19.05.2013 04:10 Merkliste 0

Anarchie unter Wiens Taxis

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Aufregung um Konkurrenten aus Deutschland, der nach Österreich drängt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Konkurrenz belebt. Nicht immer, was Bemühungen betrifft, das eigene Produkt zu verbessern. Manchmal belebt Konkurrenz vor allem die Fantasie der Alteingesessenen, einen Neuen gar nicht an den Start zu lassen oder diesen möglichst schwer zu machen. Das mag eine genauso natürliche wie verständliche Abwehrhaltung sein. Problematisch wird die Sache spätestens dann, wenn Marktteilnehmer ihre Marktmacht missbrauchen, um Konkurrenz auszuschalten. Wie es den in Wien tätigen Funkzentralen vorgeworfen wird.

Mit Taxifahrern, die glauben, sich das Recht herausnehmen zu müssen, auch App-Kunden zu bedienen, wird kurzer Prozess gemacht. Ihnen wird der Vertrag gekündigt und die Verbindung zum Funk gekappt. Vor dem Kartellgericht wird man einander nun wiedersehen. Was sich seit Längerem abgezeichnet hat, steht nun fest: Die Bundeswettbewerbsbehörde zerrt die Taxi-Funkzentralen vor den Kartellrichter.

Dabei gibt es in Österreich streng genommen (und wir wollen streng sein) keinen echten Taxi-Markt. Die Preise werden nicht von Unternehmern bestimmt, sondern unterliegen der Regelung durch die Obrigkeit. Der Wiener Bürgermeister und die Landeshauptleute legen die Preise per Verordnung fest. Alles nur zum Schutz und Wohle des Kunden, natürlich. Andernfalls gebe es „Anarchie“ auf dem Taxistandplatz, wie die Innung sagt. Das Nachkriegs-Brot der Gegenwart mit amtlichen Preisen ist – das Taxi. Wäre furchtbar, so eine „Anarchie“ wie am Lebensmittel-, Textil- und Sonstwasmarkt.

 

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

6 Kommentare

Taxikartell

Vielleicht koennte man dann gleich die Unsinnigkeit des Gebietsschutzes aufheben, wodurch, insbesondere von und zumFlughafen Wien (liegt aber in Schwechat) tausende Leerfahrten produziert werden und gerne die Aussage gemacht wird: "Ich kenne diese Adresse in Wien nicht da ich ein Taxler aus Niederosterreich bin". Zusaetzlich wird dadurch auch ein Beitrag zur Verbesserung der Luftqualitaet geliefert und Preise wuerden sinken, da man ja nicht fuer 2 Fahrten bezahlen muss.

Gast: The Seaotter
02.02.2012 10:44
1 0

Strengere Zugangsbedingungen

Das Problem in Wien ist ja wohl eher, dass es zuviele und zu schlecht ausgebildete Taxler gibt. Insofern würde eine Liberalisierung des Taxigewerbes wohl keine Verbesserungen für den Fahrgast bringen.
An jedem beliebigen Taxistandplatz stehen immer zig Taxis, die auf eine Fuhre warten. Klar, dass man, wenn man endlich an der Reihe ist, keine Fahrt um den nächsten Häuserblock haben will, nur um sich dann wieder hinten in der Schlange anstellen zu müssen.
Also, die Anzahl der Taxis in Wien stärker einschränken und die Zulassung zum Taxifahrer erschweren, mit einer strengen Prüfung über sowohl Orts- als auch Sprachkenntnisse.
Solange man nur mit unlauteren Methoden (nur lange Fahrten annehmen, Umwege etc. ) oder extrem langen Arbeitszeiten zu einem halbwegs ausreichendem Verdienst kommt, wird wird sich jedenfalls nichts verbessern.

Gast: The Seaotter
02.02.2012 10:29
0 1

Freie Taxipreise?

Die amtliche Preisregelung macht schon Sinn, sie abzuschaffen würde wirklich anarschische Zustände hervorrufen. Man sollte sich schon drauf verlassen können, dass eine Fahrt in etwa einen gewissen Betrag ausmacht, ohne vor Fahrtantritt mit dem Fahrer erst einen Fahrpreis ausverhandeln zu müssen, wie das heute noch vielfach in Osteuropa notwendig ist.

Re: Freie Taxipreise?

In Bukarest ist das beispielsweise ganz gut gelöst: Die Tarife sind frei (wobei es eine Unter- und eine Obergrenze gibt). Der Fahrgast sieht schon vor dem Einsteigen, was es kostet, denn die Preise sind gut sichtbar außen am Fahrzeug angeschrieben. Die Günstigen kosten ca. 1,40 Lei pro Kilometer, die Teuren 3,50.
Der Kunde hat die Wahl. Außer am Flughafen, dort gibt es nur die Teuren.

Gast: Taxlerin
02.02.2012 06:55
0 7

Tarifverordnung muss bleiben

Die Auftragslage ist im Wiener Taxigewerbe derart flau, mit sinkender Tendenz, dass eine Freigabe des Tarifs vermutlich mit Faustkaempfen am Taxistandplatz enden wuerde.
Bitte lasst uns das letzte Restchen Ordnung in diesem Steuer- und Sozialversicherungsbetrugs-Gewerbe bewahren!!!

Re: Tarifverordnung muss bleiben

Besser die Tarife freigeben, und dafür die anderen Mißstände beseitigen.

Mehr Kommentare:

Top-News