite im A-Bereich bewertet.

Die Chinesen haben eine Ratingagentur. Das kann Europa nicht?

Es ist keinesfalls gesagt, dass die europäische Ratingagentur Europa höher bewertet.

Aber auch bis zur Airbus-Gründung war die Dominanz von Boeing und anderen am. Flugzeugherstellern "gottgegeben".

Re: Ami-Vorherrschaft gottgegeben?

Kennen Sie folgendes Beispiel? Sie vergessen, Ihrer Frau/Freunding zu irgendeinem Anlass Blumen mitzubringen, woraufhin sich die bitter beschwert. Bringen Sie ihr danach Blumen, hält sie das für unglaubwürdig und will sie nicht mehr.

Exakt so läuft es hier: die Gründung einer europäischen Ratingagentur JETZT quasi als "Antwort" auf schlechte Ratings wäre absoluter Schwachsinn, weil zu 100% unglaubwürdig. Kein Marktteilnehmer würde 2 Cents auf diese Bewertungen geben. Davon streng zu unterscheiden ist die Sinnhaftigkeit einer europäischen Ratingagentur "grundsätzlich". Diese hätte man aber gleich mit Einführung des Euro gründen müssen. Jetzt kann man lediglich darüber nachdenken, ob man sie nicht irgendwann, wenn alles wieder läuft wie es soll, installiert - alles andere bringt nix.

Gast: trendd
17.01.2012 22:24
1 0

logi

mit 60 % verschuldung oder mehr habe keine bonität.bei neuen Kreditet geht man nur pleite .

Gast: demokratieidealist
17.01.2012 20:56
1 0

solange die regierungen europas aus beamten besteht kann sich nichts ändern, ...

weder in der Wahrnehmung einer reformnotwendigkeit, noch eines unrechtsbewußtsein der beamteten kaste die auf kosten des "arbeitenden" = wirtschaftenden Steuerzahlers fürstlich lebt!

die demokratie in europa hat langfristig nur bestand wenn sie wieder vom bürger bestimmt wird.

der wunsch nach einer europ. ratingagentur ist ja nur die logische konsequenz die beamten fordern müssen, um langfristig aus dem schulden und steuertopf leben zu dürfen!

Es gibt schon europ. Ratingagenturen,

da diese die EUR-Länder aber durchwegs schlechter bewerten als die US-Agenturen (bin mal gespannt auf die dazu passenden Verschwörungstheorien), muss man halt so lange neue gründen, bis die Bewertung zur eigenen Meinung passt.

Das diese dann aber von keinem Geldgeber ernst genommen werden wird, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, die nächste "große Überaschung".

Das einzige Problem an solchen "großen Überaschungen" ist leider, dass sie immer vorher vom Steuerzahler mit Milliardenbeträgen bezahlt werden müssen.

Man sollte sich daher langsam andere, kostengünstigere Überaschungen einfallen lassen. Ein Impeachment-Verfahren, wie in den USA möglich, wäre eventuell eine solche Alternative?

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